Benjamin von Stuckrad-Barre: Das Danach ist spannend

Benjamin von Stuckrad-Barre
Benjamin von Stuckrad-Barre © Cover Media

Benjamin von Stuckrad-Barre (39) mischt das Konzept der gängigen Talkshow auf.

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Show nach der Show

Der Schriftsteller ('Soloalbum') kommt heute mit einem ganz neuen Konzept an den Start: Er besucht Menschen zu Hause oder direkt am Arbeitsplatz und hat vorher kaum Zeit, sich auf seine Gäste vorzubereiten. Er erfährt erst kurz vor der Aufzeichnung im Büro von Show-Produzent Christian Ulmen (39, 'Männerherzen'), wohin die Reise gehen wird.

Damit werden alte Talkshow-Muster durchbrochen, denen er selbst auch gefolgt ist. Von 2010 bis 2013 moderierte Stuckrad-Barre eine politische Late-Night-Show und schloss sich dem gängigen Talkshow-Turnus an. "Wir haben sehr lange eine politische Talkshow gemacht, bei der alles immer sehr gut - manchmal zu gut - vorbereitet und auf den jeweiligen Gast abgestimmt war", erklärte er im Gespräch mit 'morgenpost.de' und erläuterte den ihm langweilig erscheinenden Interview-Prozess. "Wir wussten, in Minute fünf sprechen wir über die Kindheit und gehen dann in ein Planschbecken oder so ähnlich. Man hatte das Gespräch vorher im Prinzip schon genau im Kopf und war dadurch nicht mehr so offen für Abweichungen, für Situatives. Das wollten wir nun kontern durch das Gegenteil." Schließlich sei vor allem das spannend, was nach der Gesprächsrunde geplaudert werde: "Wir hatten beobachtet, dass die Off-Momente oft die interessanteren sind: Die Sendung ist vorbei, man sitzt mit dem Gast noch vor einer traurigen Schale mit Minischokoriegeln und spricht über das Wetter und ob man gerade Grippe hat oder so. Das ist dann schon eine viel echtere Begegnung als eine, die man vorher exakt durchgeplant hat. Das klassische Talkshow-Szenario nivelliert ja all die Faktoren, die wirkliche Begegnungen prägen, also Umgebung, Laune, Wetter, Tagesform und so weiter."

Manchmal trifft er aber auch dank Christian Ulmens "sadistischer Ader" auf Menschen, mit denen er nicht ganz so viel anfangen kann. Bestes Beispiel: Jungschauspieler und Teenieschwarm Jimi Blue Ochsenknecht (22, 'Die Wilden Kerle'). Dass es in seiner Sendung auch mal peinlich werden kann, findet Benjamin allerdings wichtig und authentisch. "Echte Begegnungen zwischen Menschen verlaufen aber ja anders, da gibt es peinliche Pausen, unerwartete Wendungen", betonte er im 'Spiegel'-Interview und erklärte weiter: "Bei Jimi Blue Ochsenknecht war das Gegenteil der Fall. Nach zehn Minuten dachte man, dass zehn Stunden vergangen sind. Der konnte mit mir nichts anfangen und ich mit ihm nichts, es ist richtig schief gegangen und hatte gerade darin eine Richtigkeit." Das sei dann immer noch tausend Mal besser als das ausgeleuchtete Fernsehstudio. "Die absolut künstliche Sondersituation der Talkshow kommt einem zwar normal vor, weil es das gewohnte Bild ist. Aber in so einem Stuhlkreis sitzt doch sonst kein Mensch, mal abgesehen vom Elternabend im Kindergarten."

'Stuckrads Homestory' ist ab heute [16. Oktober] um 22.45 Uhr im 'rbb' zu sehen. In der ersten Folge trifft Benjamin von Stuckrad-Barre auf seinen Kumpel Udo Lindenberg (68, 'Mein Ding') und die Zuschauer können sich noch auf fünf weitere 30-minütige Ausgaben, die ebenfalls jeweils donnerstags ausgestrahlt werden, freuen.

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