'Argo': Ben Afflecks "beste blöde Idee" - Filmkritik

Männer mit Bärten: Ben Afflecks 'Argo'
Ben Afflecks 'Argo': Männer mit Bärten © dpa, Warner Bros.

4 von 5 Punkten

Nach seinem vielfach ausgezeichneten Film 'Gone Baby Gone' (2007) und dem von Kritikern gefeierten Hit 'The Town' (2010), beweist Ben Affleck mit 'Argo' wieder einmal, dass er nicht nur vor die Kamera gehört. Der spannende Polit-Thriller erzählt eine unglaubliche, aber wahre Geschichte, die Hollywood nicht besser hätte schreiben können: Während der Geiselnahme von Teheran müssen sechs US-Amerikaner mit einer so absurden wie auch brillanten Rückhol-Aktion sicher außer Landes gebracht werden.

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Auf dem Höhepunkt der iranischen Revolution werden im Jahr 1979 in der US-Botschaft von Teheran 52 US-Bürger als Geiseln festgehalten, um so die USA zur Auslieferung des gestürzten Schahs zu zwingen. Sechs amerikanischen Mitarbeitern gelingt jedoch die Flucht. Sie finden Unterschlupf in der kanadischen Botschaft. Allerdings ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch sie ausfindig gemacht werden.

Für CIA-Agent Tony Mendez (Ben Affleck), der darauf spezialisiert ist, Menschen aus Gefahrenzonen zu holen, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Wie tarnt man sich und sechs weitere Amerikaner am besten, um möglichst unauffällig aus dem Iran auszufliegen? Natürlich als kanadische Filmcrew, die einen Sci-Fi-Film à la 'Star Wars' drehen möchte und nach einem geeigneten Drehort sucht. Die Idee von Mendez klingt so verrückt wie genial. Für die als "Hollywood Option" - oder auch "beste blöde Idee" - bezeichnete Operation, werden Regisseur Lester Siegel (Alan Arkin, 'Little Miss Sunshine') und Maskenbildner John Chambers (John Goodman, 'You Don't Know Jack') angeheuert. Die besorgen sich sogar das passende Drehbuch ('Argo'), um alles möglichst authentisch wirken zu lassen.

'Argo': Packendes Geisel-Drama
'Argo': Packendes Geisel-Drama Kinotrailer - Filmstart: 8.11. 00:02:19
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Ben Affleck auf Oscar-Kurs: Thriller-Spannung auf hohem Niveau

Seventies-Flair in Ben Afflecks 'Argo'
Ben Afflecks 'Argo' mit Seventies-Flair © dpa, Warner Bros.

Selbst bei einem ernsten Geisel-Drama wie diesem kommen dank Alan Arkin und John Goodman die Gags nicht zu kurz. Die beiden nehmen sich und die Hollywood-Filmindustrie herrlich selbstironisch auf die Schippe und setzen alles daran, 'Argo' (von der Crew einfach "Argo-fuck-yourself" genannt) als echten Film zu verkaufen. So richten sie ein Produktionsbüro ein, schalten aufwändige Werbeanzeigen und geben sogar eine Pressekonferenz mit Fake-Darstellern.

Obwohl Affleck sowohl Regisseur als auch Hauptdarsteller und Held des Films ist, drängt er sich kaum in den Vordergrund und liefert eine auffällig leise, aber dennoch beeindruckende Performance ab. Genauso überzeugend sind die sechs Flüchtlinge, die in der kanadischen Botschaft ausharren müssen. Das Styling, das wirklich keine Modesünde der 70er-Jahre auslässt, ist ebenfalls rundum gelungen: Mit XXL-Brille, Schnäuzer und Föhnwelle bringen die Darsteller ein Stück Zeitgeschichte wieder zum Leben.

Der Film bleibt zwar bis zur letzten Minute spannend, ist aber fast schon zu hollywoodmäßig, als dass man glauben könnte, die Geschichte hätte sich eins zu eins so zugetragen. Doch 'Argo' soll schließlich kein Dokumentarfilm sein, sondern eben auch das Massenpublikum ansprechen – und das gelingt Affleck auf ganzer Linie. So schafft er mit Leichtigkeit den Balance-Akt zwischen einer politischen Geschichtsexkursion und nervenzerreißendem Unterhaltungsthriller. Über das kitschig geratene Ende kann man daher hinwegsehen.

Von Mariana Jang

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