"Bauernopfer" mit Maguire: Männer, die auf Schachbretter starren

"Bauernopfer - Spiel der Könige"
Tobey Maguire als Bobby Fischer in einer undatierten Szene aus dem Film "Bauernopfer - Spiel der Könige". Foto: StudioCanal/dpa © DPA

Es ist eine undankbare Aufgabe: Wie inszeniert man als Regisseur packend ein Schachspiel? Regisseur Edward Zwick ("Blood Diamond") entscheidet sich in "Bauernopfer - Spiel der Könige" für eine traditionelle Lösung und lässt seine Hauptfiguren schlicht lange angestrengt aufs Brett starren.

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Doch Zwick und Drehbuchautor Steven Knight, der auch den im Winter angelaufenen "Im Rausch der Sterne" geschrieben hatte, reichern die Spielszenen mit einer wahren Geschichte aus der Zeit des Kalten Krieges an. Außerdem ist ihr Werk prominent besetzt.

Es geht um die vielleicht bedeutendste Schach-Weltmeisterschaft aller Zeiten: 1972 sind die USA und Russland längst völlig verfeindet, mit Hilfe von Agenten und Doppelagenten kämpfen sie um die weltweite Vorherrschaft in Politik und Gesellschaft. Einen ungewöhnlichen Ausdruck findet diese Rivalität im isländischen Reykjavik. Dort spielt der US-Amerikaner Bobby Fischer (Tobey Maguire, "Spider-Man") gegen den Russen Boris Spassky (Liev Schreiber, "Spotlight") die wegen der historischen Begleitumstände vielleicht wichtigste Schachweltmeisterschaft.

Doch abseits des Bretts setzt Fischer sein Status als erster Popstar der Schachwelt zu. Von klein auf war er ein Sonderling, später steigert er sich mehr und mehr in einen ausgeprägten Verfolgungswahn hinein. Wohl zu Recht, denn die Regierungen der USA und Russlands wussten die Spieler als Stellvertreter für ihre eigenen Ziele einzusetzen.

Den Filmemachern gelingt es gut, das Zeitkolorit der 1970er einzufangen. Gedämpfte Farben und ruhige Einstellungen vermitteln immer eine unterschwellige Bedrohung. Die Sound-Abmischung tut ein Übriges, die Anspannung Fischers während der Spiele darzustellen.

Doch trotz einer sehr soliden Leistung der beiden Hauptdarsteller bleibt der Film seltsam leer. Fischer schwankt zwar zwischen Genie und Wahnsinn, aber zuvor wird wenig etabliert, warum sich der Zuschauer für dieses Wunderkind interessieren sollte.

Mitreißender sind da schon die Begleitumstände des Kampfes in Szene gesetzt: Die USA waren damals komplett dem Schachfieber verfallen, zum zeitgemäßen Soundtrack wird gezeigt, wie Menschen plötzlich über Rochaden diskutierten und ihren Spieler feierten.

Zusätzlich hübsch ausgestattet und auch in den Nebenrollen passabel besetzt waren deshalb auch die US-Kritiken zum Start vor einigen Monaten zwar positiv, aber nicht begeistert. Die Verzögerung bis zum deutschen Start deutet es an: Die Biografie ist ein solides Drama für Geschichtsinteressierte und Fans des Spiels - kann aber ohne Verluste auch später im Heimkino genossen werden.

(Bauernopfer - Spiel der Könige, USA 2014, 115 Min., FSK ab 6, von Edward Zwick, mit Tobey Maguire, Liev Schreiber, Peter Sarsgaard)


dpa
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