Als ein paar Nerds Widerstand übten: 'Inside Wikileaks'-Filmkritik

Als ein paar Nerds Widerstand übten: 'Inside Wikileaks'-Filmkritik

4 von 5 Punkten

Was die Medien in den vergangenen Monaten kaum vermochten, könnte der kurzweilige Popcorn-Streifen zwischen Biopic und Roadmovie endlich schaffen. Auch wenn der Film in den USA nur laue Einspielergebnisse verzeichnen konnte: Mit 'Inside Wikileaks' – Die fünfte Gewalt' kommt ein Film über die Menschen hinter der Whistleblower-Plattform in die Kinos. Auch wenn die Erzählstruktur ihren Tribut fordert und der Film nur an der Oberfläche kratzt: Benedict Cumberbatch verschmilzt so mit seiner Rolle des 'Wikileaks'-Gründers, dass er eine einzigartige "Julian Assange"-Aura kreiert. Nur Daniel Brühl verblasst ein wenig an der Seite des wandlungsfähigen und derzeit ziemlich gehypten Schauspielers.

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Ein Geheimdienst von unten, das ist die Idee von Wikileaks. Frei nach dem Prinzip: Geheimnisse verrät man eher dann, wenn man nicht dafür geradestehen muss. Erzählt wird die Geschichte vom ersten veröffentlichten Leak 2007 bis zur Abschaltung der zentralen Wikileaks-Software im Jahre 2010. Dank dieser Software können anonyme Whistleblower auch wirklich anonym bleiben, während sie mit ihren an die Öffentlichkeit gebrachten Geschichten für Transparenz sorgen. Der Film startet in Berlin, wo Julian Assange (Benedict Cumberbatch, 'Star Trek Into Darkness') den Deutschen Daniel Domscheit-Berg (Daniel Brühl, 'Rush – Alles für den Sieg') trifft.

Während Assange der Kopf des Projektes ist, fungiert Domscheit-Berg als zielstrebiger und engagierter Anhänger des Hackers und ist begeistert von dessen Charisma beim Chaos Computer Congress 2007: "Wenn zwei Menschen ein Geheimnis haben, ist dies der Anfang jeder Korruption. Doch es braucht nur einen einzigen moralischen Menschen, den Schleier zu zerreißen."

Perfektes Drehbuch à la Hollywood - aber wahre Geschichte

Als ein paar Nerds Widerstand übten: 'Inside Wikileaks'-Filmkritik

Der erste Coup: Die beiden Nerds bringen ans Licht, wie eine Schweizer Privatbank ihren Kunden bei der Geldwäsche hilft. Von da an läuft es. Wer die Geschichte von Wikileaks allerdings nicht kennt, wird Mühe haben, im Trubel der Leaks die Übersicht zu behalten. Seite an Seite kämpfen zwei Freunde, um bei geheimen Wikileaks-Unterstützern (u.a. Moritz Bleibtreu) noch viel geheimere Server zu installieren.

Es ist eben ein perfektes Drehbuch à la Hollywood. Doch die von Regisseur Bill Condon ('Dreamgirls') umgesetzte Geschichte ist eben keine erfundene und beruht auf den wahren Erlebnissen von Domscheit-Berg und Assange. Vielleicht hat sich letzterer auch gerade deshalb geweigert, sich im Vorfeld der Dreharbeiten mit Benedict Cumberbatch zu treffen, ja, ihn sogar versucht, von der Rolle abzubringen. Tenor: Cumberbatch werde zum Handlanger von US-Interessen.

Und in der Tat ist das fertige Filmresultat nicht immer unbedingt zu einer neutralen Bestandsaufnahme geraten. Zwar erwähnt Condon die Vorwürfe der sexuellen Nötigung, die zwei Schwedinnen gegen Julian Assange erhoben haben, lediglich in einer Texttafel im Abspann – dennoch waren dessen Befürchtungen nicht völlig unbegründet: Fast schon überzeichnet wirkt die Dämonisierung des Egomanen Assange und die naiv-solide Darstellung eines unter Wert verkauften Daniel Domscheit-Berg. Denn zum Ende hin wird genau dieser zum allein agierenden Zerstörer der Wikileaks-Infrastruktur. Aus dem Off kommentiert Domscheid-Berg dazu: "Es gab einen Moment, an dem alles möglich war. Wir haben Weltgeschichte geschrieben."

Von Janina Lenz

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