Ann Sophie beim ESC: Aus Kümmerts Schatten ins Rampenlicht?

Ann Sophie beim ESC: Aus Kümmerts Schatten ins Rampenlicht?
Im Halbschatten: Schafft Ann Sophie am Samstag dauerhaft den Sprung ins Rampenlicht? © Thomas Hanses/EBU

Zweite zu werden, das ist nicht unbedingt schlecht. Es kommt allerdings auf die Umstände an. Und auf die Konsequenzen: Sängerin Ann Sophie (24) ist Anfang März mit dem Song 'Black Smoke' Zweite beim deutschen Vorentscheid für den 'Eurovision Song Contest' geworden. Das war aller Ehren wert. Ann Sophie hat wegen der Absage des Siegers den Sprung zum ESC nach Österreich geschafft. Als etwas problematisch stellte sich allerdings heraus, dass dieser Erstplatzierte Andreas Kümmert (28, 'Here I Am') war.

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ESC-Auftritt am Samstag

Kümmert ist eine ganz andere Sorte Newcomer - einer, der mit Ziegenbart, Bierbäuchlein und selbstgespielten Gitarrensongs irgendwie bunter, authentischer rüberkam als Ann Sophie. Und so wurde die 24-Jährige eben nicht nur Deutschlands ESC-Kandidatin. Sondern auch: die zweitbeste Lösung. Am Samstag ist es Zeit für die große ESC-TV-Übertragung. Ann Sophie wird auf Startplatz 17 ins Rennen gehen. Und irgendwie ist über die Hamburgerin nicht sehr viel mehr bekannt, als dass sie jene Frau ist, die statt Kümmert startet - die Frau, die statt der großen ESC-Sensation passiert. Auch Ann Sophies Siegersong blieb in den Charts weit hinter Kümmerts "Heart of Stone" zurück.

 

Abgeschlagen - zusammen mit Österreich, Montenegro und Polen

 

Es könnte sogar sein, dass das - neben Deutschlands europaweit reichlich unpopulärer Politik in der Euro-Krise - Ann Sophies Chancen trübt, eine größere Zahl an Punkten einzufahren. Bei den Buchmachern rangiert sie zusammen mit den The Makemakes aus Österreich ("Million Euro Smile"), Montenegro und Polen abgeschlagen auf den letzten Plätzen. Natürlich ist die Story des deutschen Vorentscheids auch international bekannt. Ann Sophie wurde bei ihrer ersten Wien-PK schon zum Thema befragt. Leider wird auch nach ihren ersten Auftritten dort eher über das berichtet, was sie nicht macht, als über das, was sie macht.

So haben sich die österreichischen Medien darauf eingeschossen, Ann Sophie als, nun ja... irgendwie miesepetrig darzustellen. Unterkühlte Verabschiedungen, genervter Tonfall, unkooperatives Verhalten wollen etwa "oe24.at" und "heute.at" ausgemacht haben. Ann Sophie habe wegen schmerzender Schuhe nicht für ein Foto aufstehen wollen, lamentiert "heute.at".

Dabei wirkt Ann Sophie bei der offiziellen Pressekonferenz eigentlich sehr zugänglich. Fröhlich lächelnd nimmt die deutsche ESC-Hoffnung Komplimente entgegen - und gibt sogar auf Nachfrage eine beeindruckende, improvisierte Version ihres Lieblingssongs von Beyoncé zum Besten. In den Schlagzeilen ist allerdings nur ein anderes Thema zu finden. Schon wieder geht es um etwas, das nicht passieren könnte: Um Ann Sophies Erkältung, die ihren Auftritt verhindern könnte. Das hat die Sängerin allerdings schon dementiert.

 

Von New York über Hannover nach Wien

 

Dabei gäbe es ja eigentlich über Ann Sophie einiges zu erzählen. Etwa, dass die junge Frau bereits eine Schauspielausbildung in New York absolviert hat. Und sich im Big Apple auch schon - wenn auch letztlich ohne durchschlagenden Erfolg - als Musikerin versucht hat. Dass sie aus 1.270 Konkurrenten zum deutschen "ESC-Clubkonzert" ausgewählt wurde. Und dann ist die Geschichte von Ann Sophies Schicksal als "zweiter Siegerin" ja auch eine schöne: Auf den Aufnahmen vom Vorentscheid ist wunderbar zu sehen, wie die 24-Jährige erst irritiert ist. Und dann kräftig und lächelnd beginnt zu singen. Das hätte ein gutes Omen sein können.

Letztlich könnte Ann Sophies Song "Black Smoke" aber ihren Aufenthalt in Wien widerspiegeln. "Black Smoke" ist eine durchaus nette, soulige Pop-Nummer. Ann Sophie trägt sie mit voluminöser, bisweilen mitreißender Stimme und wenig Extrashow vor. Aber dann hält sich der Song vielleicht auch etwas zu sehr an die Standards und Konventionen des Soul-Pop, um wirklich überraschen zu können. Ein charmantes Stück - von dem letztlich in Erinnerung bleibt, was es dann doch nicht vermochte zu leisten. Eben ein bisschen so, wie über Ann Sophie nun schon vor dem Wettbewerb berichtet wird. Wenn Ann Sophie dieser Falle entfliehen möchte, wird sie mehr als einfach nur "gut" singen müssen.

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