'A Most Wanted Man' mit Philip Seymour Hoffman: So gut ist er in seiner letzten Hauptrolle

Es war seine letzte Hauptrolle

Kinostart: 11. September 2014

4,5 von 5 Punkten

In 'A Most Wanted Man' ist er in seiner letzten Hauptrolle zu sehen: Philip Seymour Hoffman, der Anfang 2014 wegen einer Drogen-Überdosis ums Leben kam, stellt in Anton Corbijns Romanverfilmung erneut sein außergewöhnliches Schauspieltalent unter Beweis. Der Spionage-Thriller zeigt, dass die Folgen der Terroranschläge des 11. September 2001 immer noch allgegenwärtig sind. Neben internationalen Schauspielgrößen wie Philip Seymour Hoffman, Rachel McAdams und Willem Dafoe mischen auch viele deutsche Stars mit. Nina Hoss, Daniel Brühl und Herbert Grönemeyer brauchen sich aber längst nicht vor ihren Hollywood-Kollegen zu verstecken.

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Von Mariana Jang

Auch zehn Jahre nach den Anschlägen auf das World Trade Center, ist Hamburg, wo damals der Angriff geplant wurde, in höchster Alarmbereitschaft – allen voran eine inoffizielle Anti-Terror-Einheit, die von Günther Bachmann (Philip Seymour Hoffman, 'Capote') geleitet wird, der wohl abgewrackteste Spion aller Zeiten. Eines Tages gerät der tschetschenisch-russische Issa Karpov (Grigori Eduardowitsch Dobrygin), der plötzlich wie ein Zombie am Hamburger Hauptbahnhof auftaucht, ins Visier der Ermittlungen. In seiner Heimat gefoltert und gefangen gehalten, sucht er jetzt Asyl bei einer muslimischen Familie. Die junge Anwältin und Flüchtlingshelferin Annabel Richter (Rachel McAdams, 'Wie ein einziger Tag') beschließt, Issa unter die Arme zu greifen und ihm zu seinem Millionen-Erbe seines Vaters zu verhelfen. Bachmann bleibt nur wenig Zeit, um herauszufinden, wer wirklich hinter dem "most wanted man" steckt und was er mit dem Geld vorhat...

'A Most Wanted Man': Hollywood-Stars machen Hamburg unsicher

Es ist schon ein seltsamer Anblick. Während sich Philip Seymour Hoffman und Rachel McAdams im englischsprachigen Original mit Mühe und Not einen deutschen Akzent zurechtlegen (sie scheitern selbst bei ihren eigenen Namen "Backmann" und "Rickter" – das deutsche "ch" ist aber auch fies) – sprechen die deutschen Darsteller wie Daniel Brühl oder Nina Hoss perfektes Englisch. Doch nicht nur in sprachlicher, sondern auch in schauspielerischer Hinsicht sind sie mit den Hollywood-Stars auf Augenhöhe. Sogar Herbert Grönemeyer, der den Soundtrack zum Film liefert, hat eine kleine Rolle ergattert. Genau dieses globale Zusammenspiel verdeutlicht die Universalität der Geschichte nur noch mehr. Im weitesten Sinne geht es um menschliches Versagen, unterschiedliche Machtinteressen, ein gemeinsames Trauma, aber auch ein gemeinsames Ziel.

Eines vorab: Action-Fans werden nicht auf ihre Kosten kommen, denn 'A Most Wanted Man' ist kein typischer Agenten-Thriller à la James Bond mit den obligatorischen Schusswechseln, Explosionen und Verfolgungsjagden. Der Regisseur legt viel mehr Wert auf starke Charaktere, die oft undurchschaubar zu sein scheinen. Corbijn lässt sich mit dem Erzählen der Geschichte Zeit – eine Geschichte, die zur Abwechslung mal nicht klischeebehaftet ist, kein Schwarz-Weiß-Bild zeichnet oder den moralischen Zeigefinger hebt.

Nur Hoffman schafft es, den trinkenden, kettenrauchenden und vom Leben gezeichneten Geheimdienstler Günther Bachmann so glaubhaft zu porträtieren, dass man zwischendurch vergisst, dass er nur eine Rolle spielt. Allein für die großartige Darbietung des viel zu früh verstorbenen Oscar-Preisträgers lohnt sich der Kinobesuch allemal. Denn mit seinem außergewöhnlichen Talent hat er es zum Filmstar geschafft, auch wenn er nicht unbedingt wie einer aussah.

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