'24 Wohen': Julia Jentsch und Bjarne Mädel in einem Film über das Tabuthema Abtreibung

24 Wochen
Zwischen Zweifel und Zuversicht: Julia Jentsch in "24 Wochen". Foto: Friede Clausz/Neue Visionen Filmverleih © deutsche presse agentur
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Astrid (Julia Jentsch) freut sich auf ihr zweites Kind. Die beliebte Komödiantin und ihr Partner Markus (Bjarne Mädel), der auch ihr Manager ist, sind sich sicher, dass ihr Leben nun noch schöner wird. Dementsprechend groß ist der Schock, als bei dem Ungeborenen das Down-Syndrom festgestellt wird.

Doch das Paar möchte sich und dem Kind alle Chancen geben. Nach ausführlicher Beratung und intensivem Nachdenken entschließen sie sich für die Geburt.

Bis hierhin strahlt die Erzählung eine große Wahrhaftigkeit aus. Regisseurin Anne Zohra Berrached und ihr Drehbuchmitautor Carl Gerber zeigen in oft dokumentarisch anmutender Direktheit die komplizierte und verantwortungsbewusste Suche der werdenden Eltern nach der für sie und ihr noch ungeborenes Kind richtigen Entscheidung. Das ist einfühlsam und nachvollziehbar erzählt. Leider bleibt es nicht dabei.

Im weiteren Verlauf wird die Geschichte unnötigerweise zugespitzt: Bei dem Fötus wird zusätzlich ein extrem schwerer Herzfehler diagnostiziert. Wenn überhaupt, könnte das Kind nur nach mehreren Operationen bald nach der Geburt überleben. Astrid, bereits im sechsten Monat schwanger, kann laut Gesetz eine so genannte Spätabtreibung vornehmen lassen. Aber will sie das? Die Gespräche mit Markus, mit ihrer Mutter und anderen helfen ihr nicht. Sie muss sich ganz allein entscheiden. Das fällt ihr verständlicherweise unsagbar schwer. Doch dann fasst sie einen Entschluss und geht damit sogar an die Öffentlichkeit.

Der Film hat seine stärksten Momente, wenn die Kamera ruhig an Astrids und Markus' Seite ist, ihre Sorgen spiegelt, Zweifel, Ängste. Mit kleinsten Mitteln porträtiert Julia Jentsch ("Sophie Scholl – Die letzten Tage") glaubwürdig und berührend eine Frau in tiefster Erschütterung. Bjarne Mädel, bekannt durch seine Verkörperung des Polizisten Dietmar Donatus Schäffer in der komödiantischen Fernsehserie "Mord mit Aussicht", agiert an ihrer Seite ebenfalls überaus sensibel. Schauspielerisch ist das von höchster Güte.

Schade, dass Drehbuch und Regie mit der übertriebenen Dramatisierung der Geschichte den eigenen Mut reduzieren, sich einem so komplizierten Thema wie dem Für und Wider eines möglichen Schwangerschaftsabbruchs künstlerisch anzunähern. Denn so, wie die Handlung jetzt abläuft, schlägt sich wohl nahezu jede Zuschauerin und jeder Zuschauer am Ende auf die Seite Astrids. Zudem verbietet der im Film fallende Satz einer Hebamme jede Diskussion: "Da darf keiner drüber urteilen!"

Ein scheinbares Tabuthema, die Verwendung von dokumentarischen Mitteln und den Einsatz von Laiendarstellern, etwa von wirklichen Medizinern als Ärzten, hat die aus Erfurt stammende Regisseurin Anne Zohra Berrached schon in ihrem Spielfilmdebüt "Zwei Mütter" geboten. Doch weil schlichter erzählt und darum durchweg nachvollziehbar, war die Erzählung um zwei lesbische Frauen, die per Samenspende ein Kind bekommen möchten, sehr viel packender.

Nachhaltig wirken neben dem Spiel von Jentsch und Mädel nun einige Momente um medizinische Vorgänge. Zum Beispiel wird geradezu brutal genau gezeigt, was es heißt, wenn ein Neugeborenes operiert werden muss. Manche Augenblicke sind für sensible Kinogänger sicherlich eine Zumutung. Besonders schwer zu ertragen sind jene Szenen, in denen detailliert vorgeführt wird, wie eine Spätabtreibung abläuft, was sie für die Schwangere und für das Ungeborene bedeutet.

Statistiken zufolge entscheiden sich übrigens mehr als 90 Prozent der Frauen in Deutschland, die im Spätstadium ihrer Schwangerschaft von einer schweren Behinderung erfahren, für eine Abtreibung.


Quelle: DPA
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