Andreas Gabalier: "Wir brauchen zwei Eier in der Hose"

Andreas Gabalier: "Wir brauchen zwei Eier in der Hose"
Andreas Gabalier ist der Held der Berge © Michael Mey

Bisher war Andreas Gabalier der selbsternannte Volks-Rock'n'Roller. Doch mit seinem neuen Album "Mountain Man", das seit heutigem Freitag im Handel ist, inszeniert sich der kernige Steirer auch als Held der Berge. Superkräfte scheint er momentan aber auch wirklich vonnöten zu haben, um durch das Stahlbad der Kritik zu gehen, in das er sich durch seine teils sehr umstrittenen Äußerungen (Bundeshymne, Frauen an den Herd, usw.) selbst geworfen hat. Wie er mit dem heftigen Gegenwind aus seiner Heimat umgeht und warum er nicht von seiner Meinung abrückt, hat er im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news verraten.

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So geht der Volks-Rock'n'Roller mit der Kritik um

Herr Gabalier, auf Ihrem Album-Cover sind Sie als Superheld der Berge zu sehen. Von welchem Superheld sind Sie Fan?

Andreas Gabalier: Ich habe Superhelden als Kind geliebt. Batman war eigentlich für mich immer das geilste. Aber auch der Klassiker Superman ist spitze und Captain America finde ich auch toll. Mit dem Mountain Man habe ich mir jetzt einen Kindheitstraum erfüllt. Ein Freund von mir ist Comic-Maler, der hat mir das Cover gezeichnet. Es ist ein Aufreger und ein Hingucker, es polarisiert wie der Teufel. Ich glaube, mehr kann man sich für ein neues Album nicht wünschen.


Auch Sie polarisieren mit Ihren jüngsten Aussagen. Mütter sollten länger die Kinder hüten, sagen Sie zum Beispiel. Sie bleiben bei dieser Meinung?

Gabalier: Es sollte doch eigentlich die schönste Zeit für eine Frau sein, wenn sie das Kind schon neun Monate mit sich trägt. Ich glaube, von Natur aus ist die Bindung des Kindes zur Mutter stärker als zum Vater. Es ist sicherlich aus sozialen Aspekten kein Fehler, wenn man den Kindern ein bisschen Mutterliebe schenkt. Aber natürlich kann es auch der Vater sein, der in Karenz ist, wenn es sich die Familie finanziell leisten kann. Das ist einfach unglaublich wichtig für den weiteren Lebensverlauf, wenn man vor allem als Kleinkind die nötige Liebe auf den Lebensweg mitbekommt.


In den vergangenen Monaten prasselte auffällig viel Kritik auf Sie ein. Sind Ihre Ansichten zu konservativ?

Gabalier: Seit einem Jahr herrscht große Aufregung. Die Bundeshymne, der Amadeus Award und alles Mögliche. Anscheinend werden meine Worte sehr gut gehört da draußen. Zum Teil wird das dann in einer doch angeblich so sehr toleranten Welt aufs Wildeste verteufelt. Die Toleranz reicht doch nur so weit, bis irgendjemand anderer Meinung ist. Dann wird mit Händen und Füßen darauf losgehackt.


Ist der Song "A Meinung Haben" Ihre Antwort an all Ihre Kritiker?

Gabalier: Absolut! Er soll ein bisschen Anstoß sein, für jene, die den ganzen Tag von Toleranz reden und eigentlich in meinen Augen nur Heuchelei betreiben. Und es soll auch all jene bestärken im Land, die noch zwei Eier in der Hose haben und auch wirklich hinter dem stehen, was sie sagen.


Auf "Mountain Man" ist aber auch die Heimat wieder ein großes Thema. Was bedeutet Ihnen diese?

Gabalier: Das ist einfach die Wurzel. Meine Base. Die Quelle meiner Kraft. Dorthin komme ich wieder zurück nach all den Reisen. Dort habe ich meine Freunde, die Nachbarn, die Familie. Daheim kann ich einfach der Andy sein und nicht der Andreas Gabalier oder der Mountain Man oder der Volks-Rock'n'Roller. In der Heimat bekomme ich wieder Abstand von dem Dauergrinser und dem ganzen Hype und Trubel. Da darf ich dann auch in Unterhosen wieder die Wäsche aufhängen oder mal griesgrämig dreinschauen.


Stimmt es eigentlich, dass Sie drei Unterhosen unter Ihrer Lederhose tragen, um diese nicht so voll zu schwitzen?

Gabalier: Zwei sind es. Aber lassen Sie mich kurz nachschauen. Doch: eins, zwo!


Wie viele Lederhosen besitzen Sie?

Gabalier: Sechs Stück gibt es derzeit zu Hause. Ein paar werden aber immer wieder aussortiert. Auf der Bühne betreibe ich zweieinhalb Stunden Hardcore-Sport. Die Lederhosen sind anschließend klatschnass geschwitzt und werden dann in der Badewanne von Montag bis Mittwoch eingelegt. Aber irgendwann sind sie einfach fällig.


Wie anstrengend dieser Bühnensport ist, sieht man Ihnen am Ende von Konzerten immer an, wenn Sie vollkommen erschöpft vor dem Publikum auf der Bühne liegen.

Gabalier: Fix und fertig bin ich da. Vollkommene Erschöpfung. Und ein bisschen lässt man sich natürlich auch feiern. Ich genieße das und freue mich, dass das Konzert gut über die Bühne gegangen ist. Da lässt man dann eben alles raus und "Peng", dann liegst du da.


Gibt es ein Konzert, das Ihnen besonders magisch in Erinnerung geblieben ist?

Gabalier: Berlin vergangenes Jahr in der Waldbühne war magisch durch diese Kulisse, die so steil nach oben geht. Das Konzert in München am Königsplatz zwischen den monumentalen Mauern war auch etwas ganz Besonderes. Vor allem bei der Wetterlage, wo man nie gewusst hat, ob es nicht gleich zum Gewittern anfängt. Das war eine geile Stimmung. Aber auch das erste Wien-Konzert war für mich eine große Genugtuung.


Warum?

Gabalier: Wien ist einfach anders. Die Stadt ist eigentlich von einer ganz großen Szene behaftet, wo es immer geheißen hat: "Der Bauernbua kann in ganz Österreich spielen, aber in Wien wird das nicht funktionieren." Aber da waren wir dann auch beim ersten Anlauf mit 13.000 Fans randvoll. Das ist eben auch hängen geblieben.


Jetzt setzen Sie am 30. Juli 2016 mit dem Olympiastadion München noch mal einen drauf. Vermutlich wird es ausverkauft sein.

Gabalier: Wir hoffen es!


Welche Ziele können Sie sich danach noch setzen?

Gabalier: Ich setze mir keine Ziele mehr. Aber ich lehne mich auch nicht zurück. Ich bin fast täglich unterwegs, zum Ausruhen bleibt kaum mehr Zeit. Aber im Kopf mache ich mir diesen Druck nicht mehr. Mittlerweile habe ich eine gewisse Zufriedenheit in mir, die ich auch ausstrahle. Das ist beruhigend und lässt mich alles auch mehr genießen.


Ist durch Ihre gestiegene Popularität der Druck nicht eher gestiegen?

Gabalier: Nein, ich gehe sehr entspannt in den Tag. Ich freue mich auf sämtliche Termine. Natürlich ist es viel, aber zum Klagen gibt es ganz bestimmt nix.

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