Hollywood Blog by Jessica Mazur

Berlinale-Blog: Her Madgesty in Berlin

Berlinale-Blog: Her Madgesty in Berlin
Berlinale-Blog: Her Madgesty in Berlin

von Jessica Mazur

Wenn Madonna zur Berlinale kommt, ist alles ein bisschen anders. Seit die Rolling Stones Berlin wieder verlassen haben , reden die Leute über nichts anderes als die "Queen of Pop" . Es interessiert sich kaum jemand dafür, dass angeblich George Clooney heute auch in der Hauptstadt aufkreuzt. Alle wollen nur wissen: Wo residiert Madonna (Hotel Regent am Gendarmenmarkt), wo isst sie (Dienstag Abend Seezungenfilet an Zitronenbutter mit Blattspinat im Entrecôte), und wie kommt man an Karten für die Premiere ihres Regiedebüts Filth And Wisdom (übersetzt: Schmutz und Weisheit)?

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Nun, bei E-bay kann man heute bis kurz vor der Vorstellung um 21.30 Uhr noch einige wenige Tickets ersteigern. Gerade gingen wieder zwei weg für zusammen 133 Euro. Ein stolzer Preis, wenn man bedenkt, dass der ursprüngliche  Besitzer der Tickets dafür nur 8 Euro pro Stück gezahlt hat, wie der Kartenaufdruck beweist. Auch nicht viel einfacher war es, heute morgen in die Pressevorführung zu kommen. Als ich zeitig am Kino aufschlage und mich noch mal nach den Toiletten umsehe, drängeln sich schon Trauben von Kollegen vor dem Saal. Ich wetze hin und schiebe munter mit. Plötzlich schließen sich die Türen direkt vor meiner Nase. Der Saal ist voll. 

Ich beiße mich in den Hintern, dass ich die Rambo-Filmkritik unbedingt noch vorher in die Redaktion schicken wollte . Als sich in der Warteschlange nichts mehr tut, werde ich unruhig. Ich muss den Film sehen. Ich habe ein Interview mit dem Hauptdarsteller, versuche ich die unerbittlich scheinende Berlinale-Dame zu erweichen. Aber nichts geht. Schließlich, 20 Minuten vor Filmstart, sollen angeblich doch noch fünf Plätze frei sein. Die Masse setzt sich in Bewegung und alle schreien: Ich war zuerst da. Die Pressedame tippt mich an und sagt: Sie sind auf jeden Fall dabei danke nochmal dafür. 

Raus kommt man hier natürlich nicht mehr, und schon gar nicht wieder rein, und so muss ich jetzt zwei Stunden ganz tapfer sein und verdrängen, mit wievielen Bechern Kaffee ich heute morgen versucht habe, mein Schlafdefizit zu bekämpfen. Und das alles für einen Film, den man sich im Leben nicht angesehen hätte, wenn Madonna nicht die Regisseurin wäre. Draußen beim Plausch mit Kollegen befinden wir, dass man ihr zwar stellenweise ganz amüsantes, aber cineastisch keineswegs bahnbrechendes Machwerk eigentlich schon nach fünf Minuten wieder vergessen hat. Und so ist das Interessante an den paar Premierenkarten, die es bei Ebay noch gibt, nicht, dass man den Film sehen kann, sondern dass sie auch zum Feiern auf der Premierenparty berechtigen. Denn irgendwie hoffen doch alle, dort einen Blick auf die Königin des Pop zu erhaschen und mitreden zu können, ob sie nun tatsächlich frisch geliftet ist oder nicht.

Bis morgen in Berlin

Eure Mireilla Zirpins

 

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© Bild: Jessica Mazur