Archaisches Albanien - Rohrwacher als "Sworn Virgin"

"Sworn Virgin"
Alba Rohrwacher (l) als Hana in dem Film "Sworn Virgin". Foto: drei-freunde © DPA

Alba Rohrwacher (37) gehört zu den großen Stars des italienischen Kinos. Mit Silvio Soldinis "Tage und Wolken" und Doris Dörries "Glück" wurde die wandelbare Schauspielerin auch in Deutschland bekannt.

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Bei der diesjährigen Berlinale entschied Rohrwacher als Mitglied der internationalen Jury über die Bären-Gewinner. Ebenfalls auf der Berlinale hatte im vergangenen Jahr ihr Film "Sworn Virgin" Premiere, der jetzt in die deutschen Kinos kommt. Eine leise, behutsam und langsam erzählte Geschichte, die von Rohrwachers ungeheurer Leinwandpräsenz lebt.

Regisseurin Laura Bispuri erzählt in ihrem Spielfilmdebüt von einer archaischen Welt in den albanischen Berg - und von einer Frau, die auf der Suche nach einem selbstbestimmten Leben eine radikale Entscheidung trifft. Hana (Rohrwacher) und Lila (Flonja Kodheli) wachsen als Schwestern in einem kleinen Dorf auf, in dem noch die uralten Gesetze gelten. Mädchen und Frauen haben zu dienen und zu gehorchen - ein Leben voller Verbote und Pflichten. Während Lila vor der Zwangsverheiratung nach Mailand flieht, wählt Hana einen anderen Weg.

Hana wird eine "Sworn Virgin". Sie legt den Schwur ewiger Jungfräulichkeit ab. Als "eingeschworene Jungfrau" verzichtet die junge Frau auf alle sexuellen Beziehungen, auf Ehe und Kinder – und wird in der Familie und der Dorfgemeinschaft dafür als Mann behandelt. Ein Handel, der sich für Hana, die jetzt Mark heißt, nach zehn Jahren nicht mehr richtig anfühlt. Sie verlässt die Bergwelt und fährt zu Lila in die Großstadt. Die Begegnung mit dem Bademeister Bernhard, vom deutschen Film- und Theaterstar Lars Eidinger ("Was bleibt") mit provozierender Lässigkeit gespielt, könnte zum Wendepunkt in Hanas Leben werden. Doch gibt es für sie einen Weg zurück?

Trotz großer äußerer Dramatik der Geschichte und innerer Zerrissenheit ihrer Figuren fehlt "Sworn Virgin" alles Reißerische und Zugespitzte. Es genügt schon ein kurzer Blick in Rohrwachers Gesicht mit den angespannten Zügen und dem sehnsüchtig, leise verzweifelten Blick, um die quälenden Konflikte von Hana zu verstehen.

Oft spiegelt die Natur mit wolkenverhangenen Bergen, Schnee und Regen das Gefühlsleben von Hana/Mark. Die Kargheit der Bilder und die Zeit, die sich die Regisseurin für die Geschichte nimmt, sind gleichzeitig Stärke und Manko des Films. Am Ende hätten die Zuschauer eben doch gerne noch etwas mehr gewusst über die Beweggründe der wortkargen Hana.

So wirft der Film ein etwas zögerliches Schlaglicht auf ein Einzelschicksal. Zum Verständnis der gesellschaftlichen Problematik um die massive Beschneidung von Frauenrechten in manchen Gegenden Europas leistet beispielsweise der Film "Mustang" aus dem vergangenen Jahr deutlich mehr. In dem oscarnominierten, von starken Emotionen lebenden Drama von Deniz Gamze Ergüven kämpfen fünf Schwestern aus einem kleinen türkischen Dorf gegen Bevormundung und Zwangsverheiratung.


dpa
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