"Avengers 2": Effektreicher Kampf gegen Ultron

"Avengers 2": Effektreicher Kampf gegen Ultron
Mit vereinten Kräften stellen sich die Avengers ihren Gegnern in den Weg © Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Das lange Warten hat endlich ein Ende. In "Avengers 2: Age of Ultron" muss sich die schlagfertigste Superheldentruppe der Film-Geschichte mit einem nicht minder mächtigen Gegner messen, der damit droht, die gesamte Menschheit auszulöschen. Dabei geht alles schneller, lauter, zuweilen auch gefühlvoller und tiefgründiger als im Vorgänger zur Sache. Aber bedeutet "mehr" auch gleich "besser", oder verderben zu viele Helden den Unterhaltungs-Brei?

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Würdiger Nachfolger

 

Hehre Absichten

 

"Nur ein Weg führt zum Frieden... die völlige Vernichtung der Avengers". Mit einem Friedensprojekt hat sich der egozentrische Milliardär und Superheld Tony Stark ein klassisches Eigentor geschossen. Denn kaum erblickt sein Programm Ultron mithilfe eines mächtigen außerirdischen Artefakts das Licht der Welt, wähnt die künstliche Intelligenz nur einen Weg zum Erreichen des Weltfriedens als erfolgversprechend: Die Auslöschung der Avengers und der gesamten Menschheit. Denn wo kein Mensch, da auch kein Krieg.

Das sehen die sechs Recken Thor, Iron Man, Captain America, Hawkeye, Black Widow und Bruce Banner alias Hulk selbstredend etwas anders und stellen sich Ultron mit gewohnt hoher Schlagzahl in den Weg. Das Problem: Zum einen hat sich der Widersacher in einen mächtigen Kampfroboter eingenistet und eine ganze Armee von Maschinen-Kriegern aufgebaut. Zum anderen hat es ein von Hydra gezüchtetes Mutanten-Zwillingspaar auf die Avengers im Allgemeinen und auf Tony Stark im Speziellen abgesehen, deren Eltern einst von einem Sprengkörper von Stark Industries ums Leben kamen. Gemeinsam mit Ultron macht der ungemein schnelle Quicksilver (Aaron Taylor-Johnson) und seine Gedanken manipulierende Schwester Scarlet Witch (Elizabeth Olsen) den Avengers das Helden-Leben daher zusehends schwer.

 

Bombastische Reizüberflutung

 

Im Laufe des Film beharken sich die Avengers mit der Terror-Organisation Hydra, mit Ultron und seinem Gefolge - sowie untereinander. Denn ein Teil des Helden-Verbunds findet den unbedarften Alleingang von Stark alles andere als witzig, schickt sich seine Kreation Ultron doch an, die Menschheit zu vernichten. Aber egal wer gegen wen, die zahlreichen Scharmützel liefern ab - und wie. Durch immer größere und stärkere Gegnerhorden schießen und prügeln sich die Avengers über die Leinwand, und wenn sich Iron Man im gigantischen "Hulkbuster"-Anzug mit dem grünen Derwisch in der Innenstadt bekriegt, kann schon mal ein ganzer Wolkenkratzer in die Binsen gehen.

Manches Mal ist es fast schon zu viel Action, das Gehirn kommt dann gar nicht hinterher, die Schauwerte zu verarbeiten und die 3D-Effekte machen das rege Treiben auch nicht übersichtlicher. In einigen Sequenzen hat es sich Regisseur Joss Whedon zudem leider etwas zu einfach gemacht. Ein zurückgelassenes Kind, das nur unter heldenhafter Aufopferung gerettet werden kann, oder ein Zug außer Kontrolle, der auf das Gleisende zurast - das hat man gefühlt nun wirklich schon dutzendfach gesehen. Letzteres bei Marvel-Kollegen Spider Man in dessen zweiten Auftritt von 2004 übrigens weitaus "theatralisch wertvoller".

