Anne Hathaway: "Paparazzi sind wie Nierensteine"

Anne Hathaway: "Paparazzi sind wie Nierensteine"
© EP / WUF / Splash News

Es klimpert, bevor sie den Raum im Londonder Nobelhotel 'Dorchester' betritt. Ein ganzes Bündel Armbänder schlägt gegen ihre riesige Alice-im-Wunderland-Tasse, als sie ihre Endlosbeine in sündhaft hohen Overkneestiefeln übereinanderschlägt. Anne Hathaway, die als eine der zugeknöpftesten Aktricen Hollywoods gilt, zeigt sich am Tag nach der rauschenden Premiere des Tim-Burton-Films 'Alice im Wunderland' extrem redselig und gut gelaunt und erzählt Kinoredakteurin Mireilla Zirpins, warum sie eigentlich nach Hogwarts gehört und weshalb Paparazzi wie Nierensteine sind.

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Wie war die Weltpremiere von Alice im Wunderland in London?

Wunderbar - und nass. Bei der Premiere hat meine Haarstylistin meine Haare ziemlich hoch aufgebaut. Ich meinte: Soll ich es dann für die Party wieder ein bisschen platter drücken? Aber sie war sicher: Das macht der Regen schon für dich. In der Tat konnte ich schon beim Autogrammschreiben fühlen, wie meine Frisur runterkam. Aber es war ein großartiger Abend, denn ich habe nie zuvor solche begeisterten Fans gesehen.

Gehst du denn privat auch mal ohne Make-up aus dem Haus?

Ja, heute morgen zum Beispiel. Oder wenn ich es eilig hab. Meistens reiße ich mich aber so zusammen, dass ich morgens nicht so in Eile bin. Aber keine Sorge, jetzt habe ich welches drauf.

Nach 'Plötzlich Prinzessin' spielst du nun die weiße Königin. Warum sind junge Mädchen so begeistert von Prinzessinnen und Königinnen?

Da kann ich leider gar nicht mitreden, denn ich war früher ein halber Junge. Ich weiß, Ironie des Schicksals. Ich glaube, ich bin immer noch ein Wildfang, der sich nur gern ab und zu auf hohe Hacken schmeißt und sich ein bisschen Make-up ins Gesicht schmiert. Ich fand die weiße Königin toll, denn sie herrscht über das Fantasieland Underland. Da gibt es keine Regeln. Du kannst sie so interpretieren, wie du willst. Ich habe mich so gefühlt, als spielte ich in Tim Burtons imaginärer Sandkiste. Aber natürlich kann man als Prinzessin oder Königin all die tollen Kleider und Juwelen tragen, das ist sicher was für Kinder.

Was findest du toll an 'Alice'?

Den verrückten Hutmacher, nicht nur, weil Johnny Depp ihn spielt. Und die Raupe mit der Wasserpfeife. Urkomisch. Aber ich mag auch die Fantasie und den Freiheitsgedanken von 'Alice'. Mir musste man als Kind erklären, dass manche Dinge gar nicht in echt fliegen können und dass gar keine Monster in meinem Schrank wohnen. Ein Teil von mir glaubt immer noch, dass es Hogwarts wirklich gibt und dass meine Einladung nur irgendwo verloren gegangen ist.

Als weiße Königin hast du weißblonde Haare - für dich bis jetzt der radikalste Typwechsel, oder?

Oh, das hat so einen Spaß gemacht! In der Tat hatte ich bislang selten die Chance, körperlich derart hinter einer Figur zu verschwinden. Es war natürlich eine Perücke, aber es hat mir Leid getan, wenn ich sie wieder ausziehen musste. Ich war fast ein bisschen enttäuscht, wenn ich abends wieder ich selbst sein musste.

Und wie hast du dir in 3D gefallen?

Ich hab da gar nicht so drauf geachtet bei der Premiere. Meine Nase war okay, meine Augen nicht zu groß. Weißt du, dass ein Journalist mir mal gesagt hat, meine Augen wären so groß wie Laster? Da muss man sich ja Gedanken machen. Aber es sah gut aus. Generell hasse ich es, mich auf der Leinwand zu sehen. Du nimmst es einfach ernster als alle anderen, und Filme sollen ja Spaß machen. Ich wollte 'Alice im Wunderland' unbedingt sehen, also musste ich da durch. Ich fand den Film wundervoll. Es war sooo peinlich, ich habe sogar geheult - und ich saß neben Prince Charles! Ich hab mich so geschämt. Ich versuche ihm grad zu erläutern, wie man mit einer Green-Screen-dreht, und mir laufen die Tränen aus den Augen! Für mich ist mit dem Film wirklich ein Traum wahrgeworden. Ich wollte in einem Tim-Burton-Film mitspielen, seit ich acht war. Oh Mann, ich bekomme schon wieder feuchte Augen.

Wie hat die Oscarnominierung für 'Rachels Hochzeit' dein Leben verändert?

Nun, ich werde jetzt als Oscarnominierte vorgestellt, das ist doch schick. Aber ansonsten ändert sich bei mir ständig was, weil ich meine Karriere ja sehr jung gestartet habe. Und eine Oscarnominierung hilft dir am Set nicht, da musst du allein klar kommen und deine Rolle genau so gut wie alle anderen auch spielen.

Was ist dran an dem Gerücht, dass du bald Judy Garland spielst?

Wir suchen gerade nach einem Produzenten. Ich mache gern Projekte, vor denen ich Horror habe. Dieses lähmt mich fast, das finde ich aufregend. Judy Garland ist eine meiner Heldinnen und war so unglaublich talentiert. Ich betrachte es als Kompliment, dass man mir zutraut, sie zu spielen. Gerade diese Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit finde ich so interessant. Sie war lustig und liebevoll - und sie hatte eine Menge Probleme.

Judy Garland wurde jung berühmt - so wie du, aber sie konnte nicht damit umgehen. Ist es heute leichter, ein Teeniestar zu sein?

Ich will meinen Erfolg nicht herunterspielen, aber es kam eher langsam. Und ich habe bei meinen Recherchen festgestellt, dass es solche Fans, wie Judy Garland sie damals hatte, heute nicht mehr gibt. Ich habe das Gefühl, die Leute waren immer mehr an den Rollen interessiert, die ich gespielt habe und weniger an mir als Person.

Aber die Paparazzi sind doch sehr an dir als Person interessiert...

Ja, das hat jetzt angefangen, aber zum Glück nicht so schlimm wie bei anderen Schauspielern - und nicht permanent. Ich lese generell kaum Klatschblätter. Ich finde es bösartig. Die Welt braucht das nicht, und vor allem brauche ich das nicht in meinem Leben. Ich mag die Paparazzi zwar nicht, aber ich habe mir vorgenommen, nicht drüber nachzudenken, ob sie irgendwo aufkreuzen. Wenn sie dann trotzdem da sind, ist es nervig, aber es geht vorbei wie Nierensteine.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

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