Antoine Fuquas Remake von 'Die glorreichen Sieben': Zum Klassiker wird es nicht reichen

"Die glorreichen Sieben": Zum Klassiker wird es nicht reichen
Ein wild zusammengeworfener Haufen an glorreichen Revolverhelden © Sony Pictures Entertainment, SpotOn
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Neuauflage mit viel Action

Wenn ein aus heutiger Sicht als Meilenstein angesehener Film den so obligatorisch gewordenen Neuaufguss erhält, schießt eine Frage ganz ungewollt in die Gehirnwindungen: Muss das wirklich sein? Nein, lautet die klare Antwort, blickt man etwa auf den zuletzt so gefloppten und recht seelenlosen "Ben Hur". Auf jeden Fall, so die ebenfalls klare Antwort, denkt man nur an John Carpenters 80er-Jahre Remake von "Das Ding" zurück - inzwischen längst selbst zum Klassiker mutiert. Und bei "Die glorreichen Sieben"? Wie so oft liegt die Antwort hier irgendwo dazwischen.

Das dreckige halbe Dutzend plus eins

Bei der Handlung versucht "Die glorreichen Sieben" von Regisseur Antoine Fuqua jedenfalls keine Innovations-Bäume auszureißen, sondern orientiert sich fast eins zu eins am Original: Eine friedliche Kleinstadt mitten im Nirgendwo des Wilden Westens wird von dem skrupellosen Minenbesitzer Bartholomew Bogue (Peter Sarsgaard) und dessen Männern unterjocht. Als aus der Tyrannei Mord und Totschlag wird, heuert eine junge Witwe einen Kopfgeldjäger (Denzel Washington) an, um die Unholde ein für alle Mal aus der Siedlung zu vertreiben.

Der wiederum holt sich für die Verteidigung der Stadt sechs weitere Revolverhelden ins Boot. Den Zocker Josh Faraday (Chris Pratt) etwa, oder den bulligen Fährtenleser Jack Home (Vincent D'Onofrio). Und dann wären da noch der Scharfschütze Goodnight Robicheaux (Ethan Hawke), der Outlaw Vasquez (Manuel Garcia-Rulfo), ein mit Messern bewehrter, fernöstlicher Assassine (Byung-hun Lee) und zu guter Letzt der indianische Heißsporn Red Harvest (Martin Sensmeier). Wenn das mal kein bunt gemischter Haufen ist...

Action kann er

Blickt man auf die bisherigen Werke von Fuqua, fällt auf: bei dem 50-jährigen Afro-Amerikaner rumpelt es gerne im Karton. Bei "Olympus Has Fallen" ging es dem Weißen Haus ans Fundament, wenig später ballerte sich Washington in "The Equalizer" bildgewaltig durch zahlreiche Gegnerhorden. "Die glorreichen Sieben" schlägt, anders als Fuquas Oscar-prämiertes Meisterwerk "Training Day", in exakt diese Kerbe. Nach einer raschen und bei manch einem glorreichen Recken leider zu oberflächlichen Vorstellung, hangelt sich der Film von einer imposanten Konfrontation zur nächsten. Das mag nicht immer geistreich sein, macht aber, wie zuletzt etwa bei "Mad Max: Fury Road", einfach Laune.

Gut, solange es andauert

Wer nun aber beim Namen Fuqua ausschließlich an "Training Day" denkt und sich von "Die glorreichen Sieben" ähnlich fein ausgearbeitete Charaktere und nervenaufreibende Spannung ohne gleichzeitiges Action-Bombast erwartet, der könnte vom Streifen durchaus enttäuscht werden. Denn so viel sei gesagt: einen Schauspiel-Oscar wird es für Washington und Co. dafür nicht geben.

Nichtsdestotrotz wachsen einem die Charaktere ans Herz und der Zuschauer bangt um ihre Unversehrtheit. Ein wenig erweckt Pratts Rolle allerdings den Eindruck, er habe nur schnell seinen Star-Lord-Raumanzug aus "Guardians of the Galaxy" gegen ein schmuddeliges Westernoutfit eingetauscht. Vom großmäuligen Space-Outlaw zum nicht minder großmäuligen Western-Schlitzohr quasi - aber die Rolle kauft man ihm nun einmal ohne Einwände ab. Lange nach dem Baller-Bohei beschäftigt sein Schicksal und das der anderen allerdings auch wieder nicht. Aber diese emotionale Kurzweiligkeit ist für einen Film wie "Die glorreichen Sieben" durchaus ausreichend.

Der unvermeidliche Vergleich

Natürlich kommt man nicht darum herum, das Remake mit seinem Original zu vergleichen. Und ähnlich wie bei manch arg abstrusen Promi-Pärchen sieht man den beiden Streifen den Altersunterschied von über 50 Jahren deutlich an. Überraschenderweise aber nicht wie vielleicht angenommen in der Diversität der Charaktere: Auch das Original hatte mit Yul Brynner, Charles Bronson oder Horst Buchholz drei Schauspieler im Sattel sitzen, die sich optisch doch stark vom so durch und durch amerikanischen Musterhelden John Wayne unterschieden haben.

Das mit der modernen Tricktechnik wesentlich imposantere Schlachten zu realisieren sind, ohne bei stürzenden Pferden gleich PETA auf den Plan zu rufen, das ist klar. Der reine technische Fortschritt reicht allerdings selten aus, um aus einem Klassiker-Remake ebenfalls einen Klassiker zu machen. Warum wurde etwa David Cronenbergs Remake des Films "Die Fliege" zum Meilenstein und als einer der einzigen Horrorfilme mit einem Oscar ausgezeichnet? Weil er dank des technischen Fortschritts die Geschichte des Originals in einen ganz anderen Kontext hob. Etwa wie es Regisseur John Sturges 1960 mit einem gewissen "Die glorreichen Sieben" tat, als er die asiatische Vorlage "Die sieben Samurai" in den Wilden Westen verfrachtete.

Fazit:

Dass noch heute in 56 Jahren die Cineasten von einem Meisterwerk sprechen, wenn sie melancholisch auf Antoine Fuquas "Die glorreichen Sieben" zurückblicken, das darf doch sehr bezweifelt werden. Mit seiner kurzweiligen Freude am Actionbombast, die er während der 132 Minuten Laufzeit verbreitet, hat er aber allemal seine Daseinsberechtigung. Wer auf genau diese Art von Film steht, sollte unbedingt aufsatteln und zum Kino reiten.

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