 

Mensch schlägt Superheld

 

Dass aber selbst recht klischeehafte Action-Szenen gut funktionieren, hat "Avengers 2" - ganz im Gegenteil zu seinem Vorgänger - den vermeintlich langweiligen, weil hoffnungslos unterlegenen Charakteren zu verdanken, nämlich Black Widow und Hawkeye. Sie beide wurden ganz klar als das emotionale Herzstück des Films konzipiert - mit Erfolg. Denn für die meisten anderen Avengers scheinen die Kämpfe zu oft Action ohne Konsequenzen zu sein. Zumindest der monströse Hulk, Halbgott Thor und Super-Mensch Captain America setzt kaum etwas wirklich zu. Zumindest nicht, wenn Scarlet Witch nicht wieder in ihren Gedanken herumpfuscht.

Überhaupt nimmt sich der Film die kostbare Zeit, den (komplett) menschlichen Protagonisten mehr Tiefgang zu verleihen. Der Meisterschütze Hawkeye kann sich gleich in mehreren Gelegenheiten auszeichnen und Russin Black Widow darf endlich auch Gefühle zeigen. Die innige Beziehung zwischen ihr und Dr. Banner ist es, die den Zuschauer in "Avengers 2" mit am meisten berühren dürfte. Bevor aber der Eindruck entsteht, der Film sei bierernst ausgefallen, hier die Entwarnung: Mit vielen kleinen Gags heitern Stark und vor allem Thor die Stimmung immer wieder auf und sorgen für Lacher.

 

Wir haben doch keine Zeit

 

Ein Problem, dass auch schon der erste Teil von "Avengers" hatte, ist der Zeitmangel. Mit knapp 140 Minuten ist Teil zwei nun wirklich kein kurzer Film, für die zahlreichen interessanten Charaktere ist es dennoch viel zu wenig. Streckenweise wirkt der Film überhastet, die Mutanten-Zwillinge bekommen eine Express-Vorstellung, die der Schnelligkeit von Quicksilver selbst gerecht wird.

Dazu kommen kurze Auftritte der Nebenfiguren aus dem "Captain America"-, "Thor"- und "Iron Man"-Franchise, und Nick Fury samt seinen "S.H.I.E.L.D"-Agenten darf natürlich auch nicht fehlen. Insgesamt wirkt "Avengers 2" damit aber zuweilen ziemlich überladen. So schön das Wiedersehen mit all diesen Figuren auch ist, vielleicht hätte man die Zeit besser für die Hauptfiguren aufgebracht.

 

Ein schweres Erbe

 

Als Nachfolger des sowohl furchteinflössenden, charismatischen, als auch unterhaltsamen Antagonisten Loki tritt Ultron ein schweres Erbe an. Der herausragenden Vertonung durch James Spader ist es zu verdanken, dass fast jeder Auftritt des Bösewichts umgehend zum Highlight der jeweiligen Szene wird. Denn Spader verleiht der künstlichen Intelligenz mit seinem Voice-Acting einerseits computerhaften Pragmatismus, nur um kurz darauf in äußerst menschliche Hass-Tiraden zu verfallen. Einen cholerischen Roboter-Misanthrop zu verkörpern, dürfte auch für den erfahrenen Schauspieler eine Herausforderung gewesen sein - die er mit Bravour meistern konnte.

Und so verdammenswert seine Herangehensweise auch ist, entbehrt sie nicht einer morbiden Logik. Denn ein Blick in die Menschheits-Geschichte lässt vermuten, dass Frieden auf Erden wirklich nur erreicht werden kann, wenn der Mensch als Spezies nicht mehr ist.

 

Fazit

 

"Bigger Bang For The Buck": Was vor rund 60 Jahren Dwight D. Eisenhower über Nuklearwaffen sagte, trifft so auch voll und ganz auf "Avengers 2: Age of Ultron" zu. Für den Preis einer Kinokarte bekommen die Zuschauer mehr Action, mehr Helden und mehr Drama geboten - aber auch weniger Zeit, all das zu verarbeiten. Während eher unscheinbaren Charakteren wie Hawkeye geschickt mehr Tiefgang verliehen wird, bleiben einige der "echten" Superhelden und Neuankömmlinge etwas auf der Strecke. Aber nicht weiter tragisch, von ihnen hat ja so gut wie jeder noch sein eigenes Franchise.

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