Bale und Ronaldo: Duell zweier ungleicher Galaktischer

Bale und Ronaldo: Duell zweier ungleicher Galaktischer
Manchmal freuen sie sich sogar zusammen: Cristiano Ronaldo (oben) und Gareth Bale beim Torjubel im Dress von Real Madrid © katatonia82/Shutterstock.com

Wenn am Mittwochabend die Nationalmannschaften Portugals und Wales' den Rasen des Parc Olympique Lyonnais betreten, dann werden sofort die beiden richtigen Männer im Rampenlicht stehen: Cristiano Ronaldo (31) und Gareth Bale (26). Die beiden sind nämlich nicht nur die schillerndsten Stars ihrer Teams, ihre Top-Torschützen und Schlüsselspieler. Sondern (natürlich) auch deren Kapitäne. Ronaldo und Bale werden also um 21 Uhr ihre Teams ins Flutlicht des EM-Halbfinales führen.

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Zwischen Sympathie und Häme

Auch wenn in einem Fußballspiel stets Elf gegen Elf antreten: Die beiden fechten das wohl faszinierendste persönliche Duell dieser EM aus. Ronaldo und Bale sind die teuersten Spieler der Fußballgeschichte. Sie verdienen ihr Brot als Teamkollegen beim großen Real Madrid. Sie führen beide gerne jeden Freistoß persönlich aus. Sie achten stets auf ihre Frisuren. Und trotzdem könnten sie in der Öffentlichkeit kaum unterschiedlicher ankommen: Hier der oft verhasste und verlachte Schnösel Ronaldo. Dort der Leader des sympathischen Underdogs, Gareth Bale. Wie können zwei Alpha-Männchen so unterschiedlich wirken?


Pommes mit Ei versus Sportwagen-Museum

Klar ist: Es ist alles andere als schwer, einen Clash der Lebenseinstellungen aus dem Duell Bale gegen Ronaldo zu konstruieren. Denn die beiden Fußball-Heroen gewähren ganz unterschiedliche Einblicke in ihr Leben. Bale etwa traf Ende 2015 den britischen "Express" zu einem Interview in Madrid. In einem feinen Restaurant. Und bestellte seine Leibspeise: "Pommes mit Ei". Truly british. Und sehr bodenständig. Ronaldo präsentierte beispielsweise der Zeitung "Marca" seinen Fuhrpark: Rund ein dutzend vorwiegend deutscher Sport- und Luxuswagen. Aber auch Bentley und Ferrari. Und niemals würde Bale sich als Unterwäschemodel versuchen. Freilich nagt auch der Brite nicht am Hungertuch. Ein eigener kleiner Golf-Course vor dem Haus? Nichts für arme Leute.


Team-Spirit ist alles?

Aber da ist auch die Haltung auf dem Platz. Läuft bei den Mitspielern etwas schief, lamentiert und gestikuliert Ronaldo gern. Bale treibt seine technisch deutlich limitierteren walisischen Mitstreiter eher mit aufmunterndem Klatschen an. Mit wem würde man da lieber Fußball spielen? Und dann hat Ronaldo wohl auch das größere Ego. Zu gewisser Berühmtheit hat es eine Szene aus dem Frühjahr 2015 gebracht: Ronaldo scheiterte im Ligaspiel Real Madrid gegen Levante mit einem spektakulären Fallrückzieher, Bale versenkte einige Sekunden später nach langer persönlicher Torflaute den Abstauber. Und Ronaldo? Winkte entnervt zeternd ab, als Bale das Tor gemacht hatte.


Vier Schritte zurück, einen zur Seite: Die B-Note

Teamspirit hin oder her: Eigentlich sind beide Stars Showtierchen. Liegt der Ball zum Freistoß parat, beginnt bei Bale und Ronaldo die Gala. Vier Schritte zurück, einen zur Seite, breitbeinige Westernpose. Zum Vorwurf gemacht wird das Gehabe nur Ronaldo. Wohl auch, weil er - zumindest im Nationalteam - die bessere Angriffsfläche bietet. Seit Tom Bartels' Kommentar im Ersten ist es Allgemeinwissen: Ronaldo hat in über 40 gockelhaft inszenierten Turnierfreistößen kein Tor gemacht. Bale genügte ein Bruchteil der Anläufe für zwei Kisten. Zudem präsentiert er sein Können zumindest verbal mit gewisser Demut. Er habe die Technik Ronaldos "Unzeiten trainiert", sagte er der "Daily Mail".


Wer ist der Teuerste auf der ganzen Welt?

Kurios - und bezeichnend - ist auch, dass bis heute immer wieder darüber gestritten wird, welcher von den beiden Stars denn tatsächlich der teuerste Transfer aller Zeiten war. Ronaldo hatte den Rekord seit 2009 gehalten. Um die 95 Millionen Euro hatte Real Madrid für ihn gezahlt. Dann kam Bale zum spanischen Spitzenverein. Offiziell hieß es: Für 91,9 Millionen Euro. Gemunkelt wurde, die Summe sei niedriger angegeben worden. Um Ronaldos Ego zu schonen. Das Portal "Football Leaks" enthüllte schließlich, Bale habe unterm Strich 99,9 Millionen gekostet. Bis Reals Haus-und-Hof-Tageszeitung "Marca" klarstellte: Mit Zinsen habe Ronaldos Transfer mit 104,7 Millionen zu Buche geschlagen. Beinahe schiene denkbar, dass Ronaldo sogar noch ein paar Millionen drauflegen würde, um seinen Rekord zu behalten.


Leisetreter und Glitzer-Helden - es braucht beide

Gareth Bale würde wohl kaum auf die Idee kommen, sich öffentlich über horrende Ablösesummen zu definieren. Sein Manager Jonathan Barnett meinte unlängst gar, Bale könne von Ronaldo noch etwas lernen: Ein wenig extrovertierter zu werden. Es gibt schließlich auch durchaus Stimmen, die meinen, Ronaldos Gehabe bringe sogar sportlichen Erfolg - schließlich schlotterten so einigen Verteidigern schon die Knie wenn Ronaldo zum Freistoß antrete. Dann muss eigentlich nur noch der Ball aufs Tor kommen.


So oder so sollte das Fußball-Publikum bei allem Ärger über Cristiano Ronaldos eitles Auftreten eins nicht vergessen: Der Mann bringt Emotion und Spannung ins Spiel. Eine oft vermisste Eigenschaft in Zeiten der angepassten, oft profillosen Jungprofis. Deren Phänotyp bei aller Sympathie Bale tendenziell eher entspricht als Ronaldo. Trotzdem: Falls heute "Pommes mit Ei" gegen "Unterwäschemodel" gewinnt, dürfte der Jubel in der Fußballwelt groß sein. Selbst haben Bale und Ronaldo angeblich übrigens kein Problem miteinander. "Sie gehen nicht jeden Abend gemeinsam Essen, aber das Verhältnis ist in Ordnung", verriet Barnett dem "Guardian" im Herbst.



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