'A War': Tobias Lindholm zeigt Krieg mal ganz anders

"A War": Kriegsfilm mal anders
Kommandant Claus Michael Pedersen (Pilou Asbaek) in Afghanistan © Studiocanal

Der Titel "A War" lässt einen actionreichen Kriegsfilm vermuten. Aber - das muss man gleich vorweg nehmen - das ist der Film gar nicht. Hier steht nicht die Kriegsführung im Vordergrund, sondern die Menschen, die den Krieg miterleben. Vor Ort wie zuhause. Es geht nicht um den Krieg selbst, es geht um die Menschen, ihre Entscheidungen und ihre Wahrheit.

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Stoff zum Nachdenken

 

Recht und Moral

 

Claus Pedersen (Pilot Asbaek, 34, "Lucy") ist Kommandant einer dänischen Einheit, die in Afghanistan stationiert ist. Während einer Patrouille werden er und seine Männer von den Taliban angegriffen. Um einen schwerverwundeten Soldaten zu retten, fordert er Luftverstärkung an. Durch die Rettungsaktion wird er zum Held seiner Truppe, doch in Dänemark muss er seine Handlung vor Gericht rechtfertigen. Aber war sie denn gerechtfertigt? Subjektiv: ja. Objektiv: eher nicht. Und moralisch: wer weiß das schon.

 

Nur beobachten, nicht eingreifen

 

Regisseur Tobias Lindholm hält sich mit einer Antwort auf diese Fragen zurück. Er möchte beobachten, zeigen was mit dem Kommandanten, seinen Männern und seiner Familie passiert und in welchem Dilemma Pedersen steckt. Obwohl immer mitten drin im Geschehen, behält man doch einen objektiven Abstand und kann alle Positionen von außen bewerten. Wie ein ständiger Beobachter. Vor allem im Gericht erinnert die Darstellungsweise an Handyaufnahmen - alles absichtlich natürlich. Nüchtern werden so die Fakten dargestellt - vor dem Richter wie bei Familie Pedersen zuhause. Der moralische Zeigefinger fehlt und dennoch werden unangenehme Wahrheiten ans Licht befördert. Es gibt keine großen Gefühlsausbrüche oder übertriebene Gegenreaktionen, dafür viel feines Mienenspiel und verbale Seitenhiebe.

 

Die eigene Wahrheit

 

Es ist ein leiser Film - sieht man einmal von den Granaten und dem Geschrei der Soldaten im Gefecht ab. So leise und unaufgeregt, dass die Frage von Pedersens Tochter Figne wie ein Donnerschlag wirkt: "Papa, ist es wahr, dass du Kinder getötet hast?" Eine sehr unbequeme Frage, auf die auch er keine Antwort gibt. Der Konflikt ist klar: Er hat gelogen, um seinen Freund zu retten und er lügt wieder, um bei seiner Familie zu bleiben. Aber ist es 'Lügen'? Ist das richtig? Oder ist es falsch? Die Antwort bleibt der Film schuldig. Denn nicht einmal Claus Pedersen selbst kennt die Antwort. Er muss einfach lernen, damit zu umzugehen.

 

Stoff zum Nachdenken

 

"A War" ist definitiv kein typischer Kriegsfilm. Wer einen solchen sucht, der ist hier falsch. Auch wer Patriotismus, eine klare Trennung von Gut und Böse oder ein Happy End erwartet, wird enttäuscht werden. Keine seichte Unterhaltung, sondern Stoff zum Nachdenken ist hier geboten. Freunde des Actionsgenre werden mit diesem Film nicht glücklich werden. Politisch Interessierte und aufmerksame Beobachter hingegen finden hier eine andere, weitgehend neutrale Perspektive auf das Kriegsgeschehen in Afghanistan und die Rechtsprechung dahinter.

 

Fazit

 

"Krigen", wie der Film im Original heißt, hat nicht den Anspruch großartige Actionszenen zu zeigen. Vielmehr will er die Geschehnisse des dänischen Militärs aufarbeiten. Aber der Beobachtercharakter verhindert, dass man durchgängig in seinen Bann gezogen wird. Ab und zu ist es anstrengend, dabei zu bleiben. Kein Film für Fans des klassischen Hollywood-Blockbusters, aber dennoch ein Film mit Charakter. Er wurde nicht umsonst mit dem Prädikat "wertvoll" ausgezeichnet und für den Oscar als "Bester fremdsprachiger Film" nominiert.

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