3D-Actionmaßstäbe: 'Avatar' jetzt in der Extended-Version

Aufbruch nach Pandora

3D-Actionmaßstäbe: 'Avatar' jetzt in der Extended-Version

Der erfolgreichste Film aller Zeiten soll noch erfolgreicher werden: 'Avatar' kommt wieder ins Kino. Hardcore-Fans werden sich freuen, wie einst bei "Herr der Ringe" zu rätseln, was neu ist in der Extended Version. Für alle, die den Film immer noch nicht gesehen haben, ist das eine prima Chance, das auf der großen Leinwand zu tun.

Zwölf Jahre hat sich James Cameron nach „Titanic“ Zeit gelassen für seinen nächsten Spielfilm. Dabei hatte er die Idee zu „Avatar“ schon vor 15 Jahren. Doch nach dem erfolgreichsten Streifen aller Zeiten drehte der Schöpfer von modernen Klassikern wie „Terminator“ und „True Lies“ lieber Unterwasser-Dokus und holte dann doch sein altes Skript wieder hervor. Denn nun schien die Technik reif, die Story vom fernen Planeten Pandora photorealistisch umzusetzen - natürlich in 3D.

Damit das Ganze aber nicht zu einer einzigen Material- und Effektschlacht verkommt, hat sich Cameron Schauspieler an Bord geholt, die auch in einen Motion-Capture-Anzug gequetscht mimische Höchstleistungen bringen. Allen voran Sam Worthington, der kernige Australier, der seit „Terminator 4“ Hollywoods Besetzungskarussell gehörig durcheinanderwirbelt. Er spielt den auf den Rollstuhl angewiesenen Kriegsveteranen Jake Sully, der sich zu einem gewagten Experiment meldet.

Er soll auf Pandora die Ureinwohner unterminieren, denn sie sträuben sich, ihren Planeten ausbeuten zu lassen von den Menschen, die scharf sind auf ein Erz, das die Energiekrise auf der Erde bekämpfen könnte. Um die Na’vi, schmalbrüstige blaue 3-Meter-Geschöpfe, die nie mehr als Lendenschurz und ein bisschen Körperschmuck tragen, auf seine Seite zu bringen, muss er einer der ihren werden - zumindest körperlich. Dafür verbindet die forsche Wissenschaftlerin Dr. Grace Augustine (wie immer engagiert bei der Sache: die mit 60 noch schicke und topfitte Sigourney Weaver) Sullys Geist mit dem Körper eines Na’vi-Avatars, und der Ex-Marine wird blau und kann wieder laufen.

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Sam Worthington: Attraktiver Frauenheld lässt Frauenherzen höher schlagen

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Die Welt der Ureinwohner Pandoras ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, aber immerhin sehen die Aliens nicht aus wie mit dem digitalen Kopierstempel erstellt, sondern sind bis zu den Ketten, die notdürftig ihre Brustwarzen verdecken, liebevoll und individuell gestaltet. Doch kaum hat sich der Zuschauer eingesehen, kommt es, wie es kommen muss: Nach anfänglichen Schwierigkeiten, sich unter den Eingeborenen zu behaupten, akzeptieren sie Sully als einen der ihren, und er erobert das Herz der kämpferischen und eigenwilligen Na’vi-Frau Neytiri (stimmgewaltig und selbst in Nachtblau bildhübsch: Zoe Zaldana aus „Star Trek“). Kann er die Na’vi nun noch verraten? Sully muss sich entscheiden, auf wessen Seite er steht, und zwar schnell…

Die Story ist natürlich leicht vorhersehbar und erinnert nicht umsonst an Pocahontas. Wenn die Truppen von Colonel Quaritch (herrlich fies: Stephen Lang) und Reißbrett-Stratege Selfridge (schön aalglatt: Giovanni Ribisi) mit ihrem Maschinenfuhrpark über die hängenden Felsen von Pandora hinwegbrettern, zieht Cameron damit nicht nur eine vorwurfsvolle Parallele zur Ausrottung der Ureinwohner nach der Entdeckung Amerikas, sondern auch zu zahlreichen Kriegszüge der US-Geschichte von Vietnam bis Afghanistan. Sein Herz schlägt klar für die indigene Bevölkerung, und er schießt manchmal über das Ziel hinaus, wenn er sie dem Zuschauer sympathisch machen will und ihre Naturheil-Rituale extrem esoterisch inszeniert.

Damit versucht Cameron vermutlich auch das weibliche Publikum an Bord zu holen, dabei wäre soviel Aktionismus gar nicht nötig gewesen. Die Story funktioniert, starke Frauenfiguren (neben Saldana und Weaver ist noch Michelle Rodriguez als Kampfamazone mit an Bord) bieten Identifikationsmöglichkeiten, und Sam Worthington ist als Held so attraktiv und sympathisch, dass gerade Frauenherzen höher schlagen dürften. Die Love Story nimmt einen größeren Raum ein als in Streifen wie „Transformers“, wo nur eine Actionnummer nach der nächsten abgehakt wird. Und die Kampfhandlungen kommen auch nicht zu kurz.

Die Special Effects sind zwar nicht photorealistisch, aber so erstklassig, dass man die 3-D-Brille auf der Nase glatt vergisst. Und Cameron versteht es, mit seiner Geschichte auch über die stolze Spielzeit von mehr als 2 ½ Stunden zu fesseln. Weniger wäre vielleicht manchmal fast mehr gewesen, aber kleckern statt klotzen war noch nie die Sache des Mannes, der mit 'Titanic' seinerzeit den teuersten Film aller Zeiten erschuf und sich selbst bei den Produktionskosten von 'Avatar' noch übertroffen hat.

Von Mireilla Zirpins

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