Blutzbrüdas Filmkritik

Blutzbrüdas Filmkritik

4 von 5 Punkten

Es gehört im Rap-Business inzwischen marketingstrategisch zum guten Ton, aus seinem Badboy-Leben Kapital zu schlagen und einen Film auf den Markt zu werfen. So hat 50 Cent mit dem Biopic ‚Get Rich Or Die Trying‘ sein Image als hartes Straßenkind aufpoliert, und auch Eminem zeigte in ‚8 Mile‘ seine harte Vergangenheit im Trailerpark von Detroit. Mit ‚Blutzbrüdaz‘ reiht sich jetzt der deutsche Rapper Sido in diese Riege ein - und macht im neuen Film von Özgür Yildirim (,Chiko‘) eine erstaunlich gute Figur.

— ANZEIGE —

Bei dem Film handelt es sich zwar angeblich nicht um eine Biografie, dennoch gibt es viele Parallelen zu Sidos Leben. Der Streifen funktioniert, weil er nicht bloß schnödes Werkzeug ist, um Sido als coolen Rapper zu profilieren. Im Gegenteil: Stattdessen kann der Zuschauer verfolgen, wie Sido als Filmfigur Otis alias Sido seine ersten Schritte ins Musikbusiness macht und dabei ziemlich uncool von einer Misere in die nächste schlittert.

Abgebrannt, perspektivlos und heruntergekommen klammern sich Otis und sein Kumpel Eddy (Rapper-Kollege B- Tight) an den einzigen Strohhalm, der ihnen noch bleibt: Sie wollen Rapper werden. Um jeden Preis. Als das HipHop-Urgestein Fusco (sehr authentisch: Milton Welsh) auf die beiden aufmerksam wird, scheint der Traum endlich in greifbare Nähe zu rücken. Ein Demoband der ‚Blutzbrüdaz‘, wie sich Otis und Eddy nun nennen, schlägt im Kiez ein wie eine Bombe. Schon bald tanzt ganz Berlin zum Sound von ‚Hol doch die Polizei‘, und auch im Kinosaal ist kollektives Beinwippen angesagt.

Blutzbrüdas Filmkritik

Für eine Komödie nicht lustig genug

Bei so viel Erfolg dauert es nicht lange, bis der Plattenhai Facher (schön schmierig: Tim Wilde) das große Geschäft wittert und mit einem fetten Plattenvertrag winkt. Aber Otis muss schnell erkennen, dass Facher sie in eine Kommerz-Schublade quetschen will - inklusive lächerlicher Boyband-Outfits. Er baut Eddy zum heimlichen Superstar der Band auf, während Otis immer tiefer in der Versenkung verschwindet.

Leider verliert die Story genau an diesem wichtigen Wendepunkt an Fahrt. Statt Rebellion und Aufbruch folgt eine recht ereignislos Sequenz, in der Otis ein paar Rückschläge einsteckt, sich seine Wunden leckt und viel kifft. Trotz dieses dramaturgischen Hängers kommt keine Langeweile auf. Das liegt auch am Soundtrack, der zusammen mit der ansonsten unterhaltsamen Story sehr gut über 87 Minuten trägt.

Bei der Frage, ob es sich bei dem Film – wie deklariert – wirklich um eine Komödie handelt, kann man durchaus geteilter Meinung sein - das Genre verlangte eigentlich nach höherer Gagdichte und Lacherfrequenz. Aber trotz des leichten Etikettenschwindels ist ‚Blutzbrüdaz‘ ein überraschend gelungenes Kinodebut des Rüpelrappers.

Von Christina Rings

Bildquelle: dpa bildfunk
 
— ANZEIGE —