'(500) Days Of Summer': Absoluter Lieblingsfilm-Anwärter

'(500) Days Of Summer': Endlich mal eine andere Liebesgeschichte

'(500) Days Of Summer': Absoluter Lieblingsfilm-Anwärter

Mann trifft Frau, verliebt sich, verliert sie und versucht, sie zurück zu erobern. Eigentlich ist die Story von ’500 Days Of Summer’ ebenso simpel wie gewöhnlich und schon mehr als einmal in der Traumfabrik auf Zelluloid gebannt worden. Doch die Geschichte aus der Feder von Scott Neustadter und Michael H. Weber ist einfach anders: ein spezieller, beeindruckender Film von der Sorte, die leider nur viel zu selten produziert wird. Endlich wieder ein bisschen mehr Tiefgang anstelle der geistlosen und immergleichen Liebeskomödien, die tagtäglich über die Leinwände flimmern und völlig utopische Vorstellungen von Liebe suggerieren.

Tom (zum Verlieben: Joseph Gordon-Levitt) liebt Summer (süß und Katy Perry zum Verwechseln ähnlich: Zooey Deschanel) vom dem Augenblick an, da sie als Sekretärin der Grußkartenfirma anheuert, wo er als Texter engagiert ist. Er ist sich sicher: Sie ist die Frau, mit der er alt werden und eine Familie gründen will. Die Sache hat nur einen Haken: Summer ist eine moderne Großstadt-Prinzessin, die ihre Rechnungen selbst begleicht, ihre Drachen selber tötet und absolut keine Lust auf eine feste Bindung hat. Doch Tom gibt nicht auf und durchlebt auf seinem Eroberungsfeldzug sämtliche Höhen und Tiefen, die man sich nur vorstellen kann.

‚500 Days of Summer’ besticht durch seine Liebe zum Detail und den innovativen Erzählstil. Scheinbar wahllos und keiner ersichtlichen Chronologie folgend springt die Geschichte in den 500 Tagen der ‚Beziehung’ hin und her – beginnend mit Tag 488. Der Film lebt von diesen episodenhaften Sequenzen, die das Wechselbad zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt bestens widerspiegeln. Angefangen an dem Tag, als Tom in einer Art Bollywood-Musical-Sequenz völlig liebestrunken durch Los Angeles tänzelt, bis zum absoluten Tiefpunkt, in dem er apathisch im Bademantel zum Kiosk um die Ecke taumelt, um seinen Whiskey-Vorrat aufzustocken – all diese Puzzelteile fügen sich stimmig zu einem Ganzen zusammen und ergeben eine Geschichte, die weder im Kitsch noch im Rosenkrieg mündet.

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Endlich mal ein Film, der nicht die perfekte Liebe zelebriert

Viele weitere künstlerische Raffinessen verleihen dem Film seinen besonderen Charme: So sieht das Publikum in einer Split-Screen-Einstellung auf der einen Seite die ungeschönte, nüchterne Realität, die mit Toms ‚leicht’ abweichenden Erwartungen auf der anderen Seite kollidieren. Auch schön: Ein Abschnitt mit Dokumentarcharakter, in dem die Protagonisten gefragt werden: Was ist Liebe für dich? All diese kleinen und größeren Highlights transportieren eine eindringliche, sowie ernüchternde Message, mit der man nachdenklich grübelnd das Kino verlässt: Was ist Liebe eigentlich für mich?

Und auch der Soundtrack darf beim Erstlingswerk von Musikvideo-Spezialist Marc Webb natürlich nicht fehlen. Ob Regina Spektor, Wolfmother, The Smiths, Carla Bruni oder gar Patrick Swayze – die Musik geht eine perfekte Symbiose mit der Story und den wunderschönen und intensiven Bildern ein.

Ein Hoch auf ‚500 Days of Summer’, der im völlig überlaufenen Markt der Liebeskomödien tatsächlich eine Marktlücke entdeckt hat: ein wenig Realismus! Mark Webb legt mit seinem Erstlingswerk seinen Finger auf eine ganz besonders wunde Stelle menschlicher Gefühle, nämlich die der unerwiderten Liebe. Endlich mal ein Film, der nicht die perfekte Liebe zelebriert und den durch Hollywood-Schnulzen verhätschelten Zuschauer in seiner Sucht nach einem harmonischen Happy End unterstützt. Absoluter Lieblingsfilm-Anwärter!

Von Christina Rings

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