Aglaia Szyszkowitz: So denkt die ‚Tatort‘-Darstellerin über Castingshows

Aglaia Szyszkowitz: "Sex wird immer noch zu oft tabuisiert"
Die Österreicherin Aglaia Szyszkowitz ist Mutter zweier Söhne und Schauspielerin © ddp images

Schauspielerin Aglaia Szyszkowitz (48) musste sich im Castingshow-"Tatort: Sternschnuppe" (7.2., 20.15 Uhr, das Erste) mit den extremen Sex-Praktiken ihres Film-Ehemannes auseinandersetzen. Was die Österreicherin davon hält, solche Themen im Sonntagskrimi zu platzieren, erklärt sie im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news. Dabei verrät die gebürtige Grazerin auch, was sie von Castingshows hält und ob ihre beiden Söhne (17, 12) an einer solchen teilnehmen dürften.

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Zum "Tatort: Sternschnuppe"

 

Was halten Sie denn ganz generell von Castingshows, Frau Szyszkowitz?

 

Aglaia Szyszkowitz: Castingshows finde ich ganz, ganz schwierig für die Bewerber. Ähnliches erlebe ich aber auch in meinem Beruf mit jungen Schauspielern, dazu braucht man gar keine Show. Es ist schwer, nicht abzuheben und leicht, zu denken, dass man etwas Besonderes ist, nur weil man in einem Film zu sehen war.

 

Welche Rolle spielen die Eltern dabei?

 

Szyszkowitz: Wenn die Kinder aus einem Elternhaus kommen, das geerdet und normal ist und die Eltern den Kindern helfen, da wieder rauszukommen, dann funktioniert das. Aber in dem Moment, in dem die Eltern ehrgeizig sind und hoffen, über die Kinder Geld verdienen und berühmt werden zu können, ist es ein Verbrechen an der Kinderseele. Das erlebe ich leider nicht gerade selten.

 

Dürften Ihre Söhne an Castingshows teilnehmen oder in einem Film mitspielen?

 

Szyszkowitz: Ich war an sich immer dagegen, dass sie drehen. Der Ältere ist daran ohnehin nie interessiert gewesen, er will Medizin studieren und beobachtet unsere Branche aus einer gewissen amüsierten, manchmal auch ironischen Distanz heraus. Der Jüngere ist 12 und interessiert sich sehr wohl dafür, er spielt und musiziert gerne. Eine Castingshow war aber zum Glück noch nie Thema, das Drehen allerdings schon. Wenn er es weiterhin gerne will, werde ich es nicht verbieten. Ich habe viel Erfahrung, kenne die Leute gut und weiß, welchem Regisseur oder welcher Regisseurin ich ihn anvertrauen könnte. In punkto wie viel und wie lange drehen, wäre ich ebenfalls sehr vorsichtig. Die Teilnahme an einer Castingshow würde ich, glaube ich, mit allen Mitteln versuchen zu verhindern.

 

Was sagen Sie, wenn ein Schauspielanfänger Ihren Rat sucht?

 

Szyszkowitz: Wenn mich jemand zur Schauspielerei fragt, sage ich immer: Macht eine fundierte Ausbildung und spielt Theater! Dort lernt man auch ein bisschen mit Erfolg und Misserfolg umzugehen, was ja ein zentraler Bestandteil unserer Branche ist. Sucht euch gute Lehrer und tretet mit erlerntem Handwerk vor die Kamera! Je besser man ausgebildet ist, desto weniger lässt man sich verunsichern.

 

Ist "Tatort"-Hauptdarsteller Raphael Haider (Rolle: Aris Graf) ein gutes Bespiel für diese jungen Künstler?

 

Szyszkowitz: Ja, er ist ein sehr begabter Tiroler Sänger und Schauspieler und kommt aus einer Künstlerfamilie. Sein Vater ist auch Musiker und war bei der "Tatort"-Premiere vergangene Woche in Wien dabei. Sehr sympathisch. Durch diesen "Tatort" wird Raphael Haider vermutlich viel Aufmerksamkeit bekommen und dann stellt sich natürlich auch für ihn die Frage, wie es weitergeht.

 

Ein anderes Thema in diesem "Tatort" ist Sex. Unter anderem geht es um extremere Praktiken. Was halten Sie denn davon, so etwas im Sonntagskrimi zu zeigen?

 

Szyszkowitz: Sex ist ganz einfach ein Thema, das die Menschen beschäftigt und antreibt. Und in Anbetracht dessen wird es eigentlich immer noch zu oft tabuisiert. Man muss sich nur anschauen, woran Konzernchefs oder Politiker, die ganz oben sind, immer wieder scheitern: Sie stolpern über ihre Affären. Also warum sollte das nicht auch ein wichtiges Thema des Lieblingsformats der Deutschen - ihres heiligen "Tatorts" - sein?

 

Zumal Morde ja auch gezeigt werden...

 

Szyszkowitz: Ganz genau. Eigentlich ist es doch absurd, dass mit dem Tod so selbstverständlich umgegangen wird. In allen Krimis gibt es Leichen und Mordopfer mit aufgeschlitzten Pulsadern rauf und runter. Dabei ist es doch viel schlimmer, wenn jemand umgebracht wird, als wenn jemand Sex hat, oder? Trotzdem ist dieses eine Thema immer wieder seltsam tabuisiert, der Tod aber omnipräsent.

 

Interessieren Sie sich für Bücher und Filme wie "Fifty Shades of Grey"?

 

Szyszkowitz: Das habe ich weder gelesen, noch im Kino gesehen, weil ich nichts Gutes darüber gehört habe. Grundsätzlich interessieren mich solche Stoffe aber durchaus. In unseren Filmen spiegeln wir die Gesellschaft wider und was sie antreibt. Und das sind nun mal die großen Urgefühle wie Liebe, Eifersucht, Betrug... Wenn die Sexualität im Leben nicht funktioniert, geht es einem meistens nicht gut. Und wenn sie funktioniert, geht es einem sehr gut. Vor diesem Hintergrund ist das Thema Sex in einer guten, intelligenten, gerne auch witzigen Form noch viel zu wenig auf dem Fernseh-Tablett.

 

Der "Tatort" heißt "Sternschnuppe". Glauben Sie an Sternschnuppen?

 

Szyszkowitz: Ich wünsche mir immer etwas, wenn ich eine Sternschnuppe sehe. Im vergangenen Sommer gab es eine Nacht, in der man ganz viele Sternschnuppen sehen konnte. Da waren wir auf einer Hütte in den Loferer Steinbergen in Tirol. Da bin ich extra lange wachgeblieben und habe mich vor die Hütte gesetzt und auf die Sternschnuppen gewartet. Ich finde es großartig, eine Sternschnuppe zu sehen. Etwas, das so viel größer ist als wir, macht einen herrlich stumm und ehrfürchtig.

 

Ist schon mal etwas in Erfüllung gegangen?

 

Szyszkowitz: Ja! Aber der Wunsch vom vergangenen Sommer noch nicht, da warte ich noch drauf...

 

Welcher ist in Erfüllung gegangen?

 

Szyszkowitz: Das darf man doch nicht sagen.

 

Auch nicht hinterher?

 

Szyszkowitz: Das weiß ich nicht genau, so gut kenne ich mich mit den Sternschnuppen-Regeln nicht aus, aber riskieren wir es mal nicht...

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