Auf Augenhöhe: Sam Beam und Jesca Hoop

Sam Beam & Jesca Hoop
Harmonische Zwiesprache: Sam Beam und Jesca Hoop. Foto: Josh Wool/Sub Pop © DPA

Sam Beams Auszeit vom erfolgreichen Bandprojekt Iron & Wine dauert also noch etwas länger. Wer sein Duo-Album mit der US-Songwriter-Kollegin Jesca Hoop hört, dürfte ihm deswegen aber kaum gram sein.

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"Love Letter For Fire" (Sub Pop/Cargo) ist eine Platte zweier verwandter Seelen mit unterschiedlichen Stimmen. Gewissermaßen eine moderne Folkpop-Version der Countryrock-Barden Gram Parsons und Emmylou Harris, die Anfang der 70er Jahre die Blaupause für solche wohlklingenden Mann-Frau-Kollaborationen lieferten.

Ach wie herzzerreißend schön harmonieren auch hier die Gesänge - in diesem Fall Sams leicht rauchige Sahnekaramellstimme und Jescas mädchenhafter, jedoch keineswegs süßlicher Ton. Da gibt es keine Dominanz, keinen männlichen Star, der sich ein nettes, aber unaufälliges Gesangspendant gesucht hat. Nein, dieses Album ist ein Ausdruck künstlerischer Augenhöhe.

Mit Iron & Wine hatte Beam (41) vor knapp 15 Jahren sehr spartanisch-bescheiden begonnen, war dann aber mit "Kiss Each Other Clean" (2011) und "Ghost On Ghost" (2013) in die erste Liga des US-Indierocks aufgestiegen. Die Experimental-Folk-Dame Jesca Hoop (40) arbeitete mit tollen Musikern aus Nordamerika und Großbritannien - von Peter Gabriel und Elbow bis zu Shearwater und Stewart Copeland - zusammen. Tom Waits charakterisierte sie eindrücklich als "an old soul, like a black pearl, a good witch or a red moon" - eine alte Seele oder gute Hexe also, nun ja.

Dem ersten gemeinsamen Werk mit 13 Songs hört man jedenfalls die Freude an der Zusammenarbeit und die notwendige Duo-"Chemie" zu jeder Sekunde dieser insgesamt 39 Minuten an. Begleitet von einigen ausgesuchten Koryphäen wie Glenn Kotche von Wilco (Schlagzeug), Sebastian Steinberg (Bass) und Eyvind Kang (Geige), begeben sich Sam und Jesca mit ihren Stimmen und Gitarren in die zeitlose Welt der balladesken Zwiegespräche, der zarten Folk-Walzer oder rustikalen Country-Schunkler.

"Einige meiner Lieblingslieder sind Duette, weil die erzählte Geschichte damit erweitert wird", sagt Beam. "Das sind dann nicht nur Monologe, sondern echte Unterhaltungen, und damit wird es kompliziert." Von den ersten Cello-Sounds des bezaubernden 58-Sekunden-Openers "Welcome To Feeling" bis zum herrlichen "Sailor To Siren" weiß diese glühend intensive Konversation zweier formidabler Singer-Songwriter durchgehend zu faszinieren.


dpa
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