Hollywood Blog by Jessica Mazur

Berlinale-Blog: Rossellini als Regenwurm

Berlinale-Blog: Rossellini als Regenwurm
Berlinale-Blog: Rossellini als Regenwurm

von Jessica Mazur

Wer bei der 58. Berlinale den Rolling Stones noch den Rang ablaufen will, muss sich ganz schön anstrengen. Denn nicht mal für den schönen George Clooney oder Leo DiCaprio haben die Leute so gedrängelt, um in eine Pressekonferenz zu kommen wie bei Martin Scorceses Stones-Doku Shine A Light. Wer also keine Rocker-Urgesteine aufzubieten hat, die aus unerfindlichen Gründen das Ding auf dieser Berlinale zu sein scheinen, muss sich ganz schön was ausdenken. So wie Isabella Rossellini.

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Die hat ihre Sammlung von Kurzfilmen eine Gattung, die selbst auf der Berlinale nur Hardcore-Cineasten konsumieren einfach Green Porno genannt. Klingt total versaut, also lockt der Streifen die Zuschauer in Scharen an, zumal das Ex-Lancôme-Model auch noch selbst mitspielt. Ehrensache, dass ich bei der Premiere auch vorbeischaue. Wer gedacht hat, hier bekäme er mal eine nette Abwechslung zu den Schmuddelkinos hinter dem Bahnhof Zoo, hat sich getäuscht. Denn von den acht Kurz-Pornos werden nur drei gezeigt, und die sind jeweils knapp eine Minute lang und damit kürzer als alles, was im Bahnhofskino gezeigt wird.

Nackte Haut gibts hier schon gar nicht zu sehen, sondern nur Frau Rosselini in Insekten-Kostümen aus Papier! Ja, richtig gelesen. Sie spielt einen Regenwurm, der sich in 69er-Stellung mit einem Artgenossen paart in einem Kostüm aus rosa Schaumzeug. Jaja, wenn die Leute sonst nichts zu tun haben. Offenbar hatte die liebe Isabella aber viel Spaß beim Spielen und grinst wie ein Honigkuchenpferd, als ihr Wurm mal groß muss.

Das Basteln der Kostüme hat bestimmt auch einen ganzen Origami-Kurs glücklich gemacht. Und den Regisseur des Schwarz-Weiß-Stummfilms My Winnipeg, der im Doppelpack mit den grünen Pornos daherkommt. Ob der sonst so viel Publikum gehabt hätte? Nur dass Frau Rossellini, die übrigens mit ihren 55 Jahren trotz Insekten-Faschingskostüm verdammt gut und immer mehr wie ihre Mama Ingrid Bergman aussieht, einfach nicht nur Premiere erschienen ist, kam beim Publikum nicht so gut an. Nicht getraut? Nein, sie kommt schon noch und stellt ihre Insekten-Sexfilmchen als Installation aus. Aber sie hätte sich ruhig früher herwagen können: Die Leute haben die insgesamt drei Minuten lang herzlich gelacht. Das müssen andere erst mal schaffen.

Bis bald in Berlin!

Ihre Mireilla Zirpins