Actionthriller 'The Equalizer' von Antoine Fuqua: Denzel Washington als furchtloser Rächer

Filmkritik und Trailer

Kinostart: 09.10.2014

2,5 von 5 Punkten

Seine letzte Zusammenarbeit mit Regisseur Antoine Fuqua hat Denzel Washington einen Oscar eingebracht. Nun, dreizehn Jahre nach ihrem Geniestreich mit dem Cop-Thriller 'Training Day', macht das Duo erneut gemeinsame Sache. Der Filmtitel 'The Equalizer' ist Programm: So mimt der Hollywood-Star eine menschliche Kampfmaschine, die für Gerechtigkeit sorgt und das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse wieder herstellt. Doch schafft es Washington mit seinem neuen Werk auch, für so große Begeisterung zu sorgen, dass ihm erneut ein Goldjunge winken könnte?

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Von Alexandra Mölgen

Seit nunmehr 37 Jahren ist Denzel Washington fester Bestandteil der Traumfabrik Hollywood und ohne Frage ein Meister seines Fachs. Auch in 'The Equalizer' überzeugt der Schauspieler aufs Neue. Mit seiner unglaublichen Präsenz auf der Leinwand – den nahezu filigranen Bewegungen und der ausdruckslosen Mimik – schafft er es, in jede noch so laute und bildgewaltige Aktionszene Ruhe zu bringen. Dabei schlummert in seinem Inneren der Kampfgeist…

Robert McCall (Denzel Washington, 'American Gangster') war einst ein verdeckt operierender Agent und eine perfekt ausgebildete Kampfmaschine. Eines Tages entschließt er sich, seinen eigenen Tod vorzutäuschen und fortan ein ruhiges Leben in Boston zu führen. Bei Tag arbeitet er in einem Baumarkt, bei Nacht sitzt er in einem Diner und liest Bücher. Dort lernt er auch die junge Prostituierte Teri (Chloë Grace Moretz, 'Kick Ass') kennen. Als diese eines Nachts von ihrem russischen Zuhälter krankenhausreif geschlagen wird, kehrt McCalls Kämpferinstinkt zurück. Er fühlt sich regelrecht dazu gezwungen, für Gerechtigkeit zu sorgen und die blutige Tat an dem Mädchen zu sühnen.

Blöd nur, dass seine Gegner zur russischen Mafia gehören und grenzübergreifend – sogar mit Hilfe von korrupten Polizisten – operieren. Was selbst für eine Horde FBI-Agenten unmöglich wäre, schafft McCall im Alleingang mit links. Und damit nicht genug, auf seinem Rachefeldzug wird er in kleinen Nebenhandlungen ebenfalls zum Helden und Retter in der Not.

Chloë Grace Moretz und Denzel Washington in 'The Equalizer' Teri (Chloë Grace Moretz) weckt den Kampfgeist in dem ehemaligen Agenten Robert McCall (Denzel Washington).

Denzel und Moretz sind top - für den Rest gibt es viele Abstriche

Wie eingangs erwähnt, verkörpert Denzel Washington den furchtlosen und erbarmungslosen Rächer in Perfektion. Doch wenn man sich seine ausgeklügelten und bis ins kleineste Details perfektionierten Taten anschaut, so scheinen diese selbst für einen ausgebildeten Profi zu übertrieben. Selbst in unvorhersehbaren Momenten schafft McCall es immer, die Oberhand zu behalten. Den Höhepunkt erreicht sein übertrieben heroisches und übermenschliches Handeln am Ende, als er sich im Alleingang an Dutzenden von Wachleuten vorbei Zugang zur Villa des Mafiabosses in Moskau verschafft und auch diesen als letzte Amtshandlung kaltblütig umbringt.

Für die Umsetzung seines Charakters bekommt Denzel Washington die Bestnote. Abstriche gibt es allerdings für die übertrieben Kämpfe, für die oftmals klischeehafte Darstellung des Helden und die langatmigen und seichten Nebenstorys. Auch vor den brutalen und blutigen Szenen sei gewarnt, denn selbst Hartgesottene müssen hin und wieder den Blick von der Leinwand abwenden.

Schade ist auch, dass der Charakter von Chloë Grace Moretz untergeht. War sie zu Beginn des Films noch der Auslöser von McCalls Rachefeldzugs und seiner brutalen Mordserie, verschwindet sie nach dem ersten Drittel spurlos, um am Ende des Films gut gelaunt für eine letzte Szene mit Denzel Washington wieder aus der Versenkung zu erscheinen. Dabei hätten wir sie in der Rolle gerne länger gesehen. Vor ihr sollten sich Hollywoods Jungschauspieler in Acht nehmen, denn der schüchtern wirkende, blonde Engel kann auch anders!

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