Hollywood Blog by Jessica Mazur

Berlinale-Blog: Alle irre - Taxi Driver in Berlin

Berlinale-Blog: Alle irre - Taxi Driver in Berlin
Berlinale-Blog: Alle irre - Taxi Driver in Berlin

von Jessica Mazur

Penélope Cruz, Diane Kruger, Ryan Reynolds und Hayden Panettiere müssen beim Berlinale-Partyhopping fix zur Location kommen. Ein Fest für Taxifahrer? Iwo. Die Stars steigen natürlich nur in die gesponserten Luxuslimousinen mit den getönten Scheiben. Mit einem stinknormalen Taxi fahren nur D-Promis - und Journalisten wie ich, die sich in Zeitnot nicht auf die lahme Straßenbahn verlassen wollen, wo man von extra aggressiven Berlinale-Stoßtrupps von Kontrolleuren angefallen wird. Aber im Taxi ist es auch nicht besser, wenngleich lustiger.

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Berliner Taxifahrer sind eh eine Spezies für sich. Bekannt als die mürrischsten der Republik, laufen sie jedes Jahr zur Berlinale zur Höchstform auf. Ein Kollege wird erst gar nicht befördert, weil der Taxifahrer seiner Wahl entsetzt aufschreit: "Wat? Det is im Osten, wa? Nee, da fahr ick nich hin!" Ich will zum Glück im Westen bleiben. Zusammen mit zwei Kollegen springe ich nach dem Interviewtermin mit Penélope Cruz in einen Mietwagen.

"Wie, zum Hyatt? Das meint ihr doch nicht ernst?!", empört sich der unmotivierte Fahrer. "Das könnt ihr doch in 15 Minuten laufen", findet er. Der Mann hat einfach keine Ahnung, was so ein Reporter-Equipment wiegt. "Ich hab doch fast kein Benzin mehr im Tank", jammert er. Dass das Einsteigen ein Riesenfehler war, merken wir spätestens, als alle Türen zu sind. Deo scheint für unseren Taxi Driver ein Ding von einem fremden Stern zu sein. Mann, der riecht ja noch schlechter als mancher Kollege, der nach zu lang durchfeierter Nacht morgens für die 9-Uhr-Vorstellung ein bisschen spät dran war und die Katzenwäsche hat ausfallen lassen. Zeit ist eben Mangelware bei so einem Festival.

Ob in Cannes, Venedig oder Berlin - spätestens nach drei Tagen sind alle vom Feiern total fertig. Oder vor Überarbeitung. Schon sind die ersten Ausfälle zu vermelden. Thomas Kretschmann, den ich am Samstag noch interviewt habe, konnte Sonntag schon keine Pressetermine mehr wahrnehmen, weil er auf einem Ohr nicht mehr hörte. Und für Hardcore-Partygänger gibt es an manchen Abenden gleich drei oder vier Pflichttermine. Dass man als Journalist zum Teil kaum noch dazu kommt, sich Filme anzuschauen, wenn man von Interview zu Interview hetzt, muss man in Kauf nehmen.

Und während an den Ticketschaltern jeden Tag filmbegeisterte Schaulustige sich die Beine in den Bauch stehen, um vielleicht doch noch eine der begehrten Karten kaufen zu können, gibt es auch Leute, die der ganze Zirkus völlig kalt lässt. So wie unseren Taxifahrer. "Müsst ihr euch wirklich diese ganzen Filme reinziehen?", fragt er etwas entsetzt, während wir sonst von vielen um dieses Privileg beneidet werden. "Also, für mich wär das ja nix", mault er, "für mich muss so ein Film Action haben." Solche gibt es naturgemäß wenig bei der Berlinale. Aber ich freue mich, extra für Menschen wie unseren Taxifahrer heute Dolph Lundgren zu treffen, der seinen neuen Film 'Missionary Man' vorstellt, der gleich fürs Action-Publikum auf DVD erscheint. Zu dem Termin gehe ich aber definitiv zu Fuß.

Bis morgen in Berlin! Eure Mireilla Zirpins

 

 

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© Bild: Jessica Mazur