Angus und Julia Stone: Darum gingen sie getrennte Wege

Angus & Julia Stone im exklusiven Interview: Darum war die Trennung wichtig
Mariana Jang traf Angus und Julia Stone in Köln zum Interview.

Von Mariana Jang

USA, Kanada und jetzt Europa: Fast täglich stehen sie seit ihrem Tour-Auftakt im Oktober auf der Bühne. Das geht auch an Vollblut-Musikern wie Angus und Julia Stone ('Big Jet Plane') nicht spurlos vorbei. Etwas müde, aber dennoch herzlich, empfangen mich die Geschwister am späten Nachmittag im Kölner Palladium zum Interview, wo sie am Abend vor ausverkauftem Haus spielen werden. "Ich habe bis gerade noch geschlafen", gibt Angus lachend zu. Erst gestern waren sie in München, den Tag zuvor in Berlin. Wie aufs Stichwort kommt in diesem Moment ihr Tour-Manager Freddie herein und bringt den beiden erstmal einen Kaffee zum Wachwerden.

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Dass die zwei Australier eines Tages gemeinsam Musik machen würden, hätte damals wahrscheinlich niemand gedacht. "Wir hatten in der Schulzeit nicht wirklich viel miteinander zu tun", verrät die 30-Jährige. "Wir waren zwei Jahre auseinander. Angus interessierte sich fürs Skaten und ich mich mehr für Jungs. Wir waren in zwei völlig unterschiedlichen Welten." Doch die Leidenschaft und die Liebe zur Musik vereinten schließlich ihre Welten. Julia machte gerade mit ihrem damaligen Freund eine Backpacking-Reise durch Südamerika, als ihr Bruder später dazu stieß. In dieser Zeit brachte Angus seiner älteren Schwester das Gitarrespielen bei und die beiden fingen an, gemeinsam Musik zu machen.

Was folgte, war ein zweijähriger Aufenthalt in London, wo sie 2006 ihre erste EP 'Chocolates and Cigarettes' herausbrachten. Dort lernten sie auch zum ersten Mal, was es heißt, "on the road" zu sein. "Es hat seine schönen, aber auch seine hässlichen Seiten", verrät Angus. "Du hast keinen festen Wohnsitz und es ist schwer, Beziehungen aufrechtzuerhalten. Manchmal willst du einfach stehen bleiben und tief Luft holen."

"Wir mussten getrennte Wege gehen, um wieder zueinander zu finden"

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Doch das war nach dem weltweiten Erfolg ihres letzten Albums 'Down The Way' (2010) kaum noch möglich. Irgendwann kam der Punkt, wo es für beide nicht mehr weiterging. "Wir sind zwei Jahre lang mit unserem Album auf Tour gewesen und hatten beide das Gefühl, dass wir etwas Neues wollen", erzählt Angus. "Also ist jeder seinen eigenen Weg gegangen." Auch für Julia war die Solo-Karriere ein wichtiger und notwendiger Schritt, um sich als Künstlerin zu verwirklichen. "Ich wollte herausfinden, ob ich das Recht habe, alleine auf der Bühne zu stehen und zu singen. Das war mit Angus nicht möglich. Es war immer unsere Show, unser Ding, unser Song."

Kurz darauf trennten sich beide, brachten jeweils zwei Solo-Platten heraus und hatten kaum noch Kontakt zueinander. Erst im Radio erfuhr Angus, was seine Schwester in der letzten Zeit gemacht hatte. "Ich war gerade mit dem Auto unterwegs, um Milch zu holen", erinnert sich Angus. "Ich machte das Radio an und hörte, wie Julia in einem Interview über ihre Musik sprach. Dann kam ihr Song. Es war einfach magisch." Gleich darauf schickte er seiner Schwester diese Nachricht: "Ich habe dich gerade im Radio gehört. Du hast sehr gut gesprochen und dein Song ist wunderschön."

Auch Julia hörte das Solo-Album ihres Bruders erst nach der Veröffentlichung. "Ich kaufte mir seine Platte und war regelrecht besessen", schwärmt sie. Genau in diesem Augenblick ertönt während unseres Interviews von draußen die Musik vom Soundcheck: Es ist 'Broken Brights' von Angus. Beide halten kurz inne. "Genau dieses Lied meine ich", sagt Julia und strahlt dabei übers ganze Gesicht. "Das Lied war so schön und ich wurde ein richtiger Fan seines Solo-Albums." Man spürt, dass die beiden sich ihre Erfolge als Solo-Künstler aufrichtig gönnen. Dass sie aber doch irgendwie zusammengehören, merkten Angus und Julia nach einem gemeinsamen Auftritt beim australischen Woodford Folk Festival. "Ich hatte das Gefühl, dass da noch etwas war, das wir zusammen machen mussten", erklärt Angus. "Wir mussten getrennte Wege gehen, um wieder zueinander zu finden."

So entstand schließlich das dritte gemeinsame Album 'Angus and Julia Stone' (2014). "Angus ist ein bedeutender Teil meines Lebens. Ich habe wirklich großes Glück", so Julia. "Manchmal braucht man Abstand, aber jetzt bin ich froh, dass es so gekommen ist." Da kann sich die Fan-Gemeinde sicher nur anschließen.

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