Andy Shaufs zweites Album 'The Party' ist ein sehr spezielles Singer-Songwriter-Kleinod

Das US-Label ANTI- ist für Geschmackssicherheit bekannt. Ein weiterer Beweis: die Neuverpflichtung des wunderbaren kanadischen Singer-Songwriters Andy Shauf. Sein zweites Album führt ihn direkt in die erste Liga des Genres.

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War das erst ein Jahr alte Debüt "The Bearer Of Bad News" noch eine tiefe, wohl auch etwas devote Verbeugung vor dem großen verstorbenen Kollegen Elliot Smith (1969-2003), so findet Shauf nun mit "The Party" definitiv eine eigene Stimme. Zwar ist das Vorbild immer noch im Hintergrund spürbar (was angesichts der Ähnlichkeit dieser beiden schüchtern-sensiblen Stimmen auch kaum zu vermeiden ist). Doch der ohnehin hoch talentierte junge Mann mit den langen blonden Haaren und dem verträumten Blick hat seitdem noch einmal viel dazugelernt.

So wartet die zweite Shauf-Platte mit erlesen kammerorchestralen Seventies-Arrangements und einer an Paul Simon, Paul McCartney, Gilbert O'Sullivan oder Harry Nilsson gemahnenden Melodieseligkeit auf. Vom Albumtitel sollte man sich also nicht täuschen lassen: Partymusik ist das gewiss nicht - sondern eine versonnene, immer wieder von unaufdringlicher Melancholie durchdrungene Folkpop-Liedersammlung einer kommenden Koryphäe. Eher ein "after-party-record", wie ANTI- zu Recht insistiert.

Der Opener "The Magician", die zentralen Songs "Begin Again" und "The Worst In You", die herrliche Ballade "To You", das eindringliche "Alexander All Alone" - alles quasi im Alleingang aufgenommen, selbstproduziert und viel mehr als nur Talentproben.

Wobei es sich eigentlich kaum lohnt, einzelne Lieder herauszuheben, zum Rosinenpicken eignet sich "The Party" nämlich so gar nicht. Dieses Konzeptalbum funktioniert als Ganzes, es ist zum konzentrierten Durchhören gedacht. Ein sehr spezielles Singer-Songwriter-Kleinod, das am Ende dieses Jahres auf manch einer der einschlägigen Bestenliste auftauchen dürfte.


dpa

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