Angelina Jolie & Co: Das bewirken Promis durch ihr soziales Engagement

Angelina Jolie & Co: Das bewirken Promis durch ihr soziales Engagement
UNHCR-Botschafterin Angelina Jolie beim Besuch eines Flüchtlings-Camps in Kenia © ddp images

Dr. Sandra Maxeiner hat die Aktion "Was wirklich zählt im Leben" für mehr Mitmenschlichkeit ins Leben gerufen. Dafür hat sie mit vielen Menschen gesprochen, die sich ehrenamtlich engagieren. Auch zahlreiche Prominente setzen sich für wohltätige Zwecke ein - Maxeiners Aktion wird unter anderem von Roland Kaiser unterstützt. Über die Beweggründe hat sie mit spot on news gesprochen. "Was Stars im Allgemeinen antreibt, vermag ich nicht zu sagen. Doch für die Menschen, mit denen ich gesprochen habe, ist es eine Herzensangelegenheit", berichtet die Politik- und Sozialwissenschaftlerin. "Ihr Engagement hat sie geerdeter, ja, wenn Sie so wollen, ein bisschen normaler gemacht. Denn gerade als prominente Persönlichkeit läuft man schnell Gefahr, die Bodenhaftung zu verlieren, weil man so oft hofiert und glorifiziert wird, dass man irgendwann glaubt, man sei tatsächlich so wichtig wie der letzte Applaus."

- Anzeige -

Experten-Interview

Und Maxeiner erzählt weiter: "Roland Kaiser hat das sehr schön in unserem Gespräch erklärt. Ich denke, soziales Engagement kann Prominenten ein Stück 'Normalität' zurückgeben: Ein Leben jenseits der Bühne und des Rampenlichtes und das Gefühl, als Mensch und nicht nur als 'Promi', als 'Sänger', 'Schauspieler' oder auch als 'Politiker' geschätzt und anerkannt zu werden. Ich glaube, dass es dieser natürliche Umgang mit Menschen ist, die der Hilfe bedürfen, der ihren Blick schärft für das, was wirklich zählt im Leben. Soziales Engagement gibt ihrem Leben einen tieferen Sinn und erfüllt sie auch dann, wenn die gleißenden Scheinwerferlichter eines Tages nicht mehr auf sie gerichtet sind."

 

"Prädestiniert, andere Menschen zur Mithilfe zu motivieren"

 

Auf die Frage, ob sozial engagierte Promis die Menschen besser zur Mithilfe motivieren als "Normalos", antwortet sie: "Ganz klar: Ja! Viele der prominenten Persönlichkeiten sind für andere Menschen Vorbilder, sie werden von ihnen bewundert, geachtet, geschätzt, respektiert und verehrt. Schon alleine dadurch sind sie geradezu dafür prädestiniert, andere Menschen zur Mithilfe zu motivieren. Hinzu kommt bei prominenten Persönlichkeiten natürlich, dass sie die öffentliche Wahrnehmung auf ihrer Seite wissen, das heißt, sie können für ihre Anliegen werben und können eine Aufmerksamkeit erzeugen, wie es uns 'Normalos' nicht möglich ist."

Angelina Jolie geht bis vor den UN-Sicherheitsrat, um sich für Flüchtlinge einzusetzen. Können solche Aktionen Bewegung in die Politik bringen? "Ja, natürlich", meint die Expertin. "Ich bewundere Angelina Jolies Engagement für Menschenrechte und ihren Einsatz für Flüchtlinge sehr. Wolfgang Bosbach hat in dem Gespräch, das ich kürzlich mit ihm geführt habe, nachdrücklich darauf hingewiesen, dass er sich mehr Engagement in der Betreuung und Eingliederung von Flüchtlingen wünscht. 'Wir haben 2008 28.000 Flüchtlinge aufgenommen, 2014 waren es 203.000 und wir rechnen in diesem Jahr mit 400.000 Flüchtlingen. Das ist eine gewaltige Leistung des Staates, aber zu dieser organisatorischen Leistung muss auch das persönliche Engagement der Bürger hinzukommen [...] Damit diejenigen, die Schutz suchen und Schutz bekommen, auch das Gefühl haben, dass sie in ihrem neuen Heimatland auch wirklich willkommen sind.'"

