'Amy - The Girl Behind The Name': Biopic von Amy Winehouse ist Abrechnung und Huldigung zugleich

von
Amy Winehouse als Teenager.
Rotzig, talentiert und nie um einen Spruch verlegen - Amy Winehouse als Teenager. © © 2015 PROKINO Filmverleih GmbH

5 von 5 Punkten

Die Familie von Amy Winehouse lief Sturm gegen das Biopic 'Amy - The Girl Behind The Name‘, erwog sogar, die Macher wegen Verleumdung und übler Nachrede zu verklagen. Die Doku enthalte "gravierende Unwahrheiten“ und sei "irreführend", wetterte Mitch Winehouse, der Vater der verstorbenen Jazz-Sängerin. Auch Amys Ex-Verlobter Blake Fielder-Civil fühlt sich ins falsche Licht gerückt. Er finde es "respektlos, anzudeuten, ich sei irgendein machiavellistischer Puppenspieler", sagte er dem 'Times Magazine‘. Wer den Film gesehen hat, kann die Furcht nachvollziehen. Am 16. Juli kommt das Biopic in die Kinos - trotz aller Widerstände. Es ist zugleich Huldigung und Abrechnung. Ein Meisterwerk.

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von Christina Rings

Regisseur Asif Kapadia ('Senna') verzichtet auf Schauspieler und nachgestellte Szenen. Stattdessen lässt er Freunde und Weggefährten erzählen, zeigt Drohnenflüge über Camden und andere Stationen von Amys Leben, Konzertmitschnitte und nie gezeigte Sequenzen verwackelter Homevideos. Eine eindringliche Machart mit gewaltiger Sogwirkung, die roh ist und nicht von Eitelkeit zeugt - und gerade deshalb so gut zu Amy passt. Amy mit der Beehive-Frisur und dem Schandmaul. Amy, die jeden unter den Tisch trinken konnte. Amy, die nie gemacht war für den großen Erfolg. Kapadia erzeugt mit seinem Werk eine berührende Intimität, die es manchmal fast unerträglich macht, den Abstieg mit anzusehen.

Der Film zeichnet das schonungslos ehrliche Bild einer Künstlerin, die im Rampenlicht verglühte. Die 27-Jährige lebte für den Jazz - den Hype um ihre Person aber hat sie gehasst. Mehr noch: Er war ihr peinlich. "Ich würde all das sofort hergeben, wenn ich dafür nur einmal die Straße entlanglaufen könnte", soll sie einmal zu einem Freund gesagt haben. Das war der Musikerin zuletzt nicht mehr möglich. Die Doku belegt das mit beklemmenden Aufnahmen. Zu sehen sind schreiende Paparazzi, die der klapperdürren Sängerin das Kameraobjektiv an den Kopf rammen; Amy, die aus ihrem Haus kommt und halbblind vom Blitzlicht stammelt "Ich kann die Stufen nicht sehen, ich kann die Stufen nicht sehen".

'Amy - The Girl Behind The Name‘ zeigt die Sängerin in ihren besten Momenten. Etwa bei den Aufnahmen zu 'Back to Black‘, bei den Grammys oder bei einem Vorsingen für ihr erstes Plattenlabel 'Island Records‘. Und er zeigt sie an ihrem Tiefpunkt. Blutüberströmt nachdem sie sich mit Blake die Arme aufgeschnitten hat. Orientierungslos und zugedröhnt beim Auftaktkonzert ihrer Europa-Tournee in Belgrad 2011, das sie nicht geben wollte und zu dem ihr Vater Mitch sie laut Freunden halb bewusstlos, halb schlafend gezerrt hat. Die Menge buht, schreit "Sing, sing, sing" und Amy schweigt. Drei Wochen später findet ihr Bodyguard die Sängerin tot in ihrer Wohnung - mit 4,16 Promille im Blut.

"Die Liebe wird mich eines Tages noch umbringen“, sagte Winehouse einmal zu einer Freundin, deren Stimme unheilvoll aus dem Off ertönt. Damals ahnte die 'Rehab‘-Sängerin noch nicht, wie Recht sie behalten sollte. Wenn der Film eines deutlich macht, dann das: Die Liebe war Amys Untergang. Die Liebe zu ihrem Vater, der sie auch halb komatös noch auf die Bühne peitschte und ein Kamerateam nach St. Lucia holte, wo seine Tochter Schutz vor der Presse gesucht hatte. Und die Liebe zu ihrem Verlobten Blake, der sie mit Koks, Heroin und Crack in Berührung brachte. Ein Zitat aus dem Film bringt das ganze Drama auf den Punkt: "Amy wollte einfach nur geliebt werden."

Kinostart: 16. Juli 2015

Genre: Dokumentation

Originaltitel: 'Amy - The Girl Behind The Name'

Filmlänge: 127 Minuten

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