'Absolutely Fabulous' mit Joanna Lumley und Jennifer Saunders: Die britische Kultserie 'Ab Fab' macht auch im Kino Spaß

Absolutely Fabulous
Patsy (Joanna Lumley, l) und Eddy (Jennifer Saunders) mögen es wild. Foto: Twentieth Century Fox © deutsche presse agentur
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Das Wort "Kult" wird oft überstrapaziert. Fast alles wird heute als kultig gepriesen, selbst Mainstream-Unterhaltung, die gestern noch trashig oder spießig war: die "Lindenstraße" ist Kult, das "Dschungelcamp" ist Kult, sogar "Frauentausch ist Kult", irgendwie.

Das ist natürlich Quatsch. Echter Kult ist, was qualitativ aus der Masse heraussticht und - zumindest am Anfang - eine eingeschworene und exklusive Fangemeinde hat. "Absolutely Fabulous" ist Kult. Eindeutig. Wenn Sie jetzt nicht wissen, was "Ab Fab" ist: Keine Sorge, da sind Sie in Deutschland nicht allein, und Sie haben die Chance, diesen überdrehten britischen Spaß kennen zu lernen: Edina und Patsy kommen mit einem atemlosen Abenteuer ins Kino.

Die Story ist im Prinzip zweitrangig, das (Party-)Leben der beiden Society-Ladys steht im Vordergrund - und ihre ewigen Verstrickungen in absurd-komische Peinlichkeiten zwischen Alltagsstress und Jetset-Feierei. So machen die beiden da weiter, wo sie in der Fernsehserie aus den 1990er Jahren angefangen haben, nur eben viele Jahre später: Partys, Männer und viel, viel Alkohol. "Alle sind älter, aber nicht weiser oder vernünftiger geworden", sagt Komödiantin Jennifer Saunders, die die Serie mitentwickelt hat, im Interview der Zeitschrift "Moviestar".

Sie ist die leidlich erfolgreiche PR-Agentin Edina Monsoon, die vom Geld ihres Ex-Mannes lebt. Ihre Busenfreundin ist die Mode-Expertin Patsy Stone, gespielt von Ex-Bond-Girl Joanna Lumley, die eine Frage nach den Unterschieden zur Serie im gleichen Interview im Patsy-Stil beantwortet: "Glücklicherweise sind die Flaschen Bollinger-Champagner und Stolichnaya-Wodka gleich, damit ist das Hauptnahrungsmittel der beiden gesichert!" Stoli-Bolli nennt sich der absturzgefährdende Mix.

Lumley ist mittlerweile 70, was ihr niemand ansieht, auch wenn natürlich ein paar Fältchen hinzugekommen sind. Saunders hat im Juli ihren 58. Geburtstag gefeiert. Doch die Spuren des Alterns werden nicht versteckt, sondern gnadenlos vor die Kamera gezerrt, ob sich Patsy nach durchzechter Nacht selbst Botox spritzt oder sich "Eddy" in immer grellere Outfits hüllt, um auf jeden Fall hip und jung zu wirken.

Hinter all den derben Späßen um Suff, Sex und Superstars wird so die Oberflächlichkeit, der Jugendwahn und Promi-Kult einer Spaßgesellschaft seziert, die in der Modewelt ihren Höhepunkt findet. Einen ähnlich ernsten Hintergrund hat die Beziehung Edinas zu Tochter Saffron (Julia Sawalha), die mittlerweile selbst eine Teenie-Tochter hat und mit ihr im Haus von Edina lebt - das kann kaum gut gehen.

Und so ist man, bei allem ernsthaften Hintergrund, wieder beim Sinn des Films: Spaß. Wie in der BBC-Serie, die 1992 startete und mit Sonderfolgen bis 2012 im TV präsent war, sind auch im Film beide Frauen dauerbreit und immer auf der Suche nach dem nächsten Kick. Doch diesmal muss Edina Geld verdienen. Verzweifelt versucht sie, Topmodel Kate Moss als Klientin zu gewinnen. Sie übertreibt gnadenlos und schubst Moss dabei aus Versehen von einem Balkon in die Themse. Edina wird zum Staatsfeind Nummer eins. Patsy steht zu ihrer Freundin und flieht mit ihr an die Cote d`Azur.

Weltweite Hysterie um den Tod eines Models, eine Verfolgungsjagd mit dem Gogo-Mobil und eine doppelte Transvestitentäuschung: Das ist alles ziemlich schräg. "Ab Fab" ist eine Mischung aus Satire und Spaß - schrill, schnell, überzogen. Wer Edina und Patsy genießen will, muss den Reality-Check abschalten. Vielleicht ist auch das ein Grund, weshalb das Duo in der Schwulenszene so gut ankommt, wo Humor häufig schräger und derber sein darf als im Hetero-Mainstream. Die beiden Frauen werden dort als Stars gefeiert.

Zu ernst nehmen sollte man den Film nicht, über manche zu überkandidelte Albernheit hinwegsehen und sich von Cameo-Auftritten der Mode-Stars Moss, Stella McCartney und Jean-Paul Gaultier überraschen lassen - dann ist "Ab Fab" auch im Kino "absolut fabelhaft". Vielleicht am besten mit einem Gläschen Stoli-Bolli.


Quelle: DPA
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