'Alles erlaubt - eine Woche ohne Regeln': Nicht wirklich witzig

2 von 5 Punkten

Mit ‚Verrückt nach Mary‘ zelebrierten 1998 die Regie-Brüder Peter und Bobby Farrelly erfolgreich das Genre der schamlosen Komödie mit Gags weit unterhalb der Gürtellinie. Trotz des albern derben Humors musste der Film nichts von seinem Charme einbüßen und so blieben uns komische Zoten, wie Cameron Diaz‘ peinliche Sperma-Tolle, gerne in Erinnerung. Seitdem konnte das Duo kaum ähnliche Erfolge verbuchen. Auch mit ‚Alles erlaubt‘ ist ihnen kein großer Wurf gelungen, denn sie verlassen sich immer mehr darauf, dass es dem Publikum reicht, wenn ausgiebig nackte Hintern und Genitalien in die Kamera gehalten werden. Sympathische Identifikationsfiguren wie jene in ‚Verrückt nach Mary‘ sucht man hier allerdings vergeblich.

Rick (Owen Wilson ) und Fred (Jason Sudeikis) sind Ende 30, schon seit einer halben Ewigkeit beste Kumpel und dürfen sich mit guten Jobs und ihren tollen Frauen Maggie (Jenna Fischer) und Grace (Christina Applegate) glücklich schätzen. Trotzdem können es die Männer einfach nicht lassen, 15 Jahre jüngeren, knackigen Pos hinterher zu stieren und in der Illusion zu schwelgen, dass sie jede haben könnten, wenn sie doch nur nicht verheiratet wären. Dass Rick und Fred ein unglaubwürdig pubertäres Verhältnis zu Sex haben, geht den Ehegattinnen so gewaltig auf die Nerven, dass sie irgendwann einfach beschließen, ihren Alpha-Männchen einen Freifahrtschein und somit eine Woche Pause von der Ehe zu geben.

Alles Erlaubt - Eine Woche ohne Regeln
Alles Erlaubt - Eine Woche ohne Regeln Der offizielle Kinotrailer 00:02:23
00:00 | 00:02:23
- Anzeige -

Natürlich stellen sich die selbsternannten Womanizer kreuzdämlich an. Das mag dann und wann zu netter Situationskomik führen, wirkt auf die Dauer allerdings zu überspitzt und die Charaktere so realitätsfremd, dass man sich einfach nicht mit ihnen identifizieren, sondern nur noch für sie schämen kann. Stattdessen fragt man sich ebenso wie die Typen, die nach einer ekelhaften Fressorgie in einem Burger-Restaurant oder auf einem Hasch-Brownie-Trip beim Golfen Frauen aufreißen wollen, es jemals geschafft haben, ihren Göttergattinnen erfolgreich den Hof zu machen.

Für die wiederum scheint Sex (zumindest anfänglich) irgendwie gar keine so große Rolle zu spielen. So tut Maggie abends so als würde sie schon schlafen, wenn Rick voller Hoffnung auf ein kleines Liebesspiel zu ihr ins Bett klettert. Sie gibt ihm also lieber die Erlaubnis fremdzugehen, als selbst zu versuchen ein bisschen Pepp in die eingeschlafene Ehe zu bringen. Wenigstens scheint den Filmemachern dann irgendwann doch aufgefallen zu sein, dass man Geschlechterunterschiede auch in flachen Hollywoodkomödien nicht so eindimensional darstellen kann und so dürfen auch Maggie und Grace irgendwann einsehen, dass sie nicht asexuell sind und vielleicht selbst mal eine kurze Pause von der Ehe brauchen.

Die Genreklischees, die unkritisch und ohne Mut zur Kreativität der Reihe nach abgearbeitet werden, lassen den Film unauthentisch wirken. Damit haben auch die Dialoge an der Grenze des guten Geschmacks ein wenig an Zündstoff verloren und so kommt der Klamauk dann insgesamt doch etwas brav daher. Da wünscht man sich, Seth Rogen (‚Superbad‘) hätte stattdessen das Drehbuch geschrieben. Dennoch ist bei ‚Alles erlaubt‘ nicht alles verloren. Während zwar der mittlere Teil des Films ein bisschen lahm vor sich her dümpelt, nimmt er gegen Ende hin dann doch überraschend Fahrt auf. Auch die Hauptdarsteller geben sich Mühe, das Beste aus dem Drehbuch zu holen. Allen voran legen Richard Jenkins als in die Jahre gekommener Frauenaufreißer mit wertvollen Flirtingtipps und Christina Applegate eine erfrischend lustige Performance hin. Dennoch werden die streckenweise witzigen Dialoge und unzüchtigen Ideen von zu vielen Stereotypen und überzeichneten Charakteren überschattet, so dass der Film eher was für Fans des Genres bleibt.

Von Mihaela Gladovic

— ANZEIGE —