Bill Murray: Vom Trash-Komödianten zum Kultschauspieler

Bill Murray: Vom Trash-Komödianten zum Kultschauspieler
Bill Murray bei einer Film-Promotion-Veranstaltung im Jahr 2014 © ddp images

Es gibt wenige Schauspieler, die nur mit ihrem Gesichtsausdruck so viel aussagen können wie er: Bill Murray. Sein natürlich zerknautschtes Gesicht, der melancholische Blick, die oft wirr abstehenden Haare - Murray wirkt immer ein bisschen abwesend, aus der Zeit gefallen, dazu mit Distanz zum Geschehen um ihn herum. Hinzu kommen die Selbstironie, die er seinen Rollen oft mitgibt und die unaufgeregt Art. Am 21. September wurde der großartige Schauspieler 65 Jahre alt.

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Er feiert den 65. Geburtstag

Geboren wurde William James "Bill" Murray am 21. September 1950 als fünftes von neun Kindern im Bundesstaat Illinois in den USA. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Eigentlich wollte Murray Medizin studieren, doch während eines Vorbereitungsstudiums fand er auch Gefallen an Marihuana - was wiederrum die Polizei, die es bei ihm im Gepäck fand, nicht gut fand. So musste er den Arzt-Traum ad acta legen. Ob er nun ein Drogendealer war, wie einige Leute das behaupten, ist nicht sicher, wohl aber eher übertrieben. Drogen, oder zumindest der Alkohol, spielen wohl bis heute eine Rolle in seinem Leben.

 

Durchbruch als Geisterjäger

 

Eine weitere Kontinuität: Sein liebstes Hobby ist bis heute Golf. Doch woher kommt die Begeisterung? Schon als Jugendlicher hat er als Caddy auf dem Grün Geld verdient. Dies wird übrigens in einem seiner früheren Filme, "Caddyshack", aufgegriffen. Denn darin geht es um einen jungen Mann, der, um sich das College leisten zu können, als Caddy auf einem Golfplatz jobbt. Murray spielt zwar nicht diesen Charakter, dafür aber einen verrückten Platzwart.

Stichwort "verrückt": Begonnen hat Murray als Theaterschauspieler, später verschlug es ihn zur Comedy-Show "Saturday Night Life" - ein Sprungbrett für viele Komiker und Schauspieler, die es später im US-Entertainment-Zirkus zu etwas bringen sollten. Anfangs war er in Filmen in Nebenrollen zu sehen. Bis er Ivan Reitman traf, der seine Art des Humors teilt und ihn deswegen in seinen Filmen besetzte. Zunächst in der anarchisch-chaotischen Filmkomödie "Ich glaub' mich knutscht ein Elch".

Der nächste Film wurde dann zum Durchbruch für Murray: In "Ghostbusters" aus dem Jahr 1984 mimt er den wenig erfolgreichen Parapsychologen Dr. Peter Venkman, der Film wurde zum weltweiten Kassenhit. In der Folge spielte er in einigen erfolgreichen Hollywood-Filmen mit - stets Komödien. 1993 übernahm er die Hauptrolle in "Täglich grüßt das Murmeltier". Dies ist sein wohl bis heute bekanntester Film. Und er war gleichzeitig eine Zäsur. Denn in den folgenden Jahren konnte er nicht mehr an diese Erfolge anknüpfen.

 

Murray findet "seinen" Regisseur

 

So änderte sich seine Rollenbesetzung, der Humor der Personen, die verkörperte, wurde subtiler. Oft spielte er Menschen, die eine gewisse Grundmelancholie in sich trugen. Statt Reitmann heißt sein bevorzugter Regisseur jetzt Wes Anderson. Murray ist fester Bestandteil des Ensembles des Regie-Sonderlings. Er tritt in den meisten von Andersons Filmen auf. In "Rushmore", "Die Royal Tenenbaums", die "Tiefseetaucher", "Darjeeling Limited", "Moonrise Kingdom" oder auch in dem wundervoll verspielten Meisterwerk "Grand Budapest Hotel" - immer ist Murray mit von der Partie. Fast immer kann er überzeugen. Der Humor von Anderson und Murray scheint nahezu deckungsgleich zu sein.

Murray hatte also seine filmische Heimat gefunden. Wenn man jedoch von seinen besten Filmen spricht, kommt man nicht um zwei Werke aus den Jahren 2003 und 2005 herum. Zunächst spielte er die Hauptrolle in Sofia Coppolas "Lost in Translation", passenderweise mimt er in dem Film ein alternden Schauspielstar, der in einer Lebenskrise steckt. Später dann kam Jim Jarmuschs "Broken Flowers". Darin macht er sich als reicher, aber gelangweilter Mann auf die Reise in seine Vergangenheit. Murray spielt in beiden Filmen Männer, die wohl schon über den Zenit ihres Lebens hinaus sind, sich in einer Sinnkrise befinden.

Das Leben meinte es auch nicht immer einfach mit Murray. Einerseits hat er sechs Kinder von zwei Frauen, anderseits ist er inzwischen wieder solo. Sonst erfährt man nicht viel aus seinem Privatleben. Nur, dass er dem Alkohol wohl nicht immer abgeneigt war. Was auch diverse Auftritte auf roten Teppichen vermuten lassen, bei denen er immer wieder mal ein wenig derangiert wirkte. Hilfreich wäre hier eventuell ein Manager oder Berater. Doch darauf verzichtet er.

Murray widersetzt sich den Gepflogenheiten des Filmgeschäfts, ebenso wie denen des modernen Lebens. Ähnlich wie eben sein Part in "Broken Flowers": Murray ist darin ein ehemaliger Frauenheld, der genug Geld zum Leben hat, aber nicht weiß, was er mit der Zeit anfangen sollen. Von Handys oder ähnlichen Dingen hält er nichts. So wie Murray: Er hat weder einen Manager, noch eine Handynummer, unter der man ihn erreichen kann. Er ist also nicht nur in seinen Filmen irgendwie anders.

 

Bald wieder im Kino zu sehen

 

Murray macht das, wozu er Lust hat. Was so viel heißt wie: Filme drehen ja, aber sicher nicht nur, um Geld zu verdienen. Und vor allem nur, wenn es ihm gerade passt. Ein Oscar steht bis heute nicht auf seinem Kaminsims - nominiert war immerhin schon einmal für "Lost in Translation" -, dafür gab es den Golden Globe. Sein bisher letzter Film in den Kinos war "St. Vincent" im Jahr 2014. Murray glänzte darin als mürrischer Mann, der sich auf unkonventionelle Art um einen Nachbarjungen kümmert.

Bald ist der US-Amerikaner wieder auf der Kinoleinwand zu sehen, im Film "Rock the Kasbah". Darin spielt er einen Musik-Manager, der mit seinem Klienten auf Tour geht - durch Afghanistan! Zum Cast gehören auch Bruce Willis, Kate Hudson oder Zooey Deschanel. Eine Komödie - natürlich. Er stellt einen abgehalfterten Mann dar - selbstverständlich. Er glänzt mit Selbstironie - wie nicht anders zu erwarten. Ob der Film war ein Erfolg wird, bleibt abzuwarten. Das trifft auf die Neuauflage von "Ghostbusters" sicher nicht zu, der im Sommer 2016 in die deutschen Kinos kommt, und als kommender Kassenhit gilt.

In dem Remake sind die Geisterjäger alle weiblich. Murray hat, nach anfänglichen Zögern, zugesagt. "Sie haben da eine echt witzige Truppe zusammengestellt und das Projekt wird großen Erfolg haben", ließ Murray artig zu dem Projekt wissen. Seine Rolle: Er spielt einen Skeptiker in Sachen Geisterjagen und konterkariert damit seinen Auftritt aus dem Original, in dem er den selbstbewussten Dr. Peter Venkman darstellte. Selbstironie gehört zur neuen Rolle wohl dazu. Sicher aber sein zerknautschtes Gesicht.

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