Anwälte fordern Bewährung für Benaissa

Anwälte fordern Bewährung für Benaissa
© dpa, Boris Roessler

Fall Nadja Benaissa: Der vierte Prozesstag

Im Prozess gegen die HIV-infizierte No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa hat auch ihr Verteidiger im Schluss-Plädoyer auf eine Bewährungsstrafe und gemeinnützige Arbeit plädiert. Nadja bedauere ihr Verhalten zutiefst und habe gestanden, sagte Anwalt Oliver Wallasch vor dem Amtsgericht Darmstadt. Zuvor hatte der Staatsanwaltschaft ebenfalls eine Bewährungsstrafe gefordert - und schlug ein Strafmaß von zwei Jahren Haft auf Bewährung wegen gefährlicher und versuchter gefährlicher Körperverletzung vor. Der Nebenkläger äußerte sich ähnlich

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Während der Plädoyers wirkte Nadja laut Prozessbeobachtern sehr angespannt. Der Staatsanwalt hielt der 28-Jährigen ihr Geständnis und die Schuldeinsicht zu Gute. Außerdem habe sie keine Vorstrafen und wegen der HIV-Infektion eine eingeschränkte Lebenserwartung. Jedoch habe er zwei Seiten an Nadja kennen gelernt. Zum einen verantwortungsvoll im Umgang mit der Infektion, zum anderen aber auch gleichgültig gegenüber dem geschützten Verkehr mit dem Nebenkläger. In seinen Augen führe sie ein Leben mit Widersprüchen. Er habe keine Antwort darauf, warum sie mal Männer aufklärt und andere wieder nicht. Daher sieht der Staatsanwalt bewusste Fahrlässigkeit und Vorsätzlichkeit als gegeben.

Anwälte fordern Bewährung für Benaissa
© dpa, Boris Roessler

Beim anschließenden Plädoyer des Anwalts der Nebenklage wirkte Nadja nervös und aufgebracht. Er betonte noch einmal, wie gerne sich sein Mandant mit der Angeklagte im Vorfeld getroffen hätte. Er habe den Prozess nie gewollt, nur eine Entschuldigung. Er finde ihr Geständnis beschönigend und unangebracht. Nadjas Reaktion auf die Anschuldigungen: „Ich kann mich nicht entschuldigen! Es gibt keine Entschuldigung! Ich würde die Zeit zurückdrehen, aber das kann ich leider nicht.“ Weiter betont sie, wie feige es von ihr war, nicht auf den von ihr infizierten Mann zuzugehen, aber sie hatte Angst vor dem HIV-Outing. „Es tut mir leid - und es wird mir immer leid tun! Ich habe riesige Fehler gemacht. Ich weiß nicht, was ich noch sagen soll. Aber bitte richten sie ihm das aus!!!“, so Benaissa laut RTL-Prozessbeobachtern.

Zu Beginn des vierten Prozesstags hatte ein Gutachter zur HIV-Erkrankung des Nebenklägers ausgesagt, dass die Sängerin "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Quelle für die Infektion war". Der Virologe aus München versicherte außerdem, dass die zu untersuchenden Proben "in Bestzustand" waren und eine Verwechslung oder eine Verschmutzung auszuschließen sei. Das Gutachten des 53-Jährigen ist ein entscheidender Punkt vor dem Abschluss des Prozesses. Im Anschluss wurde der Psychologe der Sängerin befragt - jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Das Urteil soll am Donnerstag (26. August) um 13 Uhr verkündet werden. Der Richter kann Benaissa im schlimmsten Fall zu zehn Jahren Haft verurteilen.

(Bild: dpa)

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