Australien beim ESC: Wie europäisch ist der Song Contest?

Australien beim ESC: Wie europäisch ist der Song Contest?
Isaiah Firebrace tritt mit dem Lied "Don't come easy" für Australien an © Andres Putting, SpotOn

Das seltsame EBU-Regelwerk

Der junge Mann hat das Zeug zum Star. Wenn Isaiah Firebrace sein Lied "Don't come easy" singt und dabei hingebungsvoll die Augen schließt, schmelzen Mädchenherzen dahin. Der 17-Jährige tritt mit dem Song beim ESC an - für Australien.

Die besten Lieder Europas? Von wegen!

Australien!? Eigentlich heißt es ja Eurovision Song Contest. Ein Wettbewerb für Komponisten, Songwriter und Interpreten. Veranstaltet wird er seit 1956 von der Europäischen Rundfunkunion (EBU). Und ausgezeichnet werden die besten Lieder Europas. Denkt man.

Nach den Statuten des Veranstalters können alle Länder teilnehmen, die Mitglieder der EBU sind, also die meisten europäischen (seit 1990 auch osteuropäischen) Länder sowie einige nichteuropäische Länder im Mittelmeerraum. Von den nicht zu Europa gehörenden EBU-Mitgliedern hat jedoch nur Israel regelmäßig am ESC teilgenommen.

ESC-Begeisterung auch über die Grenzen Europas hinaus

Aber es finden sich auf der Liste auch Länder wie Armenien oder Aserbeidschan, die eindeutig nicht zu Europa gehören. Die EBU rechtfertigt das durch eine gewisse ESC-Begeisterung dieser Staaten, in die der Contest auch live übertragen wird.

Die Türkei, deren Hauptstadt Ankara eindeutig im asiatischen Raum liegt, nimmt seit 2013 nicht mehr teil - aus Protest gegen den EBU-Beschluss, nach dem die "Big Five" (die fünf Meistzahler England, Frankreich, Deutschland, Spanien und Italien) automatisch für das Finale qualifiziert sind. Außerdem sind die Türken immer noch wegen des Sieges von Conchita Wurst (ESC 2014) verstimmt.

Australier lieben den ESC

Im fernen Australien ist der ESC beim Publikum sehr beliebt. Seit 1974 wird der Wettbewerb auf dem Fünften Kontinent ausgestrahlt. 2014 hat deswegen die EBU die australische Sängerin Jessica Mauboy für einen Auftritt außer Konkurrenz eingeladen. Bereits da zeigte sich: Nach musikalischen Kriterien ist ein Beitrag Australiens, gemessen am Klamauk vieler osteuropäischer Interpreten, eine echte Bereicherung.

Richtig teilgenommen hat Australien bislang zweimal. 2015 belegte Guy Sebastian mit dem Song "Tonight Again" einen 5. Platz im Finale. 2016 kam die Australierin Dami Im mit "Sound of Silence" auf den zweiten Platz; dem Jury-Voting nach war sie sogar die Siegerin.

Hätte Australien - und nicht die Ukraine - den ESC 2016 gewonnen, so wäre das Finale aber mitnichten in Sidney oder Melbourne ausgetragen worden. Nach den Richtlinien der EBU muss der Wettbewerb in jedem Fall in Europa stattfinden. Dieses seltsame Regelwerk wird ergänzt durch die EBU-Aussage, dass die diesjährige ESC-Performance keineswegs bedeute, dass Australien künftig immer dabei sein werde. Da kenne sich aus, wer will...

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