Bollywood-Star Kajol: Tränen im Interview

Bollywood-Star Kajol: Tränen im Interview

Seit „Sometimes Happy, Sometimes Sad“ ist sie einer der beliebsten Stars des indischen Kinos. Doch die Bollywood-Beauty dreht nur noch ganz selten, seit sie Mama ist. Um wieder mit Bollywood-Megastar Shah Rukh Khan vor der Kamera zu stehen, hat sie eine Ausnahme gemacht. In „My Name Is Khan“ rührt sie als Mutter, deren Kind erschlagen wird, garantiert jeden Zuschauer zu Tränen. Die kamen ihr im Interview selbst auch, als sie Kino-Redakteurin Mireilla Zirpins erzählte, wie sie diese schwere Szene bewältigt hat.

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Kannst du auf Befehl weinen?

Das werde ich jetzt hier im Interview nicht machen. Aber ich bin eine emotionale Person – wie die meisten anderen auch. Du kannst vor der Kamera nicht lügen. Wenn du nicht daran glaubst, sieht man das deinem Gesicht an, selbst in einem 60-Sekunden-Take.

Ich bin vermutlich nur eine gute Schauspielerin und habe eine gute Vorstellungskraft, vielleicht, weil ich viel lese.

Es ist die größte Angst jeder Mutter, ihr Kind zu verlieren. Wie schwer war es denn für dich als Mutter das zu spielen?

Das ist wohl die größte Angst. Es ist ja schon schwer, sich das vorzustellen. Über diese Szene bin ich schon bei der Lektüre des Drehbuchs gestolpert. Ich hatte ein komisches Gefühl im Bauch und habe nur noch gehofft, dass wir da nur eine Klappe drehen. Ich wollte das auf keinen Fall immer wieder spielen. Der Regisseur hat sich wirklich alle Mühe gegeben, damit ich da nur einmal durch muss. Wir haben an dem Tag auch nichts anderes gedreht. Aber ich wusste bis kurz vor dem Dreh nicht, wie ich das spielen sollte.

Die Szene rührt vermutlich jeden zu Tränen. Woher hast du diese Gefühle genommen?

Oh je. Ich glaube, ich muss das jetzt sagen. Ich habe vor zwei Jahren meinen Vater verloren. Kajol kämpft mit den Tränen, ihre Stimme klingt auf einmal belegt. Ich glaube, mir geht es so wie jedem, der jemand verloren hat. Man möchte den geliebten Menschen an diesem Punkt noch nicht loshaben und wünscht ihn sich zurück. So ging es mir beim Dreh dieser Szene wieder. Als die Kamera aus war, nahmen der Regisseur und ich uns gegenseitig in den Arm und weinten in einem fort.

Im Film heißt es, die Zeitrechnung kenne nicht mehr nur „vor Christus“ und „nach Christus“, sondern auch „vor 09/11“ und „nach 09/11“. Wie hat man das in Indien gespürt?

Das hat uns alle überrascht und schockiert, und jeder war betroffen. Jeder hat es gesehen oder gehört, und es war unglaublich verstörend. Es hätte jedem von uns passieren können. Deswegen wurden überall auf der Welt die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

Wie wirkte sich das auf den Konflikt zwischen Hindus und Moslems aus?

Dieser Konflikt ist leider nichts Neues für uns. Ich hoffe, dass die nächste Generation das lösen kann. Im Moment laufen in Indien Fernsehspots, die um Nächstenliebe und Verständnis werben. Wir haben den Glauben an die Menschen verloren und sind zynisch geworden. Wir glauben nicht, dass unser Nachbar uns in der Not helfen würde. Heute wird Güte fast mit Blödheit gleichgesetzt. Unser Film „My Name Khan“ will mit solchen Vorurteilen aufräumen. Ich selbst bin Hindu. Und wie jede andere Religion lehrt auch der Hinduismus dich in erster Linie Toleranz für andere Religionen. Jeder hat seinen eigenen Weg zu Gott, und jeder hat ein Recht auf seinen eigenen Weg.

Wie findest du es, dass Stars in Indien fast wie Könige verehrt werden?

Es ist manchmal beängstigend, wenn du durch eine Menge von 300 Fans schreiten musst oder am Flughafen plötzlich wildfremde Menschen vor dir stehen – sogar in Deutschland am Flughafen. Ich kann es dann gar nicht glauben, dass sie mich kennen. Es ist seltsam, denn ich habe ja nichts Besonderes gemacht, um das zu verdienen. Ich glaube ans Schicksal und an Glück. Ich danke Gott jeden Tag dafür.

Was bedeuten dir Luxus und Wohlstand?

Wohlstand heißt für mich, immer genug Bücher daheim zu haben. Ich habe meinem Mann gesagt: Ich heirate dich nur, wenn ich so eine Bibliothek bekomme wie in „Die Schöne und das Biest“. Toll, ich habe nur zwei Regale gekriegt. Ich lese gern Bücher mit Happy End und einem schönen, großen, dunkelhaarigen Helden. Da schäme ich nicht für.

Und Luxus?

Die Möglichkeit und die Zeit zu tun, was ich wirklich will. Man macht so viel, was andere von einem erwarten – oder man selbst von sich.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

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