'72 Stunden': Russell Crowe gerät auf die schiefe Bahn

'72 Stunden': Russell Crowe gerät auf die schiefe Bahn

Ein Film kann noch so gut sein: Stammt er nicht aus der Feder eines amerikanischen Drehbuchautors und kann er keine US-Star-Besetzung aufweisen, hat er im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ keine Chance. Deshalb legt man ausländische Filme mit Vorliebe nach bester Hollywood-Manier neu auf. Jüngestes Beispiel: Das französische Drama ‚Ohne Schuld’, das Star-Regisseur Paul Haggis’ (‚Million Dollar Baby’) für sein Remake ‚72 Stunden’ mit Hollywoodstars aufgehübscht hat. Aber braucht man das?

Gerade noch beim familiären Frühstück, wird die Welt des Lehrers John Brennan (Russell Crowe) auf einmal aus den Angeln gerissen: Polizisten stürmen die Wohnung und nehmen seine Ehefrau Lara (Elizabeth Banks) wegen Mordverdachts fest. Sie soll ihre Chefin nach einem Streit erschlagen haben. Obwohl die verzweifelte Lara ihre Unschuld beteuert, wird sie zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Doch ihr Ehemann nimmt dies nicht so einfach hin und fasst einen Entschluss: Er will Lara aus dem Gefängnis holen – koste es, was es wolle

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Von der Idee über die Vorbereitung bis zur Umsetzung des Fluchtplans wird die Geschichte unterhaltsam erzählt. Zwar wirkt der naive John in der Unterwelt irgendwie fehl am Platze, aber man kann sich vorstellen, dass ein Mann in einer solchen Situation zu allem fähig ist. Absoluter Pluspunkt ist, dass es sich bei der Hauptfigur nicht wie in so vielen Hollywood-Filmen um einen Superhelden handelt, der alles mit links schafft, sondern um einen verzweifelten Mann, mit dem man sich umso leichter identifizieren kann.

Das liegt nicht zuletzt an Hauptdarsteller Russell Crowe, der eine ordentliche Schauspielleistung abliefert und den verbissenen Familienvater glaubwürdig darstellt. Damit lässt er den Zuschauer nicht nur die Logiklücken der Story verzeihen, sondern rückt auch die Tatsache, dass der Film eher die Bezeichnung Drama verdient hätte, in den Hintergrund – für einen Thriller bietet '72 Stunden' nämlich definitiv zu wenig Spannung und noch weniger Aha-Effekte: Die Story ist einfach zu vorhersehbar. Einzige „Spannungskurve“ ist die Frage um Laras Unschuld, die erst gegen Ende aufgeklärt wird.

Die Schauspielleistungen der Hauptdarsteller und Liam Neeson in einer Nebenrolle als Ex-Knasti können immerhin über die Logiklücken hinweg trösten. Für alle, die das Original ‚Ohne Schuld’ bereits gesehen haben, bietet ‚72 Stunden’ leider nicht viel Neues – da hilft auch die Starbesetzung nichts. Fazit für alle anderen: Ordentlicher Drama-Thriller-Mix, der den Zuschauer gut unterhält, aber leider nicht durchgängig fesseln kann.

Von Maike Nagelschmitz

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