'Big Eyes': Amy Adams im Glupschaugen-Biopic

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Amy Adams und Christoph Waltz in 'Big Eyes'
Amy Adams und Christoph Waltz: Hier ist die Welt noch in Ordnung © Leah Gallo

3 von 5 Punkten

Aus dunklen, deutlich überproportionierten Augen starren uns die unglücklichen Kinder aus den Bildern von Margaret Keane an. Ein Motiv, das man von kitschigen Postkarten aus den 1960ern kennt, das aber aus der Mode gekommen ist. Wäre da nicht dieser düstere Charme, den die riesigen, comic-haften Augen versprühen, man müsste sich wundern, dass sich ausgerechnet Tim Burton von ihnen angezogen fühlt. Aber der fantasievolle Filmemacher, selbst übrigens ein begnadeter Zeichner und Ex-Disney-Illustrator, nennt sogar einige dieser Kunstwerke sein eigen. Konsequenterweise hat er nun die Geschichte ihrer Malerin verfilmt. Ein klassisches Biopic? Das ist so gar nicht Burton-Terrain. Zumal die Story andere Abgründe bietet, als man es beim Meister des Skurrilen erwartet hätte.

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Dabei fängt ‘Big Eyes‘ zumindest an wie ein typischer Burton-Film:

Eine trostlose kleinbürgerliche Wohnsiedlung in der US-Provinz, wie sie Burton schon in ‚Edward mit den Scherenhänden‘ zeigte. Die etwas zu grellen Farben täuschen darüber hinweg, dass sie ein Ort von Traurigkeit ist. Hier packt die malende Hausfrau Margaret (wie immer wunderbar in ihrem Understatement: Amy Adams) im Sonnenschein ihre Ölbilder und ihre kleine Tochter in ihr türkisfarbenes Auto und verlässt ihren Gatten – „zu einer Zeit, in der das noch nicht Mode war.“

Margaret schlägt sich als Dekormalerin in einer Kindermöbelfabrik durch, bis ihr Ex-Mann versucht, ihr das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter streitig zu machen. Um dieser ausweglos scheinenden Situation zu entkommen, gibt sie ein wenig zu vorschnell dem Heiratsantrag des begnadeten Schwätzers Walter Keane nach. Der Immobilienmakler verspricht, für sie und die Tochter zu sorgen. Und so verkehrt kann er doch nicht sein, schließlich pinselt der passionierte Hobbymaler genauso leidenschaftlich wie Margaret vor sich hin. Und genauso erfolglos. „Ihr zwei verdient euch“, kommentiert Jason Schwartzman als Galerist treffend, als er die Bilder beider Künstler ablehnt.

Kinotrailer Tim Burtons 'Big Eyes'
Kinotrailer Tim Burtons 'Big Eyes' Feine Vorstellung von Amy Adams 00:01:25
00:00 | 00:01:25

Nicht Burtons bester Film

Christoph Waltz und Amy Adams in 'Big Eyes'
Christoph Waltz und Amy Adams: Die guten Zeiten sind vorbei

Den eitlen Pinsel und Charmeur Walter spielt ausgerechnet Christoph Waltz. Der zweifache Oscar-Preisträger, bislang in Hollywood auf Bösewichte spezialisiert, als ‚romantic love interest‘? Dass er in den ersten Szenen zu schleimig, fast wie eine Fehlbesetzung wirkt, hat seinen Grund: Der gute Walter entpuppt sich nämlich in der Folge als echter Unsympath, der Margarets glupschäugige Porträts als seine Werke ausgibt und damit zu Ruhm und Reichtum gelangt. Dafür ist Waltz natürlich eindeutig der richtige Mann, auch wenn Burton ihn gerade gegen Ende nicht gebremst bekommt.

So versucht Waltz zunehmend, mit seiner brachialen Performance die sehr zurückgenommene Amy Adams an die Wand zu spielen. Der Schuss geht jedoch nach hinten los. Je mehr Waltz sich in den Vordergrund zu grimassieren versucht, umso eindrucksvoller wirkt Amy Adams als introvertierte Margaret. Da liegt jedoch auch ein weiterer Schwachpunkt des Films: Margarets Passivität gibt dem Zuschauer Rätsel auf, gerade weil man am Anfang gesehen hat, dass sie sich schon einmal erfolgreich emanzipiert hat. Auch findet gerade der sonst so kreative Tim Burton keine Bilder für den künstlerischen Schaffensprozess.

So ist ‚Big Eyes‘, der als filmische Biografie trotz seiner eher uninspiriert-chronologischen Erzählweise durchaus überzeugen kann, mit Sicherheit nicht das gelungenste Werk Burtons, wohl aber das konventionellste.

Kinostart: 23. April 2015

Genre: Drama/Biopic

Originaltitel: Big Eyes

Filmlänge: 106 Minuten

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