 

Angelina Jolie ist "couragiert und glaubwürdig"

 

Das Engagement prominenter Persönlichkeiten - "noch dazu, wenn es so beherzt, couragiert und glaubwürdig ist wie bei Angelina Jolie" -, kann laut Maxeiner "natürlich dazu beitragen, Bewegung in die Politik zu bringen". Doch mindestens genauso wichtig wie das Handeln der Politik sei es, "dass sich mehr Menschen in unserem Land verantwortlich fühlen, die Notlage der Flüchtlinge erkennen, sich ihrer Probleme annehmen und ihnen das Gefühl vermitteln, willkommen zu sein. Damit schließt sich der Kreis und wir sind erneut bei der Wichtigkeit unserer Aktion 'Was wirklich zählt im Leben' und unserem Aufruf für mehr Mitmenschlichkeit angelangt."

Und wie ist es in Deutschland um das soziale Engagement bestellt? "Schaut man sich offizielle Statistiken an, könnte man den Eindruck gewinnen, dass in diesem Bereich eigentlich alles bestens ist: Knapp 13 Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland in einem Ehrenamt, einer Bürgerinitiative, einem Verein, Verband oder ähnlichem. Das klingt nach sehr viel, doch dieser Eindruck täuscht", sagt die Autorin der Nachschlagewerke "Dr. Psych". "Nach meiner Erfahrung, die ich in vielen Gesprächen mit Ehrenamtlichen, mit Vereinen und Stiftungen gemacht habe, gibt es in etlichen Bereichen einen großen Bedarf an ehrenamtlichen Hilfskräften, der nicht befriedigt werden kann."

 

"Mitmenschlichkeit in die Gesellschaft hineintragen"

 

Zahlreiche Organisationen litten darunter, dass sie dringend Ehrenamtliche suchen, aber keine Helfer finden. "So beispielsweise die Björn Schulz Stiftung, die seit einiger Zeit händeringend Familienbegleiter (die Familien mit lebensbedrohlich und lebensverkürzend erkrankten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen begleiten) sucht, aber keine findet. Doch das ist nach unserer Auffassung nicht das einzige Defizit. Wir haben diese Aktion ins Leben gerufen, weil wir Mitmenschlichkeit wieder breiter in die Gesellschaft hineintragen wollen, weil wir Menschen sensibilisieren wollen, sie ermutigen möchten, hinzuschauen und anderen zu helfen, die sich nicht selbst helfen können. Schließlich kann jeder von uns irgendwann einmal in seinem Leben - früher oder später - in eine Situation kommen, in der er auf die Hilfe anderer angewiesen ist."

Und auch die Helfer selbst profitieren: "Alle Menschen, mit denen ich gesprochen habe, haben mich tief beeindruckt", sagt die Expertin. "Sie haben so viel Neugier gezeigt, so viel Offenheit und Toleranz, aber vor allem Leidenschaft und bedingungslose Akzeptanz für Menschen, wie ich es selten zuvor erfahren habe. Kurz, ich habe Menschen getroffen, die über sich hinausgewachsen sind, weil sie voll hinter dem stehen, was sie tun."

 

Helfer profitieren in vielerlei Hinsicht

 

Die wohl größte Motivation ihrer Gesprächspartner sei das Gefühl, "dass sie etwas zurückgeben und ihren Beitrag für eine bessere, eine menschlichere Gesellschaft leisten wollen. Und zwar nicht, weil sie sich irgendetwas davon erwarten, sondern weil es ihnen einfach sehr großen Spaß macht, zu helfen. Und mal ehrlich: Gibt es etwas, das schöner oder erfüllender sein könnte als eine Motivation, die so tief aus dem Innersten des Herzens kommt?"

Die Helfer profitieren laut Maxeiner in vielerlei Hinsicht: "Sie lernen sich selbst besser kennen, sie lernen, Fehler zuzulassen, nicht immer perfekt sein zu müssen, von vorgefertigten Absichten abzurücken, sie lernen, abzuwarten, genau zu beobachten und Menschen nicht so schnell zu 'verurteilen'. Sie lernen zuzuhören, geduldig zu sein und erst zu fragen, wie man unterstützen kann - und nicht sofort mit Ratschlägen zu kommen."

spot on news

— ANZEIGE —