A-ha: Eine lange Popkarriere geht zu Ende

A-ha: Eine lange Popkarriere geht zu Ende
© FrankRadtke.com Hamburg, Frank Radtke Hamburg

Morten Harket: "Wir sterben ja nicht"

Wer erinnert sich nicht an die drei jungen Norweger, die 1985 mit 'Take on me' auf der Bildfläche erschienen und mit dem dazugehörigen Comic-Video die damalige Musikvideobranche revolutionierten? Mittlerweile ist das ganze 25 Jahre her, und A-ha sind nun auf weltweiter Abschiedstournee, die den passenden Titel 'Ending On A High Note' trägt. Zudem können Fans sich auf eine umfangreiche Retrospektive in CD-Form freuen: ab dem 6. August wird '25', das letzte Werk der Norweger, in den Regalen liegen!

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Wir haben Songschreiber Pal Waaktaar-Savoy und Frontmann Morten Harket, der übrigens auch Deutsch versteht, auf ihrer Abschiedstour getroffen und sie zu Themen wie Abschiedsstimmung, Zukunftsplänen und “a-ha”-Erlebnissen mit Fans befragt!

Hallo Pal und Morten, Ihr seid nun mitten in Eurer Abschiedstour... wie fühlt sich das momentan für Euch an?

Pal: Es ist großartig, bislang haben wir schon Südamerika, USA und einige Stationen in Europa hinter uns. Überall haben wir ein fantastisches Feedback bekommen.

Morten: Jeder will immer wissen, wie traurig es ist... aber so ist es gar nicht, es ist eher ein siegreiches Gefühl, wir können auf eine lange Karriere und viel Arbeit zurückblicken, das ist doch großartig und ein Grund zum Feiern.. Natürlich geht es an die Emotionen, aber es ist eher so ein Gefühl, stolz auf etwas sein zu können. Wir sterben ja nicht (lacht)

Ist es ein besonderes Feedback, das auf einer Abschiedstour herüberkommt?

Pal: Es ist eine andere Stimmung in den Hallen, wir spüren das auf jeden Fall. Wir konzentrieren uns darauf, eine gute Show zu machen, aber diese Atmosphäre geht natürlich an uns nicht vorbei. Die Fans sind sehr herzlich, sagen uns viele rührende Dinge und wünschen sich, dass wir doch noch ein wenig länger bleiben.

Morten:. Wir sind ja gerade mitten in der Tour, und ja, es ist schon schön, so viel Feedback vom Publikum zu bekommen.

Welche besonderen a-ha-Highlights kommen Euch spontan in den Sinn?

Morten: Es gibt so viele, ich lebe irgendwie in einem Business von Highlights, da ist es schwer, eines auszuwählen. So ähnlich wie bei einem Clown, wenn er seinen lustigsten Moment auswählen müsste.

Pal: Das ist wirklich schwierig. Wir waren in so vielen Ländern erfolgreich, haben auch elektronische Sachen gemacht, ich habe viele gute Erinnerungen daran. Die erste Phase unserer Karriere war zum Beispiel besonders, als wir den ersten Plattenvertrag bekamen nach der ganzen mühsamen Zeit. Dann die Fanhysterie, das war verrückt! Als Leute praktisch auf unserer Türschwelle gelebt haben...

....im Ernst? Erzähl uns davon!

Pal: Ja ehrlich! Ein paar Jahre lang ging das so, da öffnet man die Haustür und will raus.... (fängt an zu lachen) Aber alles sehr nette Leute, man lernt manche ja auch ein wenig kennen. Einige senden immer noch Postkarten und sind mittlerweile über den ganzen Globus verstreut, natürlich mittlerweile erwachsen und haben eigene Familien, das ist sehr interessant und schön zu sehen.

A-ha: Eine lange Popkarriere geht zu Ende
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Was werdet ihr am meisten vermissen?

Pal: In erster Linie das Live-Spielen. Das ist etwas Besonderes und nicht selbstverständlich. Diese Kommunikation mit einem Publikum zu haben, egal wie groß es ist, ist für jede Art Künstler etwas Besonderes. Auch einen neuen Song im Studio einzuspielen, zu schauen wie er klingt, dieser ganze kreative Prozess, das ist immer sehr aufregend. Es ist schon merkwürdig, das plötzlich nicht mehr zu haben.

Und worauf freust du dich am meisten?

Pal: Einen freien Kalender zu haben! Du musst nicht hier sein, dann dort sein, einfach diese totale Freiheit zu haben. Keinen Druck, außer dem, den man sich selbst macht. Ich habe einen 10jährigen Sohn, den werde ich viel öfter sehen können. Wir leben in New York und ich liebe es, einfach die Atmosphäre dort zu genießen, Zeit und Freiheit zu haben und ein normales Leben führen zu können.

Was würdet Ihr denn sagen, wenn Eure Kinder ins Showbusiness wollen? Ein Nachname wie “Harket” würde da sicher eine Tür öffnen?

Morten: Wenn eins meiner Kinder ins Showbiz möchte, respektiere ich das - und würde es auch unterstützen. Aber es ist nicht leichter, sondern viel schwieriger mit einem bekannten Nachnamen! Die unmittelbare Aufmerksamkeit kommt natürlich schneller, aber aus den falschen Gründen. Wenn sie Künstler werden wollen, dann aus eigener Kraft, ansonsten arbeitet der Name nämlich genau gegen sie. Sie müssen ihn sich erarbeiten.

Wann habt ihr beschlossen, A-ha zu beenden, gab es einen ausschlaggebenden Moment?

Morten: Es war eher ein wachsender Prozess, einen bestimmten Moment gab es nicht. Man kommt an einem Punkt, an dem es sich einfach richtig und vollständig anfühlt. Sich umzudrehen, einander die Hände schütteln und dankbar für das sein, was man erreicht hat. Das tun wir nun in Form einer Tour.

Pal: Ich denke, nach der Aufnahme des letzten Albums war es eine beschlossene Sache. Wie bei allen Dingen bei a-ha, gibt es immer mindestens einen, der etwas nicht will. Und dieses Mal war ich das, ich wollte weitermachen, wenigstens für ein weiteres Album.

Ist das immer so eine demokratische Sache bei Euch?

Pal: So in etwa, außer wenn einer den anderen dann doch noch überzeugen kann. Da gab es schon einige Diskussionen!

(Bilder: RTL/Frank Radtke)

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