'Blade Runner 2049' mit Ryan Gosling und Harrison Ford: Darum ist das Sequel so sehenswert

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Ryan Gosling spielt in 'Blade Runner 2049' den Replikanten K, Ana de Armas seine Freundin Joi
Ryan Gosling ist der neue 'Blade Runner', seine Freundin Joi (Ana de Armas) nur ein Hologramm. © SONY PICTURES RELEASING GMBH

Der traut sich was: Denis Villeneuve setzt 'Blade Runner' fort

Kaum ein Sequel sorgte für derartige Aufregung im Netz – nicht mal die Fortsetzung der 'Star Wars'-Saga. Der Kanadier Denis Villeneuve, zuletzt mit 'Arrival' bei den Oscars schmählich übergangen, hat sich getraut. Und er hat Ridley Scotts SciFi-Meilenstein aus dem Jahre 1982 trotz kleiner Schwächen einen würdigen Nachfolger geschenkt.

Von Mireilla Zirpins

163 Minuten atemberaubende Bilder

Im Film sind 30 Jahre vergangen, seit Harrison Ford als Rick Deckard auf Replikanten-Jagd ging. Nur Feinheiten haben sich seither geändert: In der gigantischen Metropole Los Angeles, die mittlerweile San Diego als Vorort in sich aufgesogen hat, regnet es nicht mehr in Strömen wie einst in Ridley Scotts äußerst atmosphärischem Noir-Movie, sondern es schneit – wenn es nicht gerade neblig ist. Aus Scotts dampfendem Cyberpunk-Moloch L.A. ist eine unterkühlte und heruntergewohnte Megacity geworden, sensationell bebildert von Kamerameister Roger Deakins ('No Country For Old Men'). Er wird seinen Oscar bekommen – und zwar nicht nur, weil er schon 13 Mal vergeblich nominiert war, sondern weil er sich den Goldjungen mit jeder Einstellung redlich verdient hat.

Die Menschen wollen auch im Jahr 2049 noch die letzten der aufmüpfigen Androiden auslöschen, die sie einst selbst als willige Sklaven schufen. Ein neues Modell jagt nun seinesgleichen – effektiver und gehorsamer. Frauenliebling Ryan Gosling spielt einen solchen Replikanten mit dem einfachen wie kafkaesken Namen 'K', und mit seinem etwas distanzierten Charme ist er genau richtig für die Rolle. Der Typ mit dem lieben Blick und dem knallharten Schlag verrichtet jetzt wie einst Deckard den Polizisten-Job als 'Blade Runner', gesteuert von einer androgynen Chefin (wie immer zuverlässig in einer starken Frauenrolle: Robin Wright). Deckard selbst ist untergetaucht. Und es wird einen guten Teil der stolzen 163 Minuten dauern, bis 'K' ihn endlich aufspürt.

Kinotrailer 'Blade Runner 2049' - Kinostart: 5.10.2017
Kinotrailer 'Blade Runner 2049' - Kinostart: 5.10.2017 00:02:19
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Die Story: streng geheim

Der Regisseur hat eindringlich darum gebeten, nicht zu viel von seinem Plot zu verraten. Wer den ersten Teil nicht gesehen hat, könnte mit diesen Informationen ohnehin nicht viel anfangen und schaut am besten schnell noch Ridley Scotts 'Blade Runner' – vorzugsweise den Final Cut. Und alle anderen wären eh sauer, wenn wir hier zu viel verraten. Daher nur so viel: Es geht wieder um existenzielle Fragen der Menschlichkeit, um das, was uns Menschen zu Menschen macht oder Maschinen zu Maschinen.

Dabei ist der Plot der große Schwachpunkt des Films - zum Glück wartet er mit ein paar hübschen Twists auf. Das entschädigt für den allzu konventionell gestalteten Showdown und einen überzeichneten und eher farblosen Antagonisten (immerhin Jared Leto). Erfreulicherweise macht Denis Villeneuve aber nur wenige Zugeständnisse an die Blockbuster-Erwartungen der beteiligten Filmstudios, sondern geht ein extremes Wagnis ein: Er hält sich an das gemächlich-elegante Erzähltempo seines Vorgängers, das in den 1980ern Usus war, sich heutzutage aber kaum einer mehr traut. Das Konzept geht bis auf einen Hänger in der Mitte auf, auch wenn Scotts 'Blade Runner' einfach spannender war.

Harrison Ford über 'Blade Runner 2049'
Harrison Ford über 'Blade Runner 2049' 00:02:10
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Harrison Ford liegt diese Rolle besonders am Herzen

Wir verzeihen sogar, dass der Soundtrack nie an die wegweisenden Synthesizer-Klänge von Vangelis heranreicht, auch wenn das Komponisten-Duo Hans Zimmer und Benjamin Wallfisch ihnen mit allen Mitteln der Kunst huldigt. Denn am Ende ist 'Blade Runner 2049' nicht eines dieser überflüssigen Remakes oder eine dieser ärgerlichen krampfhaften Verlängerungen eines Erfolgskonzepts, sondern ein eigenständiger und in sich äußerst stimmiger Film, der sich vor seinem großen Vorbild verneigt, ohne es je zu verraten. Und das liegt nicht nur an Denis Villeneuves kreativer Vision, sondern auch an seinem heimlichen Hauptdarsteller:

Harrison Ford, der nur wenig Leinwandzeit bekommt, wächst über sich hinaus und gibt als verbitterter und sichtlich gealterter Rick Deckard wirklich alles. Auch wenn er in den letzten Jahren öfter wieder in Rollen wie die des Han Solo oder des Indiana Jones geschlüpft ist, die ihn als junger Mann berühmt gemacht haben, scheint viel mehr Herzblut in seinem Rick Deckard zu stecken. Aber das könnte auch daran liegen, dass er mit Ridley Scott noch eine Rechnung offen hatte zu der Frage, ob Rick Deckard nun ein Mensch oder ein Replikant ist. Und seien Sie sicher, dass Denis Villeneuves Film dem noch einiges hinzuzufügen hat!