Alien-Apokalypse in 3D: 'Darkest Hour'

Filmkritik Darkest Hour
Es gibt kein Entkommen vor den elektromagnetischen Killerwellen der Außerirdischen.

2,5 von 5 Punkten

Sie schlagen blitzartig zu und ihr Angriff endet immer tödlich: Nahezu unsichtbare Außerirdische überfallen die Erde und vernichten die Menschen mit elektromagnetischen Wellen, die jede Lebensform auf der Stelle pulverisiert. Ein toller Ansatz für eine spannende und actiongeladene Story, die jedem Sci-Fi-Fan das Herz höher schlagen lässt. Und dann noch komplett in 3D gefilmt – besser geht es eigentlich nicht. Könnte man meinen. Doch genauso schnell, wie die bösen Aliens die Menschen zu Staub zerfallen lassen, verpufft leider auch die Spannung.

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Dabei hat Regie-Neuling Chris Gorak, der bisher erst zwei Filme drehte und sich vor allem als Art Director (u.a. für 'Minority Report', 'Fight Club') einen Namen machte, einen visuell ansprechenden Film geschaffen. Die Kamerafahrten des düsteren 3D-Blockbusters haben eine solch große Tiefenwirkung, dass das Publikum die ganze Zeit das Gefühl hat, mitten in der Szene zu sein. Da sieht man, dass es immer noch einen großen Unterschied ausmacht, ob ein Film in 3D produziert oder ob er lediglich nachträglich konvertiert wurde, wie es zum Beispiel bei 'Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, Teil 2' der Fall war.

Dennoch nutzt selbst die beste Technik nichts, wenn das Drehbuch nicht so richtig mitspielen will. Die jungen Internet-Unternehmer Sean (Emile Hirsch, 'Savages', 'Milk', 'Into The Wild') und Ben (Max Minghella, 'The Social Network') werden bei ihrer Ankunft in Moskau von einem unheimlichen Gewittersturm begrüßt. Sie sind in die pulsierende russische Metropole gekommen, um ihre kühnen Geschäftsideen an den Mann zu bringen. Natalie (Olivia Thirlby, 'Juno') und Anne (Rachael Taylor, 'Transformers') machen dagegen in Moskau nur einen unvorhergesehenen Zwischenstopp und stürzen sich ins Nachtleben der Hauptstadt.

Es gibt kein Entrinnen vor dem unsichtbaren Feind

Filmkritik Darkest Hour
Wie entkommt man einem Feind, den man nicht sieht?

Die Vier laufen sich zufällig in dem hippen Glamour-Nightclub 'Zvezda' über den Weg. Und dort geht's auch ziemlich schnell zur Sache. Nein, nicht zwischen den Jungs und Mädels. Die Disco in der russischen Metropole verwandelt sich blitzschnell in einen Tempel des Terrors, als mysteriöse Blitze die feierwütige Jugend gnadenlos zerschreddern. Man merkt, dass die Filmemacher sich nicht allzu lange mit ihren Figuren aufhalten wollten. 3D-Action ist angesagt – da dürfen die Rollen gerne schablonenhaft und nichtssagend bleiben. Nach einigen Tagen wagen sich die Überlebenden Sean, Ben, Natalie und Anne wieder an die Oberfläche und finden sich in einer feindlichen Umgebung wieder. Unheilvoll und übertrieben symbolgeschwängert spielt der Wind mit der Asche der Toten inmitten der öden Wildnis der ausgestorbenen Metropole: Alle Einwohner wurden von unsichtbaren und - ganz offensichtlich - feindlich gesinnten Aliens mit Hilfe elektromagnetischer Wellen pulverisiert.

Die Szenen in der menschenleeren Großstadt erinnern unweigerlich an die faszinierenden Szenen aus 'I Am Legend', in denen sich Will Smith durch das ausgestorbene Manhattan kämpft. Und auch 'Darkest Hour' entfaltet so seine größte Wirkung und hat seine spannendsten Momente, wenn sich Sean und Ben beispielsweise alleine über den ausgestorbenen Roten Platz bewegen und sich von Weitem die unsichtbaren Killer nähern. Die beiden bemerken die Gefahr erst, als ein Hund in der Ferne vor ihren Augen zu Staub zerfällt. Wie können sie den unsichtbaren Killern jetzt noch entkommen?

Schnell wird klar, dass die Dunkelheit den Überlebenden mehr Schutz bietet als das Tageslicht. Licht ist hier viel gefährlicher, da die Außerirdischen im Hellen kaum geortet werden können. In den meisten Horrorfilmen mag die Dunkelheit am meisten Angst einflößen, aber in 'Darkest Hour' werden die Glühbirnen, die aufleuchten, sobald sich ein Alien nähert, zum Symbol der Gefahr. Hält man an diesem Spannungsmittel aber konsequent fest, verpufft der Effekt leider irgendwann – rasante Action hin oder her. Und dann zerfällt leider auch der hartgesottenste Zuschauer zu Staub. Und Schuld daran sind keine bösen Aliens, sondern einfach nur ein enttäuschendes Drehbuch.

Von Norbert Dickten

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