'12 Meter ohne Kopf': Matthias Schweighöfer macht sich nackt

Alter Seemannsgarn mit Sexappeal

'12 Meter ohne Kopf': Matthias Schweighöfer macht sich nackt

Matthias Schweighöfer zieht sich aus – neuerdings offenbar extrem gern. Erst zeigte er uns in 'Zweiohrküken’ ausgiebig seinen nackten Hintern, nun auch in '12 Meter ohne Kopf’ – einem Piratenfilm! Schweighöfer und sein Kollege Ronald Zehrfeld versuchen nämlich, der alten Legende vom norddeutschen Freibeuter Klaus Störtebeker mit flotten Dialogen in modernem Deutsch und nackter Haut Pep zu verleihen. Aber geht das Konzept auf, einen respektloseren Piratenfilm als 'Fluch der Karibik’ zu drehen – mit mehr Sex und weniger Spezialeffekten?

Das Zeug dazu hätte die Störtebeker-Story schon. Der Pirat soll dem Hamburger Bürgermeister das Versprechen abgeluchst haben, dass alle Jungs aus seiner Mannschaft am Leben bleiben dürften, an denen er nach seiner Enthauptung noch vorbeigehen kann. Und nachdem er einen Kopf kürzer gemacht wurde, soll Störtebeker tatsächlich noch an elf von seinen Männern vorbeigeschritten sein, bevor ihm der Henker wahlweise ein Bein stellte oder einen Richtblock vor die Füße warf.

Wahre Geschichte oder doch alles nur Seemannsgarn? Als gesichert gilt jedenfalls, dass Störtebeker 1401 auf dem Hamburger Grasbrook seinen letzten Schritt tat. Wie es dazu kam, dass er nach seiner Hinrichtung noch '12 Meter ohne Kopf’ unterwegs war, erzählt 'Emmas Glück’-Regisseur Sven Taddicken in seiner ganz eigenen Interpretation..

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Auch ohne Captain Jack Sparrow ein überzeugender Piratenfilm

'12 Meter ohne Kopf': Matthias Schweighöfer macht sich nackt

Bei ihm sorgen die besten Freunde Klaus Störtebeker (kraftvoll: Ronald Zehrfeld) und Gödeke Michels (großartig: Matthias Schweighöfer) zusammen mit ihrer Piraten-Mannschaft auf der Nordsee für Chaos und Krawall. Die voll beladenen Kähne der Hanse, in den Augen der Piraten reiche „Pfeffersäcke“, sind leichte Beute und ermöglichen der wilden Truppe ein spaßiges Freibeuterleben voller Besäufnisse, Schlägereien und gelegentlichem Sex.

Als Störtebeker bei einem Routineangriff lebensgefährlich verletzt und das Schiff der Piraten auf den Meeresgrund befördert wird, weht allerdings plötzlich ein anderer Wind. Zwar wird umgehend ein rostiger Kahn zu einem Wucherpreis angeschafft, aber ihr einstmals charismatischer Kapitän ist zum Schlappschwanz geworden. Plötzlich fürchtet er See und Wind bekommt und lässt Parolen wie „Gewalt ist keine Lösung“ vom Stapel. Zu allem Überfluss verliebt sich Störtebeker bei einem Landgang in die alleinerziehende Bille und würde eigentlich am liebsten mit ihr ein ruhiges Leben auf dem Bauernhof führen.

Keine guten Eigenschaften für einen Kapitän. Das findet auch Heißsporn Gödeke, für den das Piratenleben das Ein und Alles ist. Frustriert startet er einen kläglichen Selbstmordversuch – und entdeckt dabei eine wahre Wunderwaffe, die den Piraten ein furioses Comeback beschert. Doch die Hanse hat langsam genug von den ständigen Verlusten und sagt den Freibeutern den Kampf an…

Dass '12 Meter ohne Kopf’ nicht mit den Spezialeffekten von 'Fluch der Karibik’ mithalten kann, dürfte sich von selbst verstehen. Dennoch zeigt der Film eindrucksvoll, dass für einen überzeugend aussehenden Piratenfilm weder eine karibische Kulisse noch ein Budget in zweistelliger Millionenhöhe notwendig ist. Die Kostüme überzeugen, und für die Dreharbeiten auf hoher See wurden drei originalgetreue Nachbauten alter Koggen eindrucksvoll in Szene gesetzt. Lob verdient auch das Herzblut, mit dem die Schauspieler bei der Sache sind. So ist sich Schweighöfer nicht zu schade dafür, an Zehrfelds haarigem Fuß zu lutschen, während der selbst eine lebendige Riesenspinne verspeisen muss.

Doch nicht immer geht es im Film zu wie zu Störtebekers Zeiten. So brüllen die Piraten „Fick die Hanse“ und werden dabei von Punk- und Rocksongs begleitet. Während die musikalische Untermalung die teils langatmige Story noch einigermaßen aufpeppt, ist die Verwendung moderner Umgangssprache sicherlich Geschmackssache. Auch aus Störtebekers verlorengegangenem Piratenspirit hätte mehr herausgeholt werden können. Taddicken rückt stattdessen die Beziehung zwischen Störtebeker und Gödeke ins Zentrum. Deshalb ist '12 Meter ohne Kopf’ nicht nur eine Komödie, sondern vor allem auch ein Film über Jungsfreundschaften. Sympathisch, bisweilen auch romantisch, aber leider auch relativ unspektakulär.

Von Timo Steinhaus

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