'2012': Mehr Zerstörung geht nicht - Filmkritik

Roland Emmerich lässt es gewaltig krachen!

'2012': Mehr Zerstörung geht nicht - Filmkritik

Das Ende der Welt steht vor der Tür. Nicht schon wieder, denken Sie vielleicht, denn wenn Roland Emmerich auf dem Regiestuhl sitzt, dann lässt er es stets richtig krachen. Ob nun schleimige Aliens ganz Manhattan dem Erdboden gleichmachen ("Independence Day") oder gleich die ganze Nordhalbkugel in einen Eisklotz verwandelt wird ("The Day After Tomorrow"), Emmerich mag Katastrophenszenarien. Was er allerdings in "2012" auffährt, stellt selbst seine bisherigen Werke in den Schatten.

Ausgangsbasis ist der Kalender der Maya, der mit seinem 13. Zyklus am 21. Dezember 2012 sein Ende erreicht. Nach diesem Datum ist Feierabend. Konnte man derartiges bisher noch als hanebüchene Verschwörungstheorie abtun, verdichten sich im Jahr 2009 tatsächlich die Hinweise auf eine grundlegende Veränderung der Erde - zumindest im Film. Durch ungewöhnlich starke Sonneneruptionen heizt sich der Erdkern wie eine Mikrowelle auf, die Erdplatten verschieben sich. Berechnungen ergeben, dass es im Jahr 2012 zur Katastrophe kommen wird. Das Ende der Welt ist nicht mehr aufzuhalten.

Mit dieser Schreckensmeldung im Gepäck macht sich der Geologe Adrian Helmsley (Chiwetel Ejiofor aus "American Gangster") auf den Weg von Indien in die USA, um den Präsidenten (Danny Glover) zu informieren. Zusammen mit einem Team von engagierten Wissenschaftlern arbeitet Helmsley fieberhaft an einem geheimen Katastrophenplan: Gigantische Archen sollen zumindest einen Teil der Menschheit retten.

Von diesem Zirkus bekommt der erfolglose Autor Jackson Curtis ("High Fidelity"-Star John Cusack) nichts mit. Wie einst Tom Cruise in "Krieg der Welten" ist auch er ein geschiedener Familienvater, der seine beiden Kinder nur noch gelegentlich sieht. Seine Ex-Frau Kate (Amanda Peet) dagegen hat in dem Schönheitschirurgen Gordon Silverman (Thomas McCarthy) eine neue Liebe gefunden. Umso größer ist die Freude, als Curtis mit dem Nachwuchs einen Ausflug in den Yellowstone Nationalpark machen darf.

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Übertriebende Panik schlägt in unfreiwillige Komik um

'2012': Mehr Zerstörung geht nicht - Filmkritik

Doch die traute Campingidylle währt nicht lange: Die drei stoßen nicht nur auf eine gigantische militärische Forschungseinrichtung, sondern auch auf den schrägen Radiomoderator Charlie Frost (Woodie Harrelson), der das Ende der Welt herbeiorakelt. Zunächst hält Curtis ihn für einen Spinner, doch als in Los Angeles die Straßen aufbrechen, weiß er, dass dies nur der Auftakt zu einer gigantischen Katastrophe ist.

Im weiteren Verlauf brennt Emmerich dann ein Feuerwerk aus so packenden Actionsequenzen ab, dass alle vergleichbaren Filme getrost einpacken können. Erdbeben, Vulkanausbrüche, Flutwellen, Meteoriteneinschläge und Flammenhöllen: Maximale Verwüstung ist garantiert.

Doch nicht immer bedeutet größer und mehr auch automatisch besser. Wenn ein Flugzeug zum dritten Mal noch gerade abheben kann, bevor die Landebahn wegbricht, vergisst man irgendwann vor lauter Gähnen glatt das Staunen. Ständig schaffen es die Charaktere in letzter Sekunde, dem Tod von der Schippe zu springen. Im Angesicht eines ohnehin schon unglaubwürdigen Szenarios wirkt dies leider manchmal derart übertrieben, dass die Spannung ein ums andere Mal in unfreiwillige Komik umschlägt. Hier wäre weniger mehr gewesen.

Auch den Griff in die Schnulzenkiste hätte Emmerich sich sparen können. Die Geschichte eines Vaters, der zu seiner Familie zurückfinden will sowie mehrere vor Pathos nur so triefende Abschiedsszenen ziehen den Film unnötig in die Länge. Langeweile kommt erfreulicherweise dennoch selten auf, was auch daran liegt, dass auch in der Endzeitstimmung Humor und Selbstironie nicht zu kurz kommen. So reagieren die Figuren nicht nur überraschend sarkastisch, es finden sich sogar Seitenhiebe auf "Jurassic Park" und Arnold Schwarzenegger. "2012" bietet 158 Minuten lang perfektes Popcornkino und ist trotz des glattgebügelten Hollywood-Drehbuchs sehenswert - schon wegen seiner fantastischen Spezialeffekte.

Von Timo Steinhaus

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