'Bad Lieutenant': Kokain macht schlechte Laune

Bekannte Klischees: Korrupter Bulle, Drogen und Prostitution

'Bad Lieutenant': Kokain macht schlechte Laune

Warum guckt der denn so böse? Diese Frage stellt sich der Zuschauer unweigerlich, wenn er sich Nicolas Cages neuen Film „Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen“ anschaut. Über 122 Minuten versucht Cage („8 MM“, „World Trade Center“) in der Rolle des Polizisten Terence McDonagh mit grimmigem Blick klar zu machen, dass er ein echt böser Bube ist. Der schlecht sitzende Banker-Anzug, den ihm die Kostümbildner ausgesucht haben, macht das unsympathische Bild perfekt. Eigentlich ist der neue Film von Regisseur Werner Herzog („Rescue Dawn“, „Nosferatu“) als ein Drama angelegt, aber an manchen Stellen kommt der Streifen eher wie eine verkappte Komödie daher, da Nicolas Cage über weite Phasen hilflos in seiner Rolle wirkt und so manche unfreiwillige Lacher auf seiner Seite hat.

Der korrupte Polizist Terence gilt als Hoffnungsträger der Mordkommission von New Orleans. Doch bei einer Rettungsaktion während des Hurrikanes Katrina verletzt er sich schwer und wird erst schmerzmittel- und schließlich kokainabhängig. Dennoch wird er wegen seiner Heldentat zum Lieutenant befördert. Passend zum Klischee des korrupten Bullen mit Drogenproblem ist seine Freundin eine Prostituierte, die von Eva Mendes („The Women“, „Hitch“) gespielt wird. Doch viel mehr als Haut zeigen und Koks schnupfen hat das Drehbuch für Mendes leider nicht vorgesehen.

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Film-Genre ist hier nicht klar definiert

Terence wird, obwohl er nur noch zugedröhnt über die Leinwand schwankt, von seinem Dezernat mit einem heiklen Fall betraut: Eine afrikanische Familie wurde brutal massakriert.

Der einzige Augenzeuge ist der Botenjunge Daryl (gespielt von Jungdarsteller Denzel Whitaker). Er ist bereit gegen den Drogendealer Big Fate auszusagen (proletenhaft gespielt von Rap-Musiker Xzibit). Wer jetzt eine spannende Mord-Aufklärung erwartet, wird enttäuscht, denn das Massaker wird zur Nebensache. Stattdessen wird in voller Länge gezeigt, wie der böse Bulle Terence kiloweise Koks schnupft, Frauen vergewaltigt, alte Frauen mit der Waffe bedroht und Schulden bei der Wettmafia macht.

Dem Zuschauer wird während des Films einiges abverlangt, da nie ganz genau klar ist, in welchem Film-Genre er sich gerade befindet. Vor allem Cages Drogentrips aus der Kamerasicht von Krokodilen und Leguanen wirken sehr befremdlich und lassen den Zuschauer mit einem Fragezeichen zurück. Der einzige, der im Schauspieler-Stab wirklich authentisch wirkt, ist Val Kilmer („Heat“, „Batman Forever“), der den ebenso korrupten Partner von Terence mimt. Leider spielt Kilmers Figur so gut wie keine Rolle und so bleibt am Ende wieder nur Nicolas Cage mit seinem grimmigen Gesicht, sodass man sich fast die Feuerfratze aus seinem Filmflop „Ghost Rider“ zurückwünscht.

Leider ist es Cage auch mit „Bad Lieutenant“ nicht gelungen an alte Erfolge wie „Leaving Las Vegas“ oder „Im Körper des Feindes“ anzuknüpfen. Neben alteingesessenen Nicolas Cage-Fans sollten sich auch Liebhaber von ernsthaften Polizei-Dramen wie „L.A. Confidential“ oder „Training Day“ zweimal überlegen, ob sie wirklich ins Kino gehen wollen oder doch lieber die Zeit nutzen, um einen Schneemann zu bauen. Lediglich Freunde von Filmen wie Guy Ritchies „Snatch“ oder „Fear and Loathing in Las Vegas“ könnten bei der abgedrehten Handlung tatsächlich auf ihre Kosten kommen, solange sie die Sache mit dem „Bösen Bullen“ mit einem humorvollen Augenzwinkern nehmen.

Von Sebastian Schmidt

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