Ausstellung über Rotkäppchen und den bösen Wolf

Rotkäppchen
Rotkäppchen und der Wolf als Laubsägearbeit. Foto: Oliver Berg © deutsche presse agentur
- Anzeige -

Im Mitmach-Bereich liegt ein großer Plüsch-Wolf in einem Bett, und ein Schild fordert die kleinen Besucher auf: "Lass dich vom Wolf fressen! Schlüpfe unter die Decke in den Bauch des Wolfes!"

Es ist eine Art wohliger Grusel, der Erwachsene wie Kinder derzeit im Bilderbuchmuseum Burg Wissem in Troisdorf bei Köln erfasst. "Rotkäppchen und der böse Wolf" lautet der Titel einer neuen Ausstellung, die bis Februar 2017 dort zu sehen ist.

Wohl jeder kennt das Märchen vom Rotkäppchen, das 1697 erstmals unter dem Titel "Le petit chaperon rouge" von Charles Perrault aufgeschrieben wurde. Herausragende Bedeutung vor allem in Deutschland erlangte natürlich die Fassung der Brüder Grimm, die sie 1812 in ihrem Kinder- und Hausmärchenbuch veröffentlichten.

Kurz zusammengefasst geht die Geschichte so: Ein kleines Mädchen wird von seiner Mutter losgeschickt, die kranke Großmutter in ihrem Haus im Wald zu besuchen. Unterwegs trifft das Kind den Wolf, der es aushorcht und daraufhin zur Großmutter läuft und sie verschlingt. Dann legt er sich in deren Bett, wartet auf Rotkäppchen und frisst es ebenfalls. In der Grimmschen Fassung kommt zum Glück ein Jäger, der Oma und Enkelin rettet und dafür sorgt, dass der Wolf stirbt.

"Rotkäppchen ist das bekannteste Märchen, das gibt es in fast jeder Sprache und unzähligen Variationen", sagt Museumsleiterin Pauline Liesen. Bis heute würden immer wieder neue Abwandlungen entwickelt - "manche sind so ungewöhnlich, dass man den Witz nur versteht, wenn man die klassische Version genau kennt". Auch in der Psychologie und Philosophie spielten die verschiedenen Interpretationen von Rotkäppchen - etwa als Geschichte von Verführung und sexueller Lust - bis heute eine Rolle, erläutert Liesen.

Die Grundlage für die umfassende Sonderausstellung bildet die hauseigene Sammlung Waldmann, die zahlreiche Bilderbücher, Illustrationen und Objekte aus verschiedenen Epochen enthält. Sie wird ergänzt durch Bilder der Künstlerin Burgi Kühnemann, die sich seit Jahren bei ihren Buchübermalungen mit Rotkäppchen beschäftigt.

Während diese Abteilungen vorwiegend für Erwachsene interessant sind, richtet sich ein großer Mitmach-Bereich besonders an Familien. An mehreren Kreativ-Stationen können Kinder den Weg von Rotkäppchen spielerisch nachvollziehen. So gibt es eine Kinderküche, wo sie Kuchen für die Großmutter backen können, und einen Wald aus Pappmaché-Bäumen, in dem sie Blumen basteln und pflücken können. Das probeweise Gefressen-Werden vom Plüschwolf ist die letzte Station - die Dank ihrer Aufmachung aber wohl eher Spaß als Angst bei den Kindern auslösen dürfte. Eine Art wohligen Grusel eben.


Quelle: DPA
— ANZEIGE —