Bericht: Wulff will nicht zurücktreten

Wulff will sein Schweigen in der Kredit- und Presse-Affäre brechen
Bundespräsident Wulff will ein Interview zur Kredit- und Presse-Affäre geben. © dpa, Angelika Warmuth

Klebt er an seinem Stuhl?

Bundespräsident Christian Wulff will nach Informationen der ARD im Amt bleiben. Wulff habe sich entschieden, nicht zurückzutreten, meldete das 'Morgenmagazin' unter Berufung auf zuverlässige Quellen in der Umgebung des Staatsoberhauptes. Das Bundespräsidialamt ist für eine Stellungnahme bislang nicht zu erreichen.

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In Kreisen der Unionsfraktion wird die Situation für den Bundespräsidenten als durchaus kritisch eingeschätzt. Trotz der jüngsten Vorwürfe ging man aber davon aus, dass er die Affäre erst mal durchstehen will. Als erste prominente CDU-Politikerin sprach sich nun Vera Lengsfeld offen für einen Rücktritt Wulffs aus. In einem Interview von 'Handelsblatt Online' schlug sie zugleich den früheren Chef der Stasi-Unterlagenbehörde, Joachim Gauck, als Nachfolger vor.

Nach Informationen der DPA will sich Bundespräsident Wulff noch heute zu den Vorwürfen äußern. Es soll ein Interview im Fernsehen geben, heißt es.

Roth: "Extrem schwacher Präsident"

Die Grünen haben Kanzlerin Angela Merkel zu einer Stellungnahme zu den neuen Vorwürfen gegen Wulff aufgefordert. Merkel habe aus der Wahl Wulffs eine Posten- und Machtfrage gemacht, statt den Konsens zu suchen, sagte Partei-Chefin Claudia Roth der 'Süddeutschen Zeitung' vom Mittwoch. Also müsse Merkel sich nun zu den Vorgängen rund um ihren Wunsch-Kandidaten äußern.

Von Wulff verlangte Roth in der Affäre um einen Privatkredit und Drohanrufe an Journalisten weitere Aufklärung. Wolle Wulff die Affäre nur aussitzen, werde er ein "extrem schwacher Präsident". Eine Rücktrittsforderung stellte sie nicht. Der Bundespräsident müsse schon selbst wissen, ob er noch die nötige Autorität habe, um als "Konsensfigur und Wertevermittler" aufzutreten, sagte sie.

Wulff steht seit Mitte Dezember wegen seiner Kredite für den Kauf eines Eigenheimes in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident in der Kritik. Eine neue Dimension erhielt der Fall, nachdem bekanntgeworden war, dass der Bundespräsident persönlich mit einem Anruf bei 'Bild'-Chefredakteur Kai Diekmann versucht hatte, die erste Veröffentlichung der Zeitung zu den Krediten zu verhindern. Auch weitere Versuche, bei Medien Einfluss auf Berichterstattung zu nehmen, wurden bekannt.

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