'All Inclusive': Pauschalurlaub mit viel nackter Haut

Staraufgebot auf Bora Bora

'All Inclusive': Pauschalurlaub mit viel nackter Haut

Bora Bora - das bedeutet üblicherweise Palmen, weißer Strand und klares Wasser bis zum Abwinken. In genau dieses tropische Schlaraffenland entführt Regisseur Peter Billingsley den Zuschauer in seiner Beziehungskomödie „All Inclusive“. Und inklusive ist bei seinem Regiedebüt nicht nur eine malerische Kulisse, sondern auch eine komödienerprobte Besetzung.

Vince Vaughn und Jon Favreau stehen nach „Swingers“ und „Made“ endlich wieder zusammen vor der Kamera und haben auch am Drehbuch mitgewirkt. Und in dem geht es nicht nur um Urlaubsfreuden, sondern in erster Linie um die Ehe und vor allem die mit ihr zusammenhängenden Probleme.

Welche das sind, zeigen vier Paare, die es mehr oder weniger gut miteinander aushalten. Dave (Vaughn) und Ronnie (Malin Ackerman) haben es über die Jahre geschafft, ihre beiden kleinen Kinder, Freunde und die Arbeit unter einen Hut zu bekommen und führen eine vergleichsweise unproblematische Ehe. Im totalen Gegensatz zu ihnen stehen Joey (Favreau) und Lucy („Sex and the City“-Star Kristin Davis), die sich pausenlos ankeifen und eigentlich nur noch wegen des Nachwuchses zusammen sind. Jason (Jason Bateman) und Cynthia (Kristen Bell) haben dagegen keine Kinder, analysieren aber dafür eifrig jedes noch so kleine Detail, während der kugelrunde Shane (Faizon Love) bereits von seiner Frau verlassen wurde und sich nun mit der 20-jährigen Trudy (Kali Hawk) tröstet.

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Witzige Dialoge und und treffend inszenierte Situationskomik

'All Inclusive': Pauschalurlaub mit viel nackter Haut

Als Jason und Cynthia ihre Freunde zusammentrommeln und ihnen mit Hilfe einer Power-Point-Präsentation mitteilen, dass sie kurz vor der Scheidung stehen, ist die Überraschung bei den befreundeten Paaren groß. Doch eine Paartherapie in einem exklusiven Pazifikresort mit dem bezeichnenden Namen „Eden“ soll helfen.

Um Geld zu sparen, überreden sie die übrigen Pärchen, dass Ganze als Gruppenreise in Angriff zu nehmen und ködern sie mit der Aussicht auf einen Traumurlaub. Vor Ort müssen die anderen allerdings feststellen, dass das Resort von dem esoterisch angehauchten französischen Beziehungsguru Dr. Marcel (großartig: Jean Reno) geleitet wird und die Teilnahme am strikten Kursprogramm alles andere als freiwillig ist – und zwar für alle. Sollte dies jemandem nicht passen, heißt es Koffer packen und ab nach Hause.

Als wäre dies nicht schon genug, stellen sich die Paargurus als äußerst eifrig heraus, und so müssen die Protagonisten unzählige Partnertherapien und Erleuchtungsübungen über sich ergehen lassen. Klar, dass früher oder später selbst in der besten Ehe Probleme zutage gefördert werden. Da jedoch Beziehungsanalysen nicht uneingeschränkten Unterhaltungswert besitzen, wird auf diverse andere komische Elemente zurückgegriffen.

Während des ersten Drittels punktet „All Inclusive“ mit vielen witzigen Dialogen und treffend inszenierter Situationskomik. Im weiteren Verlauf darf man die makellosen Bikinifiguren sämtlicher Darstellerinnen bewundern und sich ansonsten über unfreiwillige Kontakte mit Haien, eigenwillige Kursleiter und Massagen mit ungeahnten Nebenwirkungen amüsieren. Ein Highlight ist ganz klar der muskelbepackte Yogagott in einer viel zu knappen Badehose, dessen Übungsstunde zur merkwürdigen Trockensex-Orgie ausartet.

Leider kann dieses Niveau im weiteren Verlauf nicht gehalten werden. Obwohl „All Inclusive viele gute Ansätze offenbart, werden diese zu selten genutzt. Stattdessen scheint man sich bisweilen nicht so recht entscheiden zu können, ob man nun eine Komödie oder eine schnulzige Analyse der verschiedenen Beziehungen abliefern will. Denn letztere werden für einen eigentlich witzigen Film überraschend ernst genommen.

Da wundert es kaum noch, dass ein vielleicht gerade einmal dreijähriges Kind seine Eltern mit dem Spruch „wir wollen nur, dass ihr glücklich seid“ in den Urlaub schickt. Was bleibt, ist ein durchschnittlicher Film mit einigen amüsanten Momenten, einer traumhaften Kulisse und viel nackter Haut. Ob man dafür allerdings 107 Minuten lang im Kinosessel Platz nehmen will, das sollte jeder selbst entscheiden.

Von Timo Steinhaus

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