'American Hustle' mit Bradley Cooper, Christian Bale, Amy Adams und Jennifer Lawrence: Mit Plauze und Toupet auf Osca...

Christian Bale, Amy Adams und Bradley Cooper in 'American Hustle'.
Christian Bale, Amy Adams und Bradley Cooper glänzen in 'American Hustle'. © Francois Duhamel

5 von 5 Punkten

Drei Golden Globes hat ‚American Hustle‘ schon im Sack. Klar, dass die Komödie von David O. Russell mit zehn Nominierungen auch als extrem heißer Oscar-Anwärter gehandelt wird. Zu recht. Der 70er-Jahre-Ganoven-Streifen des zweifachen Oscar-Gewinners (‚The Fighter‘, ‚Three Kings‘) besticht mit hochkarätigen Namen wie Christian Bale, Jennifer Lawrence, Bradley Cooper, Amy Adams und wartet dazu mit einer charmant-witzigen Story mit Retro-Flair der Extraklasse auf.

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Von Anja Blanuscha

Willkommen im New York der 70er-Jahre: Der übereifrige FBI-Agent Richie DiMaso (Bradley Cooper aus der ‚Hangover-Trilogie‘) hat ein Ganoven-Pärchen am Wickel. Dank florierender Kreditbetrügereien haben sich Waschsalon-Inhaber Irving Rosenfeld (Christian Bale, ‚The Fighter‘) und dessen attraktive, meist tief dekolletierte Geschäftspartnerin Sydney Prosser (Amy Adams, ‚ Man of Steel‘) in gewissen Kreisen einen Namen gemacht. Das will sich der selbstverliebte Beamte, der sich den Kampf gegen Korruption auf die behaarte Brust geschrieben hat, zu Nutze machen. Der Deal: Irving und Sydney liefern ihm vier schwarze Schafe aus Politik und Gesellschaft und erlangen die Freiheit zurück. Erstes Opfer: ein Bürgermeister namens Carmine Polito (mit schön geföhnter Haartolle: Jeremy Renner, ‚Das Bourne Vermächtnis‘), der das ehrgeizige Ziel verfolgt, Atlantic City zum neuen Mekka für Glücksspieler zu machen. Doch die Situation gerät ziemlich schnell außer Kontrolle, was nicht zuletzt an Irvings durchgeknallter Gattin Rosalyn (Jennifer Lawrence ‚Silver Linings‘) liegt …

Großes (Frisuren-)Kino

Christian Bale mit Wohlstandsbauch in 'American Hustle'
Schön ist anders: Für seine Rolle als Irving Rosenfeld legte Christian Bale knapp 20 Kilogramm zu. © Francois Duhamel

David O. Russell lässt den Zuschauer mitten in der Story landen. Das Erste, was es dabei zu sehen gibt, ist der käsige Wohlstandsbauch von Christian Bale, den er sich für die Rolle eigens angefuttert hat. In einer noblen Hotelsuite treffen Irving, Sydney und Richie letzte Vorbereitungen für ein Zusammentreffen mit Politiker Polito. Bei der Geldübergabe kommt es jedoch zum Fauxpas. Welches Spiel wird hier gespielt? Erste Antworten liefert eine Rückblende, die schließlich wieder in der Hotelsuite endet, von wo an das Unheil seinen Lauf nimmt …

Ob Christian Bale als cleverer Kleinganove mit Toupetfrisur, Amy Adams als dessen smarte und sexy Komplizin, Bradley Cooper als FBI-Agent mit großem Ego und Mini-Pli-Haube oder Jennifer Lawrence, die als Ehefrau mit viel Alkohol ihr Dasein fristet und unter einer XL-Hochsteckfrisur einen mächtigen Hau verbirgt - es ist eine wahre Freude zu sehen, wie sich die Schauspieler mit Haut und Haar jedem Charakterzug ihrer Figur verschrieben haben und miteinander agieren. Insbesondere Amy Adams scheint mit ihrer Rolle verschmolzen zu sein. Einen beträchtlichen Beitrag zu dieser spürbaren Spielfreude dürften wohl auch die großartigen Kostüme, die liebevolle Deko und sensationellen Haarstylings geliefert haben. Grandios etwa die Tanzeinlage von Jennifer Lawrence zu ‚Live And Let Die‘ im Retro-Wohnzimmer samt gelber Spülhandschuhe und Staubwedel oder der gemeinsame Ausflug von Adams und Cooper durch die New Yorker Nachtclubs der legendären Disko-Ära.

Nach ‚The Fighter‘ und ‚Silver Linings‘ bildet ‚Amerian Hustle‘ den Abschluss einer von Fans und Kritikern gleichermaßen hochgelobten Filmreihe von David O. Russell. Um die auf einer wahren Begebenheit beruhende Story zu erzählen, hat sich der Erfolgsregisseur viel Zeit (138 Minuten) genommen, jede Figur und Szene scheinen ihm ans Herz gewachsen zu sein. Von künstlichen Längen ist aber Dank des ausgeklügelten Spannungsbogens keine Spur. Obwohl man als Zuschauer ja „nur“ Beobachter ist, hat man schnell das Gefühl mitten drin zu stecken und hilflos mitansehen zu müssen, wie die Dinge aus dem Ruder laufen und die Protagonisten auf ein Fiasko zu steuern. Ganz großes Kino!

Kinostart: 13.2.2014

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