Alex Diehl: "Ich würde wahnsinnig gern zum ESC fahren"

Alex Diehl: "Ich würde wahnsinnig gern zum ESC fahren"
Über Nacht wurde Alex Diehls Gedenksong "Nur ein Lied" zum Facebook-Phänomen © ddp images

Es ist Freitag, der 13. November 2015. Alex Diehl (28, "Weitergehen") schaut sich, wie viele andere Deutsche an jenem Abend auch, im Fernsehen das Freundschaftsspiel zwischen Deutschland und Frankreich an, als er einen lauten Knall wahrnimmt. Der erste Griff geht zum Smartphone, immer wieder aktualisiert der Sänger verschiedene Medienseiten. Dann der Schock: Fußballkommentator Tom Bartels spricht von mehreren Toten, die in Paris einem Anschlag zum Opfer gefallen sind. Diehls erster Gedanke: "Das ist doch jetzt ein schlechter Scherz", wie er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur spot on news zu verstehen gibt.

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Sein Gedenksong wurde viral

Bis in die frühen Morgenstunden verfolgt er gebannt die Geschehnisse, kann nicht glauben, welch schreckliche Dinge sich ereignet haben. Dann stößt er auf den Tweet einer Partei, deren Name er nicht nennen möchte. Darin heißt es: "Jetzt haben wir den Salat. Erst lassen wir die Fremden in unser Land und bald sind wir die Flüchtlinge." Für den 28-Jährigen aus dem oberbayerischen Waging am See, der bereits seit Wochen und Monaten mit seinen Freunden und auch in den Sozialen Netzwerken über die Flüchtlingskrise debattiert hatte und gegen das unreflektierte Verbreiten von Fake-Bildern anzukämpfen versuchte, bringt dieser Post das Fass endgültig zum Überlaufen. Er holt sich ein weißes Blatt Papier, einen Bleistift und schreibt innerhalb weniger Minuten einen Gedenksong für die Opfer der Paris-Attentate. Anschließend nimmt er diesen mit der Handykamera auf und lädt "Nur ein Lied" auf seine Facebook-Seite hoch, nicht ahnend, welche Begeisterungswelle er damit lostreten würde.

 

Zunächst befürchtet er einen Shitstorm

 

Es ist nicht das erste Handyvideo von einem Song, dass der Musiker postet. Und als er am nächsten Tag einen Anruf erhält, mit der Aufforderung mal auf Facebook vorbeizuschauen, ist seine erste Befürchtung: "Och nee, ich wollte doch irgendwie Hoffnung machen mit dem Lied, aber eventuell hab ich jetzt 500 Facebook-Fans weniger und einen kleinen Shitstorm." In Wahrheit ging das Video in Windeseile viral und bis heute schon 6,7 Millionen Mal aufgerufen. Als er eine Woche nach der Veröffentlichung die Zeit findet, die zahlreichen Kommentare zu lesen, sitzt er mit Tränen in den Augen vor seinem Laptop. "Auf einmal schreiben mir Leute, dass sie den Song gehört haben und danach in ihre Gemeinde gegangen sind, um eine Stiftung zu gründen. Musik kann also tatsächlich etwas bewirken."

Mit dem Überraschungserfolg geraten nicht nur die Reaktionen auf den Gedenksong, sondern auch der sympathische Oberbayer selbst in den Fokus der Medien. Ob er sich vom Rummel um seine Person bedrängt fühlt? "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mir das nicht gefällt." Trotz des Hypes und all der Aufmerksamkeit erinnert der Songwriter jedoch auch daran, dass man nicht vergessen dürfe, warum er dieses Lied geschrieben habe. Wie ernst seine Absichten sind, erkennt man daran, dass er sich dazu entschlossen hat, 100 Prozent der Einnahmen aus den CD-Verkäufen und Downloads von "Nur ein Lied" zu spenden. "Durch Google bin ich auf die Organisation 'Save the Children' aufmerksam geworden, und ich habe mir gedacht, ich muss genau das machen, was die Terroristen am meisten aufregen würde: Wir geben das Geld den Kriegswaisen in Syrien und versuchen dort zu helfen, wo der Ursprung so vielen Übels ist."

 

Europa-Abgeordneter Arne Gericke fordert: "Diehl zum ESC!"

 

Für sein Engagement erhält Diehl viel Lob und Bewunderung von seinen Fans. Und auch dem Europa-Abgeordneten Arne Gericke ist das Facebook-Video nicht entgangen. Vor lauter Begeisterung schrieb dieser einen Brief an die Intendanten des ARD, in dem er sie aufforderte, den 28-Jährigen zum Eurovision-Song-Contest zu schicken, um ein "Signal des Friedens und der Freiheit" zu setzen. Diehl selbst fühlt sich dieser Aufgabe durchaus gewachsen: "Ich würde es natürlich wahnsinnig gerne machen, da brauchen wir nicht darüber reden. Es wäre eine Ehre für mich."

Doch ungeachtet dessen, auf wen die Wahl schlussendlich fällt, ist es dem Liedermacher wichtig, dass es eine Person mit Herz, Verstand und guten Absichten wird. Auf die Frage nach seinem Wunschkandidaten für den ESC äußert der Sänger, dass er gern Xavier Naidoo als Vertreter für Deutschland in Stockholm gesehen hätte. Auch Herbert Grönemeyer oder Peter Maffay könne er sich gut vorstellen. "Ich würde einen Musiker hinschicken, der sich traut ein politisches Statement abzugeben und vermittelt, dass wir in Deutschland keine Lust auf Angst, Krieg und Hass haben."

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