'47 Ronin'-Filmkritik - Kinostart 30.01.2014

Keanu Reeves in '47 Ronin'
Keanu Reeves Comeback in '47 Ronin' missglückt völlig.

1,5 von 5 Punkten

In den letzten Jahren war es etwas stiller um ihn geworden, doch jetzt läutet 'Matrix'-Star Keanu Reeves mit seinem neuen Film ein kleines Comeback ein. In dem Fantasy-Spektakel '47 Ronin', das auf einer uralten japanischen Legende beruht, spielt der 49-Jährige einen Krieger, der 47 Samurai-Kämpfer auf ihrem blutigen Rachefeldzug unterstützen soll. Klingt nach einem aufwändigen Hollywood-Spektakel - und das ist es auch. Rund 175 Millionen Dollar hat der 3D-Film verschlungen. Geholfen hat es leider nichts, denn in den USA floppte der Film bereits gnadenlos.

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Und auch hierzulande ist es fraglich, ob der Film wirklich die Kinokassen zum Klingeln bringen wird, lässt die Umsetzung des Mythos, den in Japan jedes Kind kennt, doch leider sehr zu wünschen übrig. Zwar beginnt der Film recht dynamisch und wartet mit einigen beeindruckenden 3D-Effekten auf, allerdings verlieren diese genauso schnell an Wirkung wie die Geschichte: Der gesetzeslose Krieger Kai (Keanu Reeves) lebt in den Wäldern des gutmütigen Fürsten Asano von Ako (Min Tanaka, 'Saumari der Dämmerung') und unterstützt dessen Samurai bei der Jagd - aufgrund seiner zweifelhaften Herkunft jedoch sehr zu deren Missfallen. Einzig Fürstentochter Mika (Ko Shibasaki, 'The Call') findet von Anfang an Gefallen an Kai, und er natürlich auch an ihr. Eine Liebe, die aufgrund ihrer unterschiedlichen Herkunft, aber nicht sein darf. Als Asano durch einen magischen Hinterhalt des rivalisierenden Fürsten Kira (Tadanobu Asano, 'Thor') getötet wird , übernimmt Kira die Herrschaft über dessen Reich und will Prinzessin Mika zur Frau nehmen. Asanos Krieger hingegen verlieren ihren Anführer und werden zu herrenlosen Samurai, sogenannten 'Ronin', und sinnen auf Rache.

Ein Jahr nach dem Tod ihres Fürsten und kurz vor der Fürstenhochzeit trommelt der ehemalige Samurai-Anführer Oishi (Hiroyuki Sanada, 'Wolverine: Weg des Kriegers') seine Männer zusammen und holt auch Kai zu Hilfe. Anfangs noch missgünstig beäugt, wird er von den ehemaligen Samurai aufgrund seiner Fähigkeiten und seiner Loyalität gegenüber Asano schließlich akzeptiert und ebenfalls zum Ronin. Mit '47 Ronin' machen sie sich auf den Weg ihren Racheplan in die Tat umzusetzen...

Selbst Keanu Reeves kann nicht überzeugen

Keanu Reeves in '47 Ronin'
Die Liebesgeschichte in der '47 Ronin'-Verfilmung ist eine reine Hollywood-Erfindung.

Keine Frage, Regie-Neuling Carl Erik Rinsch, der von Ridley Scott gefördert wird, rückt in der ersten Filmhälfte den historischen Hintergrund völlig zu Recht in den Fokus, die Umsetzung lässt jedoch zu wünschen übrig. Zu viel magischer Unsinn und zu allem Überfluss auch noch Dialoge, die genauso kurz und hölzern sind wie leider in vielen schlechten Actionfilmen. Doch nicht nur die Dialoge und die Erzählweise sind über weite Strecken enttäuschend, auch der Endkampf, in dem es für die Ronin um alles geht, verkommt zu einem bloßen Schwertschlagabtausch gemixt mit ein wenig Magie. Aber okay, auf diese Weise ist wenigstens die Bezeichnung 'Fantasy-Action' gerechtfertigt.

Wer jetzt glaubt, dass stattdessen alles auf Keanu Reeves zugeschnitten ist, dürfte enttäuscht sein. Leider kommt er in seiner Rolle des Kai erst in der zweiten Hälfte des Films richtig zum Vorschein. Bis dahin wirkte Reeves' Figur fast wie ein kleiner Junge, der gerne bei den Erwachsenen mitmischen möchte, aber noch nicht gelassen wird. Das könnte vielleicht aber auch daran liegen, dass in der ursprünglichen Legende der '47 Ronin' seine Rolle gar nicht vorkommt. Die Figur des Kai ist eine reine Hollywood-Erfindung und erklärt vielleicht auch, warum Reeves über den gesamten Film gesehen etwas blass wirkt. Denn trotz seiner vermeintlich großen Liebesgeschichte entwickelt der Zuschauer noch eher eine Sympathie für den anfangs noch störrischen Ronin-Anführer Oishi. Von ihm gibt es am meisten über die drei Säulen der Ronin-Legende (Ehre, Loyalität und Selbstaufopferung) zu lernen – und es wirkt trotz der halbgaren Dialoge authentisch. Dagegen sieht Keanu Reeves leider ganz schön alt aus.

Zugegeben, Fans des Action- und Fantasy-Genres werden an '47 Ronin' aber wohl auch noch am ehesten Gefallen finden. Zwar besteht die Gefahr, dass sie sich während der geschichtsträchtigeren Erzählung ziemlich langweilen, die 'magischen Momente' könnten sie aber darüber hinwegtrösten. Eingefleischte Fans von Hollywood-Schnuckel Keanu Reeves dürften aber ziemlich enttäuscht sein. Da hofft man sich in Zukunft wieder eine etwas ambitioniertere Rollenauswahl des Kanadiers. Ansonsten müssen wir halt wieder mit den alten 'Matrix'-Filmen Vorlieb nehmen - die gehen im Zweifel immer …

Von Alexandra Hinske

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