Andreas Gabalier: Zu erfolgreich, um auf seine Kinder aufzupassen?

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Andreas Gabalier will Frauen am Herd sehen.
Andreas Gabalier: Als Vater selbst zu Hause bleiben? Och nöööö...

Ein Kommentar von Mireilla Zirpins

Da glaubt man, die Ewiggestrigen wären vor allem unter CSU-Politikern zu finden - und wird von einem jungen Rockmusiker in Krachlederhosen eines Besseren belehrt. Während sich in ganz Europa Männer und Frauen Gedanken dazu machen, wie man Erziehungsarbeit gerecht auf die Geschlechter verteilen und der beruflichen Benachteiligung von Frauen nach der Geburt ihrer Kinder entgegenwirken kann, entpuppt sich einer als größter Hinterwäldler von allen: Volksmusik-Rocker Andreas Gabalier. „Ich glaube, dass es Kindern gut tut, wenn ihre Mutter länger zu Hause bleibt“, sagte der sonst so locker-flockig tuende Österreicher der Zeitschrift ‚Tina‘. Dafür hagelte es vernichtende Kommentare in den sozialen Netzwerken. Völlig zu Recht. Dagegen war unsere Ex-Familienministerin Kristina Schröder fortschrittlich.

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Was meint der Mann zu sein, dass er für andere über ihre Familienplanung entscheiden kann? Was qualifiziert ihn als Ratgeber? Bisher war er nicht als Verfechter des Feminismus aufgefallen, sondern im Gegenteil negativ dadurch, dass er bei seiner Interpretation der österreichischen Nationalhymne die „großen Töchter“ der Nation unterschlug und nur die Söhne besang. Ein Kind hat er selbst auch noch nicht in die Welt gesetzt. Woher sollte ausgerechnet er eine Ahnung davon haben, wie schwer es sich Mütter – und auch Väter – heutzutage machen, wenn sie den Spagat zwischen einem erfüllten Berufsleben und einer liebevollen Elternschaft schaffen wollen? Allein Sohn einer Mutter zu sein, die heute noch manchmal seine Hemden bügelt, macht noch keinen Experten aus ihm.

Nun haben RTL-Reporter dem Lederhosen-Barden die Gelegenheit gegeben, seine steinzeitlich anmutenden Aussagen vor laufender Kamera noch mal ins rechte Licht zu rücken. Und was macht der 31-jährige Österreicher? Anstatt die Gelegenheit zu nutzen und elegant zurückzurudern, legt er noch einen drauf: Gleich drei Jahre, besser noch mehr, sollen seiner Meinung nach frischgebackene Mütter daheim beim Nachwuchs bleiben. Dass einem die Rückkehr in den Beruf umso schwerer gemacht wird, je länger man ausgesetzt hat, davon können leider zu viele Mütter ein Lied singen.

Seine Rechtfertigung macht es nur noch schlimmer

Wenn in einer Familie ein Elternteil eine lange Familienauszeit nimmt, ist das genauso richtig wie jedes andere Modell auch. Aber die Entscheidung muss jedes Elternpaar für sich treffen – und zwar partnerschaftlich. Und schon gar nicht irgendwelche selbsternannten Moralapostel wie Herr Gabalier. Wieso bitte spricht Gabalier hier nur von den Müttern? Schon mal was davon gehört, dass ein Vater ebenso gut eine Elternzeit nehmen kann? Da scheint der Alpen-Rocker zunächst ein wenig einzulenken.

Wenn die Familie es sich finanziell leisten könne, dürfe notfalls auch der Papa daheimbleiben. Sollte der Mann doch was dazugelernt haben? Iwo! Es kommt gleich wieder der Macho durch: „In meinem Fall würde ich’s nicht wollen, weil’s mir einfach beruflich zu gut geht. Das stünde bei mir jetzt in keiner Relation.“ Zu erfolgreich, um auf Kinder aufzupassen? Lieber Andreas Gabalier, man kann es auch genau andersherum sehen: Wer beruflich erfolgreicher ist, kann eine Auszeit vielleicht besser verschmerzen als jemand, der erst am Anfang seiner Karriere steht.

So eine lange Auszeit muss man sich überhaupt erst mal finanziell leisten können. Schließlich gibt es genug Familien, bei denen zwei Menschen in Vollzeit schuften müssen, um überhaupt ein Kind durchbringen zu können. Es hat eben nicht jeder einen Gatten, der mit dem Trällern seichter Liedchen mal eben ein Vermögen einstreicht und kann daher auf den zweiten lukrativen Job in der Medienbranche dankend verzichten.

Apropos: Was sagt denn Gabaliers Freundin, die TV-Moderatorin Silvia Schneider dazu? Schließlich hat der Volks-Rock’n-Roller unlängst herumposaunt, er wünsche sich eine große Familie und würde sich kaum bremsen können, wenn er einmal mit dem Kinderzeugen angefangen hätte. Bei drei oder vier Kindern käme nach seiner Philosophie schnell eine Elternzeit von neun Jahren oder mehr zusammen. Ob das der 32-jährigen Österreicherin, die im Gegensatz zu ihrem Lover ihr Jurastudium sogar abgeschlossen hat und deren Moderatorenkarriere hier in Deutschland gerade erst abhebt, so schmeckt? „Die sieht das eigentlich auch so“, beeilt sich der selbst ernannte ‚Alpen-Elvis‘ zu sagen. Ja, da sollten die Kollegen von VOX sich schleunigst mal nach einer neuen Präsentatorin für ihre Koch-Show „Game Of Chefs“ suchen, falls Frau Schneider bald die Kochstelle im Rampenlicht gegen den heimischen Herd tauschen will – oder muss.

VOX/pa/Fritz Jamnig

VOX/Timmo Schreiber

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