Blauer Unsympath: 'Megamind'

'Megamind': Nette Grundidee, aber leider zu aalglatt umgesetzt

Blauer Unsympath: 'Megamind'

Nichts gegen Antihelden, aber eins müssen sie sein: sympathisch. Und genau das ist 'Megamind', die Titelfigur des neuen Trickfilms aus dem Hause Dreamworks, nicht. Der Bösewicht, der Probleme mit dem Fiessein hat, ist zwar als Baby ein süßer blauer Außenseiter, mausert sich dann aber zu einem ziemlich anstrengenden Typen. Die gestochen scharfe, aber nicht wirklich liebenswerte Synchronstimme von Bastian Pastewka hält den Zuschauer leider zusätzlich auf Distanz.

Das ist schade, denn ein Superheld, der ein selbstverliebtes Arschloch ist und ein Fiesling mit zu viel Herz sind ja eigentlich eine hübsche Idee. Das Ganze beginnt auch ganz hübsch als Kindergartenfeindschaft zwischen dem kleinen blauen Eierkopf, der sich später 'Megamind' schimpft, und dem schleimigen Streberkind, das sich später als Metro Man zum Erlöser von Metro City aufschwingt.

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Leider wirkt Bastian Pastewkas Synchronisation ironisch distanziert

Das ärgert 'Megamind', der jedes Fremdwort und den Namen der eigenen Stadt falsch ausspricht umso mehr, als beide ein Auge auf das gleiche Mädchen geworfen haben - auf die fesche Journalistin Roxanne, die schon genervt ist, weil Megamind sie ständig entführt und sich dabei so doof anstellt, dass es der Rettung durch den selbstverliebten Metro Man fast gar nicht mehr bedürfte.

Sie ahnen es schon: Hochmut kommt vor dem Fall, und so gelingt auch Metro Man nicht mehr alles, während Megamind sich seinem weichen Kern stellen muss, auch wenn das imageschädigend ist. Das ist bisweilen ganz unterhaltsam und führt zu ein paar ganz abwechslungsreichen Actionszenen, die jedoch kein neuen 3D-Standards setzen. Vor allem bleibt das Ganze aber irgendwie doch aalglatt und ohne Herz, vor allem weil man mit dem Antihelden 'Megamind' nicht so richtig warm wird.

Das liegt ein wenig an den nicht wirklich niedlichen Figurenanimationen, vor allem aber an der Synchronisation Bastian Pastewkas, die stets ironisch distanziert wirkt. Da versprüht die Stimme von Will Ferrell im US-Original deutlich mehr Herzlichkeit, wenngleich 'Megamind' auch da keine Liebhabfigur ist. So gehen die 96 Minuten eher sang- und klanglos an einem vorbei. Nette Unterhaltung, mehr nicht.

Von Mireilla Zirpins